Peer to Peer – Unterstützung auf Augenhöhe

Die zwei Ansätze Peer Counseling und Peer Learning in der Praxis

von Judith Lechtenberg

Peer-Konzepte gewinnen in unserem Alltag und in unserer Gesellschaft zusehends an Bedeutung. Trotz unterschiedlicher Schwerpunkte und Zielsetzungen beruhen alle Ansätze auf dem Grundgedanken der Partizipation und des Austauschs auf Augenhöhe. Im Gegensatz zu unseren übrigen Praxisberichten steht hier die Methodik im Fokus der Betrachtung. Wie die Konzepte letztlich praktisch umgesetzt werden und worauf es dabei ankommt, wird anhand von zwei Praxisbeispielen verdeutlicht.

In unserem Alltag lernen wir bewusst oder unbewusst von anderen und mit anderen. Durch Informationen und Unterstützung von Personen des persönlichen Umfeldes lassen sich Fertigkeiten und Kompetenzen erwerben beziehungsweise verbessern. Insbesondere für Jugendliche sind Peers in Bezug auf die eigene Identität, Entwicklung und Lebensorientierung von großer Bedeutung. Sie befinden sich in ähnlichen Lebenssituationen und sprechen dieselbe Sprache, was zu einer leichteren Kommunikation untereinander und einer erhöhten Identifikation miteinander beitragen kann.

Was ist Peer Counseling?


peer = ihres-/seinesgleichen, gleichaltrig, gleichrangig

counseling = Beratung

Peer Counseling = Betroffene beraten Betroffene

Ein bewährter Peer-Ansatz ist das sogenannte Peer Counseling. Dabei handelt es sich um ein Beratungsangebot von Betroffenen für Betroffene, das heißt, die beratende und die ratsuchende Person verfügen über ähnliche Erfahrungen oder befinden sich in vergleichbaren Lebenssituationen. Obwohl das Wort "peer" in der Alltags- und Wissenschaftssprache überwiegend auf Jugendliche und Kinder bezogen und häufig aus dem Englischen mit "gleichaltrig" übersetzt wird, spielt das gleiche Alter im Rahmen von Peer-Counseling-Angeboten eine unbedeutende Rolle. In diesem Kontext ist die Übersetzung mit "gleichrangig" oder "ihres-/seinesgleichen" viel treffender, denn der Fokus liegt hier auf gemeinsamen Lebenserfahrungen und Lebenslagen. Diese Gemeinsamkeiten, die zentrale Aspekte der Beratungsgespräche sind, können ganz unterschiedlich aussehen: Es kann sich beispielsweise um eine Behinderung, Krankheit, Migrationsgeschichte oder Sucht- oder Ausgrenzungserfahrungen handeln.

Gesetzliche Vorgaben und Leitlinien

Ursprung
Ursprünglich stammt Peer Counseling aus den USA und wurde dort durch verschiedene Interessenvertretungen entwickelt, wie zum Beispiel den Veteranenverbänden. Trotz unterschiedlicher Zielgruppen richtete sich das Konzept vor allem an Menschen mit Behinderungen und gewann durch die Independent-Living-Bewegung (IL) der 1960er und 1970er Jahre an Bedeutung. Seit den 1980er Jahren hat sich diese Beratungsmethode auch hierzulande insbesondere als Angebot für Menschen mit Behinderungen etabliert. Peer Counseling soll Selbstbestimmung und Entscheidungskompetenz fördern und nach den Grundsätzen der IL zur Inklusion, Antidiskriminierung und Gleichstellung behinderter Menschen beitragen. Mit diesem Ansatz wird das Ziel verfolgt, die soziale Teilhabe von Menschen mit Beeinträchtigung zu sichern und zur Gleichberechtigung und Anerkennung beizutragen – und erhält damit auch politische Relevanz.

Durch das Inkrafttreten der Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen (UN-BRK) vor zehn Jahren gewann das Peer Counseling zusätzlich an Bedeutung. Die Grundgedanken dieser Beratungsmethode wurden in der UN-BRK festgeschrieben: Unterstützung von Selbstbestimmung, Partizipation, gesellschaftliche Teilhabe behinderter Menschen und die Anerkennung von Fähigkeiten. In Artikel 26 wird die Unterstützung durch Peers explizit als geeignete Maßnahme benannt, um die Unabhängigkeit und Fähigkeiten von Menschen mit Behinderungen zu fördern, die Teilhabe an allen Lebensbereichen zu ermöglichen und somit die Ziele der UN-BRK zu erreichen.

Mit der Unterzeichnung der UN-Konvention hat sich die Bundesrepublik Deutschland verpflichtet, dafür zu sorgen, dass Peer-Angebote bundesweit etabliert und Menschen mit Behinderungen zugänglich gemacht werden. Mit dem Gesetz zur Stärkung der Teilhabe und Selbstbestimmung von Menschen mit Behinderungen (Bundesteilhabegesetz) wird dieser Verpflichtung Rechnung getragen. Das Gesetz soll neben der gesetzlichen Beratungs- und Unterstützungspflicht einen Beitrag zur Förderung von unabhängiger Teilhabeberatung leisten. Damit Menschen mit Behinderungen ihre Rechte, insbesondere individuelle Unterstützungsleistungen in Anspruch nehmen können, benötigen sie Beratung. Im Rahmen des Bundesteilhabegesetzes (BTHG) soll die unabhängige Teilhabeberatung in Form von Peer-Counseling-Angeboten gefördert werden.

