18.03.2019

Verlässliche Orte

Anlaufstelle für junge Flüchtlinge: der Verein "Ausbildung statt Abschiebung"

von Monika Bethscheider

Damit sie die Zeit ihres Aufenthalts in Deutschland bestmöglich nutzen können, benötigen junge Flüchtlinge verlässliche Orte und verlässliche Beziehungsarbeit sowie Förderangebote, die die Vermittlung fachlicher und sprachlicher Kenntnisse mit biografieorientierten Hilfen verbinden – so früh wie möglich und unabhängig von der im Einzelfall absehbaren Bleibeperspektive. Ein solcher Ort ist der Bonner Verein "Ausbildung statt Abschiebung".

Schon lange fliehen junge Menschen nach Deutschland, allein oder mit ihrer Familie, auf der Suche nach Schutz vor Krieg, Verfolgung, Diskriminierung oder anderer Not. Unter denjenigen, die seit 2015 nach Deutschland gekommen sind, ist der größte Teil in einem Alter, in dem sich Fragen der beruflichen Qualifizierung mit großer Dringlichkeit stellen. Auf die Anforderungen, die damit verbunden sind, treffen sie in einer ohnehin schwierigen Lebenssituation. Junge Flüchtlinge müssen verarbeiten, was sie im Heimatland und auf der Flucht erlebt haben, müssen den Verlust von Menschen, vertrauten gesellschaftlichen Abläufen und Verhaltensorientierungen bewältigen. Sie müssen sich unter den Bedingungen von Aufenthaltsunsicherheit, schwierigen Wohnverhältnissen und kultureller Fremdheit in Deutschland zurechtfinden und dem Druck stellen, möglichst schnell die deutsche Sprache zu erlernen. Unter diesen Umständen sind Fragen der beruflichen Qualifizierung ein wichtiges, aber nicht das einzige Anliegen, das sie beschäftigt.

Die Grundidee: "Hilfen aus einer Hand" – so früh wie möglich und für alle, die Hilfe brauchen

Ein Teil des AsA-Teams (v.l.n.r.): Bastian Zillig, Sara Ben Mansour, Babette Loewen, Johanna Strohmeier, Henrike Vogelsang

Als anerkannter Träger der freien Jugendhilfe engagiert sich der Verein "Ausbildung statt Abschiebung" (AsA) seit über 15 Jahren in Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis dafür, vor allem jungen Flüchtlingen mit ungesichertem Aufenthaltsstatus eine berufliche Qualifizierung und den Aufbau einer eigenständig gesicherten Perspektive zu ermöglichen. Grundlage ist das Konzept der "Hilfen aus einer Hand": Die Jugendlichen erhalten Beratung und Begleitung in allen Lebenslagen, inhaltlich gebündelt und koordiniert unter dem Dach der Initiative. Zugleich werden auch ausbildungsbereite Betriebe durch den "Arbeitgeberservice" des Vereins mit relevanten Informationen vor allem zu rechtlichen Fragen und durch die Vermittlung von Kontakten zu fachlichen Ansprechpartnern unterstützt. Immer wieder melden sich Unternehmer gerade aus kleinen und mittelständischen Betrieben, die zur Bewältigung rechtlicher und administrativer Fragen ein übergreifendes Wissen benötigen: "Wenn sie zum Beispiel bei Berufskammern anrufen", erläutert Sara Ben Mansour, Projektleiterin des Beratungszentrums von AsA, "kann man ihnen etwas zu den Berufen sagen. Aber nicht immer erhalten die Arbeitgeber auch alle notwendigen Informationen zu den aktuell geltenden asyl- und aufenthaltsrechtlichen Bestimmungen. So ist die Idee entstanden, diese Informationen und das Wissen hier bei 'Ausbildung statt Abschiebung' zu bündeln."

AsA in Zahlen
• Beratung und Unterstützung von 187 Jugendlichen (Stand: Dezember 2017)
• …aus 28 Herkunftsländern; darunter Afghanistan (73), Guinea (27), Eritrea (20), Syrien (14), Somalia (8)
• …circa 2/3 (125) von ihnen mit unsicherem Aufenthalt (Aufenthaltsgestattung oder Duldung)
• 2017: 29 junge Flüchtlinge in Ausbildung vermittelt (8 haben die Ausbildung abgeschlossen)
• 2018: 31 junge Flüchtlinge in Ausbildung vermittelt
• Dezember 2018: 66 unterstützte Jugendliche in Ausbildung (v. a. Einzelhandel, Baunebengewerbe, Hotel- und Gaststättengewerbe)

Ziel der Arbeit von "Ausbildung statt Abschiebung" ist es, möglichst jedem jungen Flüchtling, der entsprechenden Beratungs- und Unterstützungsbedarf hat, eine berufliche Qualifizierung zu ermöglichen, so dass sich im Idealfall für sie eine dauerhafte Perspektive in Deutschland auftut, auf jeden Fall aber die Zeit, die sie mit ungesichertem Aufenthalt hier verbringen, sinnvoll genutzt werden kann. Alle Hilfen des Vereins setzen deshalb zum frühestmöglichen Zeitpunkt ein und sind insbesondere für junge Flüchtlinge gedacht, die ansonsten kaum Unterstützung erfahren. Dem Grundsatz "Bildung von der ersten Minute" folgend unterstützt "Ausbildung statt Abschiebung" gerade diejenigen, die im Asylverfahren noch keinen oder aber einen negativen Bescheid erhalten haben und ohne die Angebote des Vereins kaum Chancen auf einen längerfristigen Aufenthalt in Deutschland hätten. Dies betrifft insbesondere geduldete Flüchtlinge sowie solche aus sogenannten sicheren Herkunftsländern oder mit einer aus anderen Gründen unsicheren Bleibeperspektive während des laufenden Asylverfahrens. Menschen aus Ländern mit einer "guten Bleibeperspektive" werden in der Regel weitervermittelt, weil sie Zugang zu anderen Unterstützungsangeboten haben. Wird nach der Aufnahme durch den Verein ein Asylverfahren positiv entschieden, können die betreffenden Flüchtlinge aber weiterhin die Angebote von AsA in Anspruch nehmen.

Sprachlernen und Berufsorientierung von Anfang an: "Deutsch plus"

Unterricht bei DaF-Dozentin Babette Loewen

Aufgrund der Erfahrung, dass Ausbildungsförderung sowohl Schritte, die vor Beginn der Qualifizierung notwendig sind, als auch begleitende Maßnahmen umfasst, engagiert sich der Verein ausdrücklich nicht allein für die Vermittlung junger Flüchtlinge in Ausbildung, sondern er nimmt den ganzen Weg in den Blick, den sie durchlaufen. Das bedeutet, so Sara Ben Mansour, "dass man nicht erst mal Sprache, Sprache, Sprache lernt, um dann irgendwann in den Beruf zu gehen, sondern dass man direkt ein Ziel hat, das natürlich auch kompatibel sein muss mit der Realität der Menschen." Wie die Erfahrung zeigt, haben junge Flüchtlinge oft weder die Zeit gehabt noch die notwendige Förderung erfahren, um zum Beispiel ein B1-Zertifikat zu erwerben. Dies stellt keine zwingende Zugangsvoraussetzung für eine Einstiegsqualifizierung dar, wird aber gleichwohl von der Kammer gewünscht. Zwar wird ihr zusätzlicher Sprachförderbedarf insbesondere in der Berufsschule deutlich, die notwendigen Hilfen stehen dort aber in aller Regel nicht im erforderlichen Umfang zur Verfügung. Selbst diejenigen der Flüchtlinge, denen ausbildungsbegleitende Hilfen gewährt werden, haben zudem keinen Anspruch auf allgemeine Sprachförderung, sondern können lediglich berufsbezogenen Deutschunterricht beanspruchen. Diesen Hintergrund erklärt der Verein stets ausbildungsinteressierten Betrieben und macht ihnen zugleich ein wichtiges Unterstützungsangebot: Neben fachbezogener Nachhilfe und der Begleitung durch Ausbildungspaten hält "Ausbildung statt Abschiebung" auch kostenlose, an den persönlichen Bedarf des einzelnen jungen Flüchtlings angepasste Deutsch-Kurse für diejenigen bereit, die bereits in Ausbildung sind oder sich – etwa im Rahmen einer Einstiegsqualifizierung – mit einem Praktikum darauf vorbereiten wollen. Alle Sprachkurse werden von professionellen Lehrkräften durchgeführt, das heißt von haupt- oder ehrenamtlich arbeitenden Personen, die über eine Qualifikation in Deutsch als Zweitsprache/Fremdsprache beziehungsweise langjährige schulische Lehrerfahrung verfügen. Dagegen sind in der ausbildungsbezogenen Sprachförderung im Rahmen der 1:1-Nachhilfe auch fachfremde Ehrenamtliche erfolgreich in der Sprachförderung tätig.