Peer Counseling am Beispiel KoKoBe Bonn Rhein Sieg

Auf Basis des BTHG wurden Beratungsstellen eingerichtet, die Peer Counseling anbieten. Eine dieser Beratungsstellen ist die KoKoBe Bonn Rhein Sieg (Koordinierung, Kontakt und Beratung für Menschen mit sogenannter geistiger Behinderung) unter dem Dachverband des LVR (Landschaftsverband Rheinland). Obwohl die Beratungsstelle "geistige Behinderung" im Namen trägt, richtet sich das Angebot keineswegs ausschließlich an (geistig) behinderte Menschen. Peer Counseling wird dort eingesetzt, wo Betroffene andere Menschen begleiten und deren Fragen beantworten können und wollen, nach dem Motto: "Ich habe es erlebt und kann gut darüber reden." Die KoKoBe ist breit aufgestellt: Die 14 dort tätigen Peer Counselors verfügen über ganz unterschiedliche Beeinträchtigungen und Erkrankungen, zum Beispiel spastische Behinderungen, Epilepsie, Krebserkrankungen, geistige Behinderungen, psychische Erkrankungen, Sehstörungen oder Schlaganfälle. Sie sind somit Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner für verschiedene Zielgruppen.

"Menschen mit eigener Behinderung können die Situation eines anderen Menschen mit Behinderung nachspüren - das ist eine ganz andere Form von Augenhöhe. […] Da ist jemand, mit dem sie sich austauschen können und der ihnen zeigt, wie man aus dem Loch wieder herauskommen kann."
Inge Dabringhausen

 
Zwei gehörlose Menschen unterhalten sich in Gebärdensprache. Bild: Andi Weiland | Boehringer Ingelheim, Gesellschaftsbilder.de

Nicht nur Art und Ausmaß von Beeinträchtigungen, sondern auch individuelle Ressourcen, das soziale Umfeld, Persönlichkeitsmerkmale, Problembewältigungsstrategien oder auch der Grad an Unterstützungs- beziehungsweise Pflegebedarf beeinflussen die selbstbestimmte Lebensführung und die gesellschaftliche Teilhabe. Peer Counseling ist eine niedrigschwellige Beratungsmethode, in der ein partnerschaftlicher Austausch auf Augenhöhe im Mittelpunkt steht und die dazu beitragen soll, die eigenen Ressourcen zu erkennen und selbstgesteuerte Lösungs- und Bewältigungsstrategien anzustoßen. Der Ansatz beruht auf der Annahme, dass die ratsuchenden Personen ihre Probleme grundsätzlich selbst lösen können. Die Beraterinnen und Berater begleiten sie auf diesem Weg, eigenständig zu handeln, indem sie zuhören, unterstützen und Mut zusprechen.

Die Gestaltung der Beratungsgespräche kann ganz unterschiedlich aussehen. Sie können als Einzel- oder Gruppenberatung stattfinden und ortsunabhängig erfolgen, das heißt in den Räumlichkeiten der Beratungsstelle, aber auch im Rahmen von Veranstaltungen oder bei den Ratsuchenden zu Hause. Die Beratungsdauer ist variabel und wird individuell festgelegt. Thematische Vorgaben für die Inhalte des Gesprächs existieren nicht, denn die ratsuchenden Personen bestimmen selbst, worüber sie sprechen möchten. Dabei reicht die inhaltliche Bandbreite von allgemeinen Fragestellungen der Alltagsbewältigung, persönlichen Problemen über rechtliche Themen bis hin zu grundlegenden Veränderungen in der Lebensgestaltung, zum Beispiel in Hinblick auf die Wohn- oder Arbeitssituation. Im Beratungsgespräch wollen Peer Counselors zeigen, was möglich ist. "Menschen mit eigener Behinderung können die Situation eines anderen Menschen mit Behinderung nachspüren, das ist eine ganz andere Form von Augenhöhe", sagt Inge Dabringhausen, hauptamtliche Fachberaterin der KoKoBe in Bonn. "Eine Diagnose oder Beeinträchtigung bedeutet nicht, dass das Leben vorbei ist. Da ist jemand, mit dem sie sich austauschen können und der ihnen zeigt, wie man aus dem Loch wieder herauskommen kann."

Eine junge Frau lässt sich beraten. Bild: Andi Weiland | Boehringer Ingelheim, Gesellschaftsbilder.de

Inge Dabringhausen betont allerdings auch, dass sich Peer Counselors nicht zu sehr vereinnahmen lassen dürfen. Auch wenn die Gesprächssituation immer typabhängig ist, müssen Grenzen gesehen und gefunden werden. Das lernen die zukünftigen Beraterinnen und Berater in Schulungen und im regelmäßigen Austausch mit den Fachberaterinnen und Fachberatern. Um eine Überforderung mit den Gesprächssituationen von Beginn an zu vermeiden und eine angemessene Qualifizierung zu gewährleisten, müssen angehende Peer Counselors eine Schulung absolvieren. Diese werden vom LVR als Dachverband angeboten und finden in sechs Modulen über ein ganzes Jahr verteilt statt. Die Grundqualifikation im Peer Counseling des LVR beinhaltet unter anderem das Training von Kommunikationskompetenzen und die Reflexion eigener Erfahrungen. Einheitliche Standards für die Schulungen und damit für ein bundesweit vergleichbares Peer-Counseling-Angebot gibt es nicht.