Die Hauptamtlichen helfen auch bei Fragen zur Bewerbung

Bastian Zillig, Leiter des Ehrenamtszentrums von AsA, hebt hervor, dass sich das Angebot nach dem im Einzelfall vorhandenen Bedarf richtet. Da die individuellen Lernvoraussetzungen und Förderbedarfe der Flüchtlinge, die im Konzept von "Deutsch plus" berücksichtigt werden, höchst unterschiedlich sind, werden im Rahmen der vorhandenen räumlichen und personellen Ressourcen Sprachkurse auf unterschiedlichen Niveaus durchgeführt. Dies können Alphabetisierungskurse für Flüchtlinge sein, in deren Herkunftsländern eine andere als die lateinische Schrift verwendet wird, oder auch ein "Trau dich"-Kurs, der schüchterne Schülerinnen und Schüler durch gemeinsame Aktivitäten wie Kochen, Einkaufen und gruppendynamische Impulse besonders ermutigen will, das Wort zu ergreifen und sich möglichst frei mit eigenen Beiträgen in die Gruppe einzubringen.
Unter den Sprachanfängerinnen und Sprachanfängern findet sich ein erheblicher Teil der Flüchtlinge, denen keine "gute Bleibeperspektive" attestiert wird und die keinen Anspruch auf kostenlose Sprachlernangebote etwa im Rahmen von Integrationskursen haben. Besonders prekär ist die Situation für die Bewohnerinnen und Bewohner von Landesunterkünften. Dort leben unter anderem auch schulpflichtige Minderjährige, die kein Anrecht auf einen Schulplatz haben, solange sie noch nicht einer Kommune zugewiesen wurden. Weil auch diese Wartezeiten lange dauern und zermürben können, lässt der Verein sie nicht als Leerlauf verstreichen, sondern bietet Vormittagskurse für Sprachanfängerinnen und Sprachanfänger an, die vier bis fünf Mal pro Woche stattfinden. Der Unterricht ist besonders alltagsnah gestaltet, er soll schnell zu Erfolgen führen und für den weiteren Spracherwerb motivieren.

Die Kurse bringen junge Flüchtlinge zusammen, die ihren Alltag ansonsten in ganz unterschiedlichen Kontexten und mit ganz verschiedenen Personen verbringen.

 

Ergänzt werden diese Anfängerkurse einmal in der Woche durch einen praktischen Werkunterricht, Workshops zur Berufsvorbereitung oder den Besuch von ausbildenden Betrieben in der Region. So erhalten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer einerseits schon sehr früh einen Einblick in die berufliche Wirklichkeit in Deutschland, andererseits ist dies auch eine Möglichkeit, praktische und lebensnahe Sprechanlässe zu erfahren und in Situationen auszuprobieren, ob und wie sie Gelerntes anwenden können.

Zusätzlich zu Schulbesuch, Praktikum und Ausbildung wurden außerdem Nachmittagskurse konzipiert, die sich an Lernwillige des mittleren Niveaus richten. Hier werden Grammatikthemen, aber auch Wortfelder geübt, die für die aktuell Teilnehmenden besonders wichtig sind und Inhalte behandelt, die für den Einstieg in das Berufsleben in Deutschland besondere Relevanz haben. Diese Kurse bringen junge Flüchtlinge zusammen, die ihren Alltag ansonsten in ganz unterschiedlichen Kontexten (Betrieb, Schule) und mit ganz verschiedenen Personen verbringen. Sie können damit nicht nur ihre sprachlichen Kenntnisse verbessern, sondern auch den Kontakt untereinander kontinuierlich pflegen.

Ausbildungsplatzsuche und Ausbildungsbegleitung

Hat über AsA einen Ausbildungsplatz gefunden: Hichem Saidani (r.), Bild: AsA e.V.

Oberstes Ziel aller Aktivitäten des Vereins ist die Entwicklung einer Zukunftsperspektive durch Bildung, das heißt eine gelingende berufliche Integration der Flüchtlinge als Voraussetzung für ihre gesellschaftliche Teilhabe. Mit seinem Bewerbungszentrum unterstützt der Verein die Jugendlichen dabei, sich beruflich zu orientieren, geeignete Praktikums- und Ausbildungsstellen zu finden und ihr Bewerbungsverfahren bestmöglich zu durchlaufen. Der Verein nimmt an verschiedenen kommunalen Arbeitskreisen teil (AK Flüchtlinge, AK Jugendberufshilfe, AK Kommunikation und Integration) und kooperiert je nach persönlichem Bedarf der Jugendlichen unter anderem mit Jobcenter, Wohnungs- und Jugendamt.

Für die Ausbildung der Flüchtlinge werden "ganz normale" Betriebe gesucht. Es gibt Jugendliche, die bei Großunternehmen und im öffentlichen Dienst wie zum Beispiel der Telekom oder bei der Deutschen Post eine Ausbildung machen. Vor allem sind es aber kleine und mittlere Unternehmen wie Umzugsdienstleister, Hotels, Restaurants und handwerkliche Betriebe, mit denen "Ausbildung statt Abschiebung" zusammenarbeitet. Diese haben größere Schwierigkeiten als große Unternehmen, den notwendigen Nachwuchs an Auszubildenden zu finden. Zugleich sind hier die Einstiegsbarrieren oft weniger hoch: Während Flüchtlinge oft schon aus zeitlichen Gründen an den sprachlichen Anforderungen in Einstellungstests von Großunternehmen scheitern, gibt es in kleinen Unternehmen mehr Handlungsspielräume durch den persönlichen Kontakt mit einer überschaubaren Zahl von Mitarbeitenden, es "menschelt mehr". So stellen große Betriebe, deren Personalbüros genauen Vorgaben folgen, oft nur Jugendliche mit einem B1-Zertifikat als Auszubildende ein. Für viele Flüchtlinge ist dies aber keine realistische Option, weil sie diese Anforderung überfordern würde. Der Verein bemüht sich deshalb, individuelle Lösungen zu finden – auch und gerade für Jugendliche, die weder Schulabschluss noch Sprachzertifikat vorweisen können und von Abschiebung bedroht, zugleich aber auch an einer beruflichen Qualifizierung interessiert sind.
Exemplarisch dafür schildert Sara Ben Mansour den Fall eines Flüchtlings, für den "Ausbildung statt Abschiebung" bei einer örtlichen Umzugsfirma wegen eines Praktikumsplatzes nachfragte und seine Situation realistisch darstellte.