Auch rechtliche Angelegenheiten können besprochen werden. Bild: Andi Weiland | Gesellschaftsbilder.de

Obwohl sich laut Inge Dabringhausen viele Beraterinnen und Berater selbst gut einschätzen können, ist Abgrenzung zwingend erforderlich, damit die Counselors nicht auch außerhalb der Beratungsgespräche belastende Gedanken und Emotionen mit sich herumtragen. Regelmäßig finden sogenannte "Peer-Treffen" statt, in denen sich Peer Counselors untereinander, aber auch mit ausgebildeten Fachberaterinnen und Fachberatern austauschen können. Grundsätzlich gilt, dass Peer Counseling die Fachberatung nicht ersetzen kann, sondern vielmehr als Ergänzung betrachtet werden sollte. Aufgrund kognitiver oder inhaltlicher Grenzen steht eine Fachberaterin oder ein Fachberater stets im Hintergrund des Beratungsangebots, um gegebenenfalls Antworten auf fachliche Fragen, Fristen (beispielsweise Termine für Anträge oder ähnliches), rechtliche Grundlagen oder Rahmenbedingungen zu geben. Darüber hinaus können im Rahmen von Peer-Counseling-Angeboten Situationen entstehen, die das Eingreifen von Fachberaterinnen und Fachberatern zwingend erfordern, zum Beispiel, wenn Ratsuchende äußern, dass sie keinen Lebensmut mehr haben.

Peer Counselors sind in der Regel ehrenamtlich tätig. Der Dachverband LVR zahlt für die Beratungstätigkeit im Rahmen des Peer Counseling eine Aufwandsentschädigung. Der Trägerverband kommt außerdem für die Kosten auf, die durch Schulungen entstehen. Es gibt Peer Counselors, die bei Teilhabeberatungsstellen mit wenigen Stunden angestellt sind und somit für ihre Arbeit auch entlohnt werden. Für die ratsuchenden Personen erfolgt die Beratung grundsätzlich kostenlos.

Zentrale Merkmale von Peer Counseling

Peer Counseling zeichnet sich durch einige spezifische Merkmale aus, die sich positiv auf die Beratungssituation auswirken und diese Methode dadurch so besonders machen:

Parteilichkeit

Bei dieser Form der Beratung stehen die Interessen der Ratsuchenden grundsätzlich im Vordergrund, das heißt, die Beratung wird nach ihren Wünschen gestaltet, um persönliche Ziele zu erarbeiten und diese verfolgen zu können. Die eigene Betroffenheit stellt die Beratenden zweifelsfrei auf die Seite der Ratsuchenden und schafft durch diese Parteilichkeit ein direktes Vertrauensverhältnis.

Gleichheit

Beide Seiten verbindet die Erfahrung, was es bedeutet, ein Leben mit Beeinträchtigung zu führen. Peer Counselors sind demnach Expertinnen und Experten in eigener Sache und können diese Kompetenzen in den Gesprächen einsetzen. Obwohl die beratenden und die ratsuchenden Personen unterschiedliche Rollen besetzen, sind sie im Beratungsprozess gleichberechtigte Partner, zwischen denen keine hierarchischen Unterschiede oder Machtungleichgewichte bestehen. Das ermöglicht eine intensive Beratungsbeziehung, die mehr Möglichkeiten bietet als eine rein professionelle Beratung.

Ganzheitlichkeit

Im Beratungsgespräch wird kein isoliertes Problem betrachtet, sondern die Lebenssituation der ratsuchenden Person vollumfänglich in den Blick genommen. Die Gesprächsinhalte sind nicht vorgegeben, sondern werden von den Ratsuchenden bestimmt. Hier können alle relevanten Themen angesprochen werden: persönliche Problemlagen, Gestaltung von Übergängen im Lebenslauf, Teilhabehemmnisse bis hin zur Arbeitssuche, allgemeine Fragestellungen zur Alltagsbewältigung, leistungsrechtliche Themen, grundlegende Veränderungen der Lebenssituation.

Emanzipatorischer Ansatz und gesellschaftliche Bedeutung

Peer Counseling beinhaltet eine positive Wertschätzung der Ratsuchenden und orientiert sich an den deren Bedürfnissen und Wünschen. Ziel dieses Beratungsansatzes ist, die ratsuchenden Personen zu mehr Selbstbestimmung zu befähigen und ihnen Kompetenzen für die Alltagsbewältigung zu vermitteln, damit sie sich von der Bevormundung durch Dritte emanzipieren können. Es ist von zentraler Bedeutung, trotz Anerkennung und Förderung ihrer Fähigkeiten, die gegebenen Einschränkungen realistisch wahrzunehmen und einzuschätzen.
Auf gesellschaftlicher Ebene versucht Peer Counseling dazu beizutragen, historisch gewachsene Rollenzuschreibungen aufzubrechen und diese zu verändern. Mit dieser Methode soll gegen Diskriminierung, Aussonderung und Fremdbestimmung von Menschen mit Behinderungen vorgegangen werden. Peer Counseling dient also nicht nur der individuellen Beratung, sondern auch als politische Interessenvertretung.

Betroffenheit

Ein Zentraler Aspekt des Peer Counseling ist die eigene Betroffenheit der beratenden Personen. Sie wissen aus eigener Erfahrung, wie es sich anfühlt, mit einer spezifischen Beeinträchtigung oder Krankheit zu leben. Sie kennen die Reaktionen der Mitmenschen, die Behandlung durch das soziale Umfeld und Institutionen aus erster Hand. Das beinhaltet wiederum die Chance, als Expertinnen und Experten in eigener Sache zu agieren und sich von entsprechender Unterdrückung und Bevormundung zu distanzieren und zu befreien. Die Betroffenheit, die Beraterinnen und Beratern eine besondere Wahrnehmung und ein besseres Verständnis für die Lebenssituationen der ratsuchenden Personen ermöglicht, ist eine notwendige Qualifikation für Peer Counseling, allerdings für die Beratungsarbeit nicht hinreichend. Die Peer Counselors sollen Ratsuchende darin begleiten, ihre eigenen Wege zur Bewältigung und zu einem selbstbestimmten Leben zu finden. Allerdings soll ihre Vorbildfunktion nicht dazu führen, dass ratsuchende Personen ihre Rollenmodelle imitieren oder gar kopieren. Das bedeutet, dass die besondere Qualität von Peer Counseling nicht allein in der Betroffenheit der beratenden Personen liegt, sondern in der Verbindung aus Betroffenheit und professionellem Handeln.