Sara Ben Mansour im Gespräch mit einem Jugendlichen

"Wir haben einen jungen Mann, der hat aufgrund seines Herkunftslands keine 'gute Bleibeperspektive'. Er ist sprachlich nicht auf dem B1-Niveau und hat nicht mehr viel Zeit, möchte aber eine Ausbildung machen. Wir haben mit offenen Karten gespielt. Der junge Mann hat ein Praktikum machen können und sein Chef war begeistert. Zugleich wurde aber auch klar, dass das Lernen in der Schule mit allen sprachlichen Anforderungen für den Flüchtling eine große Herausforderung darstellt. Deswegen hat der Unternehmer sich entschieden, in diesem Jahr nur einen Auszubildenden einzustellen. Und der junge Mann macht jetzt die Ausbildung, obwohl er zum Beispiel noch nicht den Hauptschulabschluss hier absolviert hat. Dazu hätte er gar nicht die Zeit gehabt." – Sara Ben Mansour

 

Nachdem der Schritt in die Ausbildung geschafft ist, begleiten freiwillig Engagierte den jungen Flüchtling in Form einer Ausbildungspatenschaft weiter, denn Unterstützung braucht er in der Berufsschule, aber auch im betrieblichen Alltag für die Kommunikation mit Arbeitgebern, bei Behördengängen und zur Bewältigung seiner sozialen Situation. Die Ausbildungspaten halten den Kontakt zu Betrieben, sie helfen, schwierige Ausbildungssituationen zu bewältigen und den Alltag zu strukturieren. Die Paten verfügen zum Teil über langjährige Erfahrung und gelten im Verein als "wichtiger Brückenpfeiler" in die deutsche Gesellschaft; durch ihre Begleitung erfahren die Jugendlichen Struktur und Halt – auch jenseits der für die Hauptamtlichen geltenden Arbeitszeiten.

Gesellschaftliche Teilhabe auch in der Freizeit

In der Bibliothek: "Tschick" in einfacher Sprache

Das Angebot des Vereins zur Freizeitgestaltung ist getragen von dem Gedanken, Gelegenheiten zu schaffen, die die Lebenswelt der Jugendlichen mit beruflichen Themen verknüpfen und gemeinsame Gruppenerfahrungen ermöglichen, auch abseits von Nachhilfe und Beratungen. Es umfasst ritualisierte Treffen wie einen gemeinsamen Mittagstisch an jedem Montag, aber auch besondere Aktivitäten wie zum Beispiel einen Erste-Hilfe-Kurs, ein Video-Projekt, eine Ferienfreizeit im Sommer und nicht zuletzt das Projekt "Brücken bauen", durch das allein im Jahr 2017 fast 80 junge Flüchtlinge gezielt in kulturelle, künstlerische und sportliche Aktivitäten von anderen Bonner Vereinen vermittelt werden konnten. "Ausbildung statt Abschiebung" will Teilhabe ermöglichen, ungeachtet von Herkunft, Status und Muttersprache, und nicht allein bezogen auf das wichtige Ziel einer erfolgreichen beruflichen Integration. So befindet sich in der kleinen Bibliothek der Geschäftsstelle neben Fach- und Sprachlehrwerken auch belletristische Literatur, die Jugendliche ansprechen kann. Durch die Übersetzung in einfache Sprache wird sie ganz selbstverständlich auch einer Leserschaft zugänglich gemacht, die sich der deutschen Sprache noch nicht sicher ist.



Hauptamtliche Unterstützung und Begleitung …

Grundlegendes Ziel von "Ausbildung statt Abschiebung" ist es, die rechtlichen Rahmenbedingungen, persönlichen Lebenssituationen, individuellen Lernvoraussetzungen und speziellen Förderbedarfe eines jeden jungen Flüchtlings frühzeitig zu erkennen, um seine Entwicklung bestmöglich unterstützen und eine persönliche Perspektive auftun zu können. Dieser Gedanke zieht sich als roter Faden durch alle Aktivitäten des Vereins.
Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Geschäftsstelle von AsA klären mit den jungen Flüchtlingen ihren Aufenthaltsstatus und die ihnen attestierte Bleibeperspektive sowie ihre Möglichkeiten, deutsche Sprachkenntnisse zu erwerben und eine Schule zu besuchen oder eine Ausbildung zu absolvieren. Derzeit stehen dafür fünfeinhalb pädagogische Stellen zur Verfügung, die durch mehrere Honorarkräfte ergänzt werden. Sie alle sind mit Fachkräften besetzt – zum AsA-Team gehören unter anderem Sozialarbeiterinnen und Diplompädagogen, DaZ-Lehrkräfte und ein Philosoph. In persönlichen Gesprächen beraten sie bei ausländer-, asyl- und sozialrechtliche Fragen, aber auch zu Fragen der Wohnsituation, der medizinischen Versorgung oder bei psychischen Problemen. So begleiten hauptamtliche Kräfte die jungen Flüchtlinge bei Bedarf zu Gesprächen mit der Schule, dem Betreuer oder Vormund; dasselbe gilt für die Wahrnehmung von Terminen beim Ausländeramt oder anderen Behörden.
Mit den speziellen Fachkenntnissen, die sie in ihre Arbeit einbringen, bilden die hauptamtlich tätigen Pädagogen und Sozialarbeiterinnen den professionellen Hintergrund aller Aktivitäten des Vereins, der ganz unterschiedliche Belange der jungen Flüchtlinge zu berücksichtigen vermag. So verfügt eine Mitarbeiterin über eine traumapädagogische Zusatzqualifikation, die es ihr ermöglicht, gezielt tätig zu werden, wenn sie selbst im Kontakt mit einem jungen Flüchtling auf Verhaltensauffälligkeiten aufmerksam wird oder ihr entsprechende Wahrnehmungen von dessen Ausbildungsbetrieb, der Berufsschule oder den ehrenamtlich tätigen Ausbildungspaten rückgemeldet werden.

… in enger Verbindung mit freiwilligem (ehrenamtlichem) Engagement

Ehrenamtliche beraten Jugendliche

Das Ehrenamt ist die "Basis" der Vereinsarbeit. Praktische Erfahrungen im Betrieb tragen entscheidend dazu bei, dass jungen Flüchtlingen der Übergang in Ausbildung gelingt, und bei der Suche nach geeigneten Praktika profitieren sie nachweislich von der Unterstützung durch Mentorinnen und Mentoren oder Patinnen und Paten. Etwa 80 freiwillig Engagierte ergänzen derzeit die pädagogische Arbeit der hauptamtlich Mitarbeitenden. Sie helfen bei der Suche nach Praktikums- und Ausbildungsplätzen, geben individuellen Förderunterricht, begleiten die jungen Flüchtlinge bei Ämtergängen und unterstützen den gesamten Ausbildungsprozess.

"Unsere Ehrenamtlichen [...] sind für viele Jugendliche wichtige Bezugspersonen, geben ihnen Halt und helfen, dass die jungen Geflüchteten wieder voller Zuversicht in die Zukunft blicken können" – Bastian Zillig

 

Durch das von Bastian Zillig hauptamtlich geleitete "Ehrenamtszentrum" bringt der Verein die Jugendlichen mit geeigneten Personen zusammen, koordiniert und begleitet deren Einsatz. Das Beratungszentrum kann sich aber auch in anderen Fragen engagieren. So setzte es sich zum Beispiel für eine gezielte Qualifizierung möglicher Privatvormünder durch das städtische Jugendamt ein; zwei Ehrenamtliche nahmen an einer entsprechenden Schulungsreihe teil und stehen jetzt bei Bedarf für eine Vermittlung als Vormund durch das Jugendamt zur Verfügung. "Unsere Ehrenamtlichen sind für AsA unersetzlich. Sie sind für viele Jugendliche wichtige Bezugspersonen, geben ihnen Halt und helfen, dass die jungen Geflüchteten wieder voller Zuversicht in die Zukunft blicken können", so Bastian Zillig, der allerdings ein deutlich nachlassendes Interesse an einem freiwilligenen Engagement in der Flüchtslingsarbeit wahrnimmt: "Wir sind eigentlich immer auf der Suche nach neuen Ehrenamtlichen."