Die besondere Qualität von Peer Counseling liegt in der Verbindung aus Betroffenheit und professionellem Handeln.

 

Identifikation

In engem Zusammenhang mit der Betroffenheit steht die Identifikation. Sie kann positive Effekte erzeugen, die sich in der Form in klassischen Beratungssituationen mit nicht betroffenen Beraterinnen und Beratern nicht ergeben würden. Durch die ähnliche Lebenssituation strahlen Peer Counselors ein besonders hohes Maß an Glaubwürdigkeit und Verständnis aus. Ratsuchende fühlen sich ernst genommen und können schnell ein tiefgehendes Vertrauen zu den Beratenden fassen. Die Peer Counselors zeigen, dass ein selbstbestimmtes Leben möglich ist. Sie kennen Bewältigungsstrategien nicht nur aus der Theorie, sondern aus eigener Erfahrung. Beraterinnen und Berater, die selbst einen Weg gefunden haben, die eigene Beeinträchtigung oder Krankheit anzuerkennen und daraus resultierende Folgen zu verarbeiten, können Menschen in ähnlichen Situationen Möglichkeiten der Akzeptanz und der Verarbeitung aufzeigen. Dadurch erscheinen sie als eindrucksvolle Rollenvorbilder, die Motivation auf die ratsuchenden Personen ausstrahlen, um sich nachhaltig mit der selbstbestimmten Alltagsbewältigung auseinanderzusetzen.

Möglichkeiten und Grenzen

Beratungsgespräche bieten Raum für unterschiedliche Themen. Bild: Andi Weiland | Gesellschaftsbilder.de

Mit der Hilfe von Peer Counseling sollen sogenannte Empowermentprozesse ausgelöst, das heißt selbstgesteuerte Lösungs- und Bewältigungsstrategien initiiert werden. Durch die eigene Betroffenheit der Peer Counselors und die erhöhte wechselseitige Identifikation wird ein zwangloser Gesprächsrahmen geschaffen, in dem sich ein tiefgründiges Vertrauensverhältnis aufbauen lässt. Die Ratsuchenden fühlen sich verstanden und ernst genommen und können alle Themen, Ängste und Erfahrungen ansprechen, die sie beschäftigen. Die beratenden Personen zeigen, dass es ihnen selbst gelungen ist, die eigene Behinderung anzuerkennen und den Alltag zu bewältigen und verdeutlichen auf diese Weise Wege der Akzeptanz und der Verarbeitung. Ratsuchende erfahren Ermutigung und Unterstützung und können daraus Selbstvertrauen schöpfen und mehr Selbstständigkeit in der eigenen Lebensgestaltung entwickeln. Peer Counseling fördert nicht nur die Selbstbestimmung der ratsuchenden Personen, sondern leistet auch Unterstützung bei der Entwicklung einer positiven Identität und versucht letztlich dazu beizutragen, die soziale Teilhabe von Menschen mit Beeinträchtigungen zu sichern.

Der Beratungsansatz soll Betroffenen auch als Informationsangebot dienen, in dem Beratende über Möglichkeiten und Rechte aufklären und ihnen Wahlmöglichkeiten für die eigene Lebensgestaltung aufzeigen. Peer Counseling dient als unkonventionelle Soforthilfe und möchte im Grunde genommen Hilfe zur Selbsthilfe leisten.

Obwohl der Beratungsansatz viele Möglichkeiten und Chancen bietet, dürfen die Grenzen der Methode nicht außer Acht gelassen werden. So birgt das hohe Maß an Identifikation zwischen Ratsuchenden und Beratenden auch Risiken. Dieses kann zu einer mangelnden Distanz zwischen beiden Seiten führen, die für die Beratung jedoch eigentlich wichtig und notwendig ist. Für die Peer Counselors gilt es demnach, eine gute Mischung aus Nähe und Distanz zu finden, um die eigene Betroffenheit mit Professionalität zu verbinden. Letztendlich sollen Ratsuchende dabei begleitet und unterstützt werden, ihren eigenen Weg zur Alltagsbewältigung zu finden und nicht die Peer Counselors zu imitieren. Das erfordert auf beiden Seiten entsprechende kognitive Fähigkeiten und Möglichkeiten der Selbstreflexion. Damit auch Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen von der Beratungsmethode profitieren können, muss sie nach Bedarf entsprechend verändert und angepasst werden. Das bedeutet, dass eine gute Vorbereitung und eine ständige Begleitung durch ausgebildete Fachberater und Fachberaterinnen zwingend notwendig sind, denn in Gesprächen können Fragen oder Themen auftauchen, die womöglich eine Überforderung der beratenden Personen zur Folge haben.

Fazit

Peer Counseling umfasst eine Kombination aus Fachberatung und Beratung durch Betroffene. Zu beachten ist, dass es sich bei diesem Beratungsangebot um keine Therapieform handelt und eine Therapie auch keinesfalls ersetzen kann. Der Peer-Ansatz soll vielmehr ermöglichen, dass bereits bestehende Unterstützungsangebote wirksamer ineinandergreifen und die Ratsuchenden in einem Gespräch auf Augenhöhe alle Themen ansprechen können, die sie beschäftigen.