Ein junger Flüchtling fragt einen Mentor um Rat

Manche Schicksale, die junge Flüchtlinge bewältigen müssen, sind auch für diejenigen belastend, die sie begleiten, und das freiwillige Engagement bedarf ebenso wie die hauptamtliche Tätigkeit einer kritischen Selbstreflexion. Darum bietet der Verein seinen Ehrenamtlichen auch Unterstützung für die eigene Auseinandersetzung mit besonders belastenden Lebensgeschichten der jungen Flüchtlinge und die persönlichen Grenzen der eigenen Arbeit an. Zur Unterstützung und Qualitätssicherung macht "Ausbildung statt Abschiebung" das Angebot einer circa alle zwei Monate stattfindenden Supervision, in der die ehrenamtlich geleistete Arbeit reflektiert werden kann; ein zusätzlich angebotener "Ehrenamtsstammtisch" dient dem eher lockeren Erfahrungsaustausch. Weitere Angebote sind eine zehn Veranstaltungen pro Jahr umfassende Schulungsreihe für Ehrenamtliche und zweimal jährlich stattfindende dialogische Gesprächsrunden.

Verlässliche Orte

Junge Flüchtlinge haben vielfach nie eine "intakte" Welt erlebt, sondern vor allem Instabilität erfahren, Diskriminierung und Gewalt selbst erlitten oder bei Angehörigen miterleben müssen. Um ihnen eine realistische Chance auf Stabilisierung und Teilhabe in der deutschen Gesellschaft zu eröffnen, bedarf es nicht allein kognitiv ausgerichteter Informations- und Bildungsangebote. Notwendig sind auch verlässliche Beziehungen zu Menschen, die an ihnen interessiert sind und auf die sie kontinuierlich zurückgreifen können.

Eine solche Beziehungsorientierung können standardisierte Maßnahmen häufig nicht leisten. Es bedarf dazu verlässlicher Orte – zum einen im Sinne von Räumen, in denen persönliche Unterstützung und fachliche Förderung ihren festen Platz haben und niedrigschwellig erreichbar sind; zum anderen als Beziehungsangebot, an das bei Bedarf auch längerfristig immer wieder angeknüpft und beständig Vertrauen entwickelt werden kann. Diese verlässlichen Orte, für die "Ausbildung statt Abschiebung" in der Unterstützung junger Flüchtlinge beispielhaft steht, lassen sich durch folgende Kriterien charakterisieren:

1. Bündelung aller Angebote in einer Hand und an einem Ort

Die Beratung und Begleitung erfolgt nicht als nacheinander abzuarbeitende Kette einzelner Angebote, sondern ganzheitlich, das heißt unterschiedliche Aspekte der Lebenssituation umfassend unter einem Dach.

2. Frühzeitiger Beginn, offene Zugänge

Es gibt keine Bedingungen, die zunächst erfüllt sein müssen, um Hilfe in Anspruch nehmen und zum Beispiel die deutsche Sprache erlernen zu dürfen. Die Unterstützung setzt so früh wie möglich ein und steht allen offen, die Bedarf haben, verzichtet also auf Zugangsbarrieren.

3. Biografie- und Lebensweltorientierung

Das Hilfsangebot orientiert sich an der individuellen Biografie, der aktuellen Lebenssituation und dem sich daraus ergebenden persönlichen Bedarf des einzelnen jungen Flüchtlings. Bei AsA richtet es sich insbesondere an diejenigen jungen Flüchtlinge, die keine "gute Bleibeperspektive" und keinen regulären Aufenthaltsstatus haben. Es deckt damit vorrangig die Bedarfe ab, die nicht über andere Angebote gedeckt werden können, weil sie oftmals nicht niedrigschwellig genug sind.

4. Kontinuität und Verlässlichkeit

Die Begleitung endet nicht zwangsläufig an einem Punkt (zum Beispiel mit dem Ausbildungsvertrag), sondern sie ist kontinuierlich angelegt und bietet eine verlässliche Beziehungsarbeit. Sie richtet sich nach dem persönlichen Bedarf, auch über Rechtskreisgrenzen und formale Zuordnungen hinweg.