Was ist Peer Learning?

Peer Group, Bild: Africa Studio | AdobeStock

Lernende verinnerlichen Wissen und Fähigkeiten effektiver, wenn sie sich ein Themenfeld selbstständig erschließen und dadurch vertiefen, dass sie das Erarbeitete mit anderen teilen. Schülerinnen und Schüler können davon profitieren, dass Mitschülerinnen und Mitschüler, die gerade erst einen spezifischen Lernprozess durchlaufen haben, die Lerninhalte erklären. Nachfragen können auf Augenhöhe gestellt werden. Auch die Lehrenden profitieren von der gemeinsamen Lernsituation: Durch den Erklärungsprozess verfestigt sich das erlernte Wissen und gemeinsame Lernerfolge können erzielt werden.

Ein weiterer verbreiteter Peer-Ansatz ist darum das sogenannte Peer Learning. Im Kern geht es hierbei darum, dass Menschen ihr Wissen, ihre Fähigkeiten und Kompetenzen an andere Personen weitergeben. Während des kooperativen Lernens erfolgt der Austausch von Wissen und Erfahrungen wechselseitig, das heißt, alle Beteiligten sind gleichberechtigt und werden aktiv in den Lernprozess eingebunden. Die lehrenden wie lernenden Peers unterliegen keinen festen, vorgegebenen Machtstrukturen. Dieses Peer-Konzept steht für einen Lehr-Lern-Prozess auf Augenhöhe. Obwohl die Lernsituation durch unterschiedliche Wissensvoraussetzungen geprägt wird, können gemeinsame Lernerfahrungen neue Einsichten und Denkstrukturen hervorbringen. Peer Learning kann in formalen oder informellen Kontexten, online oder offline, in großen oder kleinen Gruppen stattfinden. Das bedeutet, dass sich Lernprozesse zufällig und nebenbei ergeben können oder in eigens dafür geschaffenen Räumen ablaufen. Die sozialen Beziehungen innerhalb der Peer Groups werden genutzt, um das Lernen positiv zu beeinflussen. So wird dieser Einfluss verwendet, um Lernerfolge zu erzielen oder zu verbessern.

"Lernende verinnerlichen Wissen und Fähigkeiten effektiver, wenn sie sich ein Themenfeld selbstständig erschließen und dadurch vertiefen, dass sie das Erarbeitete mit anderen teilen." Serviceagentur "Ganztägig lernen" Rheinland-Pfalz

 
Ursprung
Ursprünglich wurde dieses Konzept in den 1970er Jahren in den USA entwickelt. Die Methode spielte insbesondere in der Präventionsarbeit und Sexualaufklärung eine bedeutende Rolle. Schwierige und problematische Themen wie beispielsweise die Gefahren des Alkohol- oder Drogenkonsums konnten anhand der Vermittlung durch Gleichaltrige zugänglicher gemacht werden, da sie über einen ähnlichen Blickwinkel wie die Zielgruppe verfügten.
Heute wird die Methode des Peer Learning vor allem in Schulen genutzt. Mitschülerinnen und Mitschüler werden als Unterstützung im Lernprozess eingesetzt und können durch ihre eigenen Lernerfahrungen zu Lernverbesserungen und Lernerfolgen für sich selbst und für andere beitragen.

Gleichaltrige kennen die Probleme ihrer Altersgenossen genau, verwenden ähnliche Kommunikationsformen und können dementsprechend glaubwürdig und authentisch agieren. Unterstützende Beziehungen können aufgebaut werden und bieten Raum für gegenseitige Hilfestellungen und Feedback. Das fördert nicht nur die Aneignung fachlicher, sondern auch persönlicher und sozialer Kompetenzen. Die Förderung von Soft Skills ist ein elementarer Aspekt des Peer Learning: Der Dialog und das Teilen von Wissen innerhalb einer Gruppe steigern neben Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein auch die Kommunikationsfähigkeit, das Reflexionsvermögen, die Kooperationsfähigkeit und das Verantwortungsbewusstsein. Darüber hinaus erzeugt die Gruppe ein Gefühl der Gemeinschaft und der Sicherheit und eröffnet Möglichkeiten, um neue Netzwerke zu schaffen. Innerhalb des Lernprozesses übernehmen die Jugendlichen Verantwortung und erfahren durch (Lern-)Erfolge entsprechende Bestätigung ihres Handelns.

Für die Lebensgestaltung und Entwicklung von Jugendlichen sind Gemeinschaftserfahrungen und der Austausch mit Gleichaltrigen von enormer Bedeutung. Peer Groups dienen als eine Art "Schicksalsgemeinschaft", in der schulische Problemlagen, soziale Ausgrenzungserfahrungen, familiäre Herausforderungen oder persönliche Belastungen geteilt werden können. Demnach beinhaltet Peer Learning keine ausschließliche Wissensvermittlung, sondern insbesondere auch den gemeinsamen Austausch von Erfahrungen, verbunden mit gegenseitigem Verständnis.

Was spricht für die Methode? Und was dagegen?  Bild: Makc76 | AdobeStock (Bearbeitung: überaus)



Peer Learning am Beispiel BW Bildung und Wissen

BW Bildung und Wissen in Nürnberg, Bild: BW Bildung und Wissen

Peer Learning bietet Potenzial, auch in anderen Feldern außerhalb des Schulkontextes etabliert zu werden. In Unternehmen kann es einen Beitrag dazu leisten, in einem immer komplexer und dynamischer werdenden Arbeitsalltag einen guten Wissenstransfer zu gewährleisten. Die Methode vernetzt Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter untereinander, überträgt ihnen mehr Freiheit und Verantwortung, verbessert die interne Kommunikation und fördert die Zusammenarbeit.

Das Medienunternehmen BW Bildung und Wissen Verlag und Software GmbH aus Nürnberg, das sich mit Themen aus den Bereichen Studium, Ausbildung, Weiterbildung, Beruf und Karriere beschäftigt und entsprechende Informationen für unterschiedliche Medienformate aufbereitet, hat das Peer Learning in seinem Ausbildungskonzept integriert: "Uns ist wichtig, dass sie [die Auszubildenden] ,lernen lernen‘ und ,voneinander lernen‘". Das Lernen und Lehren auf Augenhöhe wirkt hier in zwei unterschiedliche Richtungen: Zum einen können die Lernenden die Hilfe von Gleichaltrigen ohne Hemmungen annehmen, zum anderen können die Lehrenden sich selbst als kompetent und wirksam erleben. Das Medienhaus bindet seine Auszubildenden in eigenständige Projekte ein und überträgt ihnen die Verantwortung, Gleichaltrige auf ihrem Weg in die Ausbildung zu unterstützen und zu begleiten. Der Ansatz ist nicht defizitorientiert, sondern stellt die Wertschätzung der Fähigkeiten und Kompetenzen der Jugendlichen in den Vordergrund.

"Uns ist wichtig, dass sie ,lernen lernen‘ und ,voneinander lernen‘."
Ausbildungskonzept BW Bildung und Wissen

 
Eine Gruppe von Auszubildenden bei BW Bildung und Wissen, Bild: Filmausschnitt - Ausbildung bei BW

Ein wichtiger Aspekt des Ausbildungskonzepts von BW Bildung und Wissen ist die Ganzheitlichkeit, das heißt, neben der Förderung fachlicher Kompetenzen soll die Ausbildung auch der Persönlichkeitsbildung der Jugendlichen dienen. Das wird insbesondere durch spezielle Azubi-Projekte unterstützt, in denen die Auszubildenden selbst zu Ausbildern werden. Diese Arbeitseinheiten werden in jeder Ausbildungsgeneration an aktuelle Zielgruppen und Bedürfnisse angepasst.

Anhand des Kooperationsprojekts "Hallo, I bims 1 Vorstellungsgespräch" beziehungsweise des Nachfolgeprojekts "Trainingstag Vorstellungsgespräch" von BW Bildung und Wissen und der Bürgerstiftung Nürnberg werden Schülerinnen und Schüler der 8. und 9. Klassen von drei Nürnberger Mittelschulen beim Übergang ins Berufsleben unterstützt. In selbstgeplanten und eigenverantwortlich durchgeführten Workshops werden die Jugendlichen auf ihr erstes Vorstellungsgespräch vorbereitet. Die Auszubildenden, die sich kürzlich noch in der gleichen Situation befanden, zeigen den Schülerinnen und Schülern, wie sie in einem Bewerbungsgespräch überzeugen können. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer lernen zum einen, was zu einer guten Konversation beiträgt, zum anderen, dass Kommunikation auch scheitern kann. Außerdem bietet der Workshop Raum für Fragen rund um die Themen Selbstpräsentation und Kommunikation:

  • Wie erkenne ich eigene Stärken und Schwächen und kann diese im Vorstellungsgespräch angemessen zum Ausdruck bringen?
  • Was trägt zu einem guten Gespräch bei?
  • Wie präsentiere ich mich? Was ziehe ich an? Was nehme ich mit?

Im Anschluss an das Training mit den Auszubildenden bietet das Medienunternehmen den Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit, die neuen Erkenntnisse zu testen. Die Personalleiterin und der Prokurist führen mit den Jugendlichen Probe-Vorstellungsgespräche. Im Rahmen eines ausführlichen Feedback-Gesprächs geben die Personalverantwortlichen und die Auszubildenden Tipps und Verbesserungsvorschläge. Ziel ist es, den Jugendlichen die Angst vor dem ersten Vorstellungsgespräch zu nehmen. Neben den Schülerinnen und Schülern profitieren auch die Auszubildenden: Sie lernen zu organisieren und zu präsentieren, verbessern ihre sozialen Kompetenzen und stärken ihre Persönlichkeit.

Auszubildende sind verantwortlich für sogenannte Azubi-Projekte. Bild: BW Bildung und Wissen

Mit dem selbst gewählten Titel "Hallo, I bims 1 Vorstellungsgespräch" begeben sich die Auszubildenden auf die Kommunikationsebene der Schülerinnen und Schüler. Sie bedienen sich der aktuellen Jugendsprache, aus der "I bims" im Jahr 2017 als bewusste Falschschreibung von "Ich bin’s" zum Jugendwort des Jahres gewählt wurde.

BW Bildung und Wissen bildet über den eigenen Bedarf aus und setzt sich insbesondere für die Ausbildung von jungen Menschen mit schwierigen Startbedingungen (zum Beispiel Jugendliche mit Lernschwäche oder körperlicher Beeinträchtigung, Jugendliche mit Migrationshintergrund) ein. Renate Holley-Rostock, Mitglied der Geschäftsleitung, ist der Meinung, dass man als Unternehmen nicht nur Geld für wohltätige Zwecke zur Verfügung stellen sollte, sondern sich aktiv für die Jugendlichen vor Ort einsetzen müsse. Für sie ist die Ausbildung junger Menschen ein zentraler Baustein. Laut Holley-Rostock sind die ausgebildeten Fachkräfte in der Region Nürnberg sehr beliebt: "Unsere Absolventen gehen hier in der Region weg wie warme Semmeln - ein tolles Gefühl." So haben auch diejenigen, die nicht vom Unternehmen übernommen werden können, keine Schwierigkeiten, eine weitergehende Beschäftigung zu finden.