5. Systematische Verbindung von hauptamtlichem und freiwilligem Engagement

Hauptamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und freiwillig Engagierte arbeiten Hand in Hand bei klarer Aufgabenteilung. Verbindungen zum lokalen Gemeinwesen können so gezielter aufgebaut werden. Zur Sicherung der Qualität der Arbeit stehen den ehrenamtlich Tätigen eigene Angebote für Fortbildung und Supervision zur Verfügung.

6. Partizipation und Nachhaltigkeit

Das Angebot des Vereins wird auf Grundlage einer Reflexion der eigenen Erfahrungen weiterentwickelt und den sich ändernden Rahmenbedingungen der Arbeit angepasst. So plant "Ausbildung statt Abschiebung" für 2019 gemeinsame Fortbildungsangebote für Hauptberufliche, Ehrenamtliche und Flüchtlinge, die als Experten ihre Ausbildungserfahrung einbringen.

7. Regionale Verbundenheit und Vernetzung

Um auf Gegebenheiten des Einzelfalls angemessen, zeitnah und flexibel reagieren zu können, bedarf es angesichts der komplexen Lebenssituation von Flüchtlingen in besonderer Weise der Vernetzung mit kompetenten und vertrauenswürdigen Partnern. Bei "Ausbildung statt Abschiebung" sind dies unter anderem die Integrationsstabsstelle und andere Flüchtlingshilfeträger, Betriebe, Jobcenter, Ausländerbehörde und Jugendamt, Wohlfahrtsverbände und Schulen, Sportvereine, Theater und Museen.

Weitere Informationen

  • www.asa-bonn.org/helfen/ehrenamt
    Wer sich ehrenamtlich – ob im Förderunterricht oder als Jobpate – bei AsA engagieren möchte, findet hinter diesem Link die entsprechenden Infos!
  • Image-Flyer
    Der Flyer(PDF) bietet eine gute Übersicht über die Aktivitäten und verschiedenen Zentren innerhalb des Vereins.
    Dateigröße: 2,85 MB
  • AsA-Jahresbericht
    In seinem Jahresbericht (PDF) lässt AsA e.V. das Jahr 2017 in Text und Bild Revue passieren.
    Dateigröße: 4,02 MB


 
 
 

Schlagwörter

 

Der Verein

Das Logo des Vereins "Ausbildung statt Abschiebung"

Ausbildung statt Abschiebung e.V.
Anerkannter Träger der freien Jugendhilfe
Godesberger Straße 51
53175 Bonn

asa-bonn.org

     

    Ansprechpartner

    Geschäftsführerin Johanna Strohmeier

    Johanna Strohmeier

    ist seit 2017 Geschäftsführerin des AsA e.V. und regelmäßig im Bewerbungszentrum und Beratungszentrum tätig.

     
    Bastian Zillig

    Bastian Zillig

    leitet das Ehrenamtszentrum und organisiert Nachhilfeunterricht und Veranstaltungen für Ehrenamtliche.

     
    Sara Ben Mansour

    Sara Ben Mansour

    leitet das Beratungszentrum und unterstützt vornehmlich bei Fragen zu Asyl-, Aufenthalts- und Sozialrecht.

     

    Dossier

    Flüchtlinge – Qualifizierung und Arbeitsmarktintegration

    Für die Eingliederung von Flüchtlingen in Deutschland sind die Qualifizierung und Integration in den Arbeitsmarkt von grundlegender Bedeutung.

     

    Dossier

    Sprache und Kultur in der Ausbildung

    Videoclips zu sprachlichen und kulturellen Konflikten, die im Ausbildungsalltag von Flüchtlingen auftreten können, veranschaulichen die unterschiedliche Wahrnehmung der Beteiligten.

     

    Videointerview

    Einschätzbare Situationen geben Sicherheit

    Dima Zito vom PSZ hat mit uns über traumatisierte junge Flüchtlinge gesprochen - und darüber, wie Ausbilderinnen und Ausbilder die Betroffenen im betrieblichen Alltag unterstützen können.