"Unsere Absolventen gehen hier in der Region weg wie warme Semmeln - ein tolles Gefühl."
Renate Holley-Rostock

 
Berufsintegrationsklassen (BIK)
- 450 BIK in Bayern
- bundesweit einmaliges Projekt
- Ziel: junge Menschen mit Bleibeperspektive fit machen für die duale Ausbildung
- Zielgruppe: berufsschulpflichtige Geflüchtete, Asylbewerberinnen und Asylbewerber, EU-Migrantinnen und -Migranten ohne hinreichende Deutschkenntnisse unter 18 Jahren, Schülerinnen und Schüler aus der Zielgruppe, die in Deutschland noch keinen Schulabschluss erworben haben
- Alter: 16.-21. Lebensjahr (in Ausnahmefällen bis zum 25. Lebensjahr)
- Dauer: 2 Jahre

Die Erfahrungen in der Ausbildung von Jugendlichen mit Startschwierigkeiten nutzte das Medienhaus, um sich für die berufliche Integration von Flüchtlingen einzusetzen. In den Schuljahren 2016/2017 und 2017/2018 engagierte sich BW Bildung und Wissen als Kooperationspartner einer Berufsschule in Nürnberg in sogenannten Berufsintegrationsklassen, die das Ziel verfolgen, jungen Flüchtlingen zum Bestehen des mittleren Schulabschlusses zu verhelfen und danach den Einstig ins Berufsleben zu meistern. Junge Flüchtlinge aus 14 verschiedenen Nationen besuchten im wöchentlichen Wechsel die Berufsschule und das Medienunternehmen und wurden so auf ihren Weg in eine Ausbildung vorbereitet und unterstützt. Im Unternehmensalltag lernten die jungen Flüchtlinge unterschiedliche Ausbildungsberufe und berufliche Wege kennen, sie trainierten Soft Skills, mathematische Grundlagen und erkundeten ihre Stärken und Fähigkeiten. Neben Mathematikkenntnissen, Wertebildung und der Vermittlung von Alltagskompetenzen ist das Erlernen der deutschen Sprache ein zentraler Teil des Unterrichts. Obwohl insbesondere der Sprachunterricht für viele eine große Herausforderung darstellt, haben schlussendlich alle Schülerinnen und Schüler der Berufsintegrationsklassen die Abschlussprüfungen in Deutsch bestanden.

Berufsintegrationsklasse in Nürnberg, Bild: Filmausschnitt - IHK-Bildungspreis 2018

Die BW-Auszubildenden unterstützten die Jugendlichen bei der Erstellung ihrer Bewerbungsunterlagen für Betriebspraktika oder Ausbildungsplätze. Gemeinsam rekonstruierten sie die (beruflichen) Werdegänge der Flüchtlinge, um bereits vorhandene Berufserfahrung mitaufzunehmen. Das Azubi-Trainerteam begleitete die Schülerinnen und Schüler der Berufsintegrationsklassen während der gesamten Bewerbungsphase und stand ihnen in der Vorbereitung auf ein Vorstellungsgespräch oder Praktikum intensiv zur Seite. Da die Vorstellungsgespräche der Auszubildenden noch nicht lange zurücklagen, konnten sie die Jugendlichen als Expertinnen und Experten beraten. Die jungen Flüchtlinge konnten sich mit allen Fragen und Problemen an die Trainerinnen und Trainer wenden. Beispielsweise wurde im Fall einer missglückten Bewerbung gemeinsam überlegt, aus welchen Gründen sie scheiterte und was beim nächsten Versuch verbessert werden sollte.

Da sie kürzlich selbst noch in der gleichen Situation waren, kannten die Auszubildenden die Unsicherheiten und Fragen der Schülerinnen und Schüler genau und konnten so empathischer agieren. Insbesondere jene Auszubildenden, die einst selbst schwierige Startbedingungen hatten, erleben es als besonders wertvoll und wirksam, wenn sie ihre Erfahrungen weitergeben können, um andere für ihren beruflichen Weg zu ermutigen und Hilfestellung beziehungsweise Unterstützung zu leisten, die den Übergang ins Berufsleben erleichtern.

Lernbereiche und Querschnittsaufgaben von BIK
- Spracherwerb Deutsch
- Bildungssystem und Berufswelt
- Mathematik und Rechnen
- Persönlichkeit, Selbstorganisation und soziales Handeln
- Wertebildung und Leben in Deutschland
- Alltagskompetenzen

Am Ende des Schuljahrs 2017/2018 zog BW Bildung und Wissen eine positive Bilanz: Alle Schülerinnen und Schüler erreichten den Mittelschulabschluss. 25 der insgesamt 30 Teilnehmenden der Berufsintegrationsklassen haben eine Berufsausbildung begonnen, zum Beispiel im Bereich der Altenpflege oder in der Bürokommunikation, die übrigen fünf besuchen weiterhin die Schule, um höhere Schulabschlüsse zu erzielen beziehungsweise ihre Deutschkenntnisse zu verbessern. Das ist ein bemerkenswertes Ergebnis, denn durchschnittlich beginnen lediglich 23 Prozent aller Absolventen der Berufsintegrationsklassen eine duale Ausbildung und 10 Prozent entscheiden sich für den weiteren Schulbesuch.

Für sein Ausbildungskonzept wurde BW Bildung und Wissen Ende Januar 2018 ausgezeichnet: Beim IHK-Bildungspreis erreichte der Verlag den 3. Platz. Der Preis zeichnet herausragende Unternehmen für ihr Engagement in der beruflichen Bildung aus. Dadurch sollen Nachahmer motiviert werden, ihre Personalentwicklung aktiv zu gestalten. Darüber hinaus wurde das Projekt "Hallo, I bims 1 Vorstellungsgespräch" mit dem Preis der Bayerischen Staatsregierung für besonders gelungene Berufsorientierungsveranstaltungen prämiert.

Peer Counseling und Peer Learning: Gemeinsamkeiten und Unterschiede

Im Gegensatz zum Peer Counseling geht es beim Peer Learning weniger darum, Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten, als vielmehr um das gemeinsame Lernen. Auch hier steht der Austausch auf Augenhöhe sowie die Gleichberechtigung der Teilnehmenden im Vordergrund. Ähnlich wie beim Peer Counseling agieren die Peers als Experten, um selbstständig eigene Lösungswege für spezifische Problemlagen zu entwickeln. Die Wertschätzung der Kompetenzen von Jugendlichen und eine daraus resultierende Vorbildfunktion sind auch beim Peer Learning wesentliche Aspekte. Junge Menschen können sich gegenseitig bei der Identitätsentwicklung und Entfaltung eigener Möglichkeiten unterstützen. Das letztendliche Ziel ist bei beiden Peer-Methoden gleich: Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl stärken, Ermächtigung und Befähigung zur Entwicklung selbstgesteuerter Lösungs- und Bewältigungsstrategien.

Da Peer Learning insbesondere im Alltag von Schülerinnen und Schülern eine große Rolle spielt, ist bei dieser Methode, anders als beim Peer Counseling, ein ähnliches Alter von Bedeutung. Obwohl beide Peer-Methoden eigentlich Angebote sind, die von den Teilnehmenden freiwillig in Anspruch genommen werden sollten, ist dies beim Peer Learning nicht immer möglich. Da diese Methode insbesondere im schulischen Kontext, also in einem formalen Rahmen, Anwendung findet, kann in diesen Fällen nicht von einer freiwilligen Teilnahme gesprochen werden. Außerhalb der Schule können Peer-Learning-Prozesse hingegen nicht nur freiwillig, sondern auch zufällig stattfinden. Im Gegensatz zum Peer Learning unterliegen Peer-Counseling-Angebote in der Regel formalen Strukturen. Sie werden von Beratungsstellen angeboten und müssen aktiv von Betroffenen in Anspruch genommen werden. Gesprächsinhalte können sich zufällig ergeben, der eigentliche Beratungsprozess in der Regel jedoch nicht.

Vergleicht man nun die Methode des Peer Learning mit den oben erwähnten Merkmalen des Peer Counseling, so ergeben sich einige Überschneidungen. Gleichheit, Ganzheitlichkeit und Identifikation spielen auch bei diesem Ansatz eine bedeutende Rolle. "Gleichheit" wird eigentlich schon durch die Bezeichnung "Peer Learning" ausgedrückt. Vorbestimmte Machtstrukturen oder Hierarchien sind auch hier nicht existent. Auch die "Ganzheitlichkeit" ist von zentraler Bedeutung: Im Rahmen von Peer Learning geht es nicht nur um die Wissensvermittlung, sondern auch um den gemeinsamen Austausch beispielsweise in Bezug auf persönliche Problemlagen. Auch die "Identifikation" ist ein wesentlicher Aspekt des Peer Learning. Die lehrenden wie lernenden Peers befinden sich in einer vergleichbaren Lebenssituation und können sich daher gut miteinander identifizieren. Ähnliche Blickwinkel und Erfahrungen führen zu einem besseren Verständnis und höherer Akzeptanz.

Weitere Informationen

  • Die UN-Behindertenrechtskonvention (PDF)
    Die Konvention konkretisiert die universellen Menschenrechte für Menschen mit Behinderungen und stellt klar, dass diese ein uneingeschränktes und selbstverständliches Recht auf Teilhabe besitzen.
 
 
 

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Peer Counseling: KoKoBe Bonn Rhein Sieg

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KoKoBe Bonn Rhein Sieg
Koordinierung, Kontakt und Beratung für Menschen mit sogenannter geistiger Behinderung
Kaiserstraße 125
53113 Bonn

KoKoBe Bonn Rhein Sieg

     

    Peer Learning: BW Bildung und Wissen

    Logo von BW Bildung und Wissen

    BW Bildung und Wissen Verlag und Software GmbH
    Südwestpark 82
    90449 Nürnberg

    BW Bildung und Wissen

       

      Dossiers

      Sprache und Kultur in der Ausbildung

      Videoclips zu sprachlichen und kulturellen Konflikten, die im Ausbildungsalltag von Flüchtlingen auftreten können, veranschaulichen die unterschiedliche Wahrnehmung der Beteiligten.

       

      Beratung und Begleitung

      Ausdifferenzierte Bildungsbiografien und veränderte Anforderungen der Berufswelt erfordern mehr individuelle Begleitung und Förderung.

       
      Miteinander verknüpfte verschiedenfarbige Ringe

      Inklusion

      Auch beim Übergang in die Berufsausbildung sowie im Arbeitsleben ist Inklusion von entscheidender Bedeutung für die Bildungsgerechtigkeit.

       

      Gastbeitrag

      Peer Counseling und Persönliche Zukunftsplanung

      So wenig Sonderwege wie möglich, so viele Nachteilsausgleiche wie nötig - Aristoula Papadopoulou und Christian Papadopoulos erläutern zwei Konzepte, die diese Voraussetzungen einschließen.

       

      Videointerview

      "Inklusive Bildung ist ein Menschenrecht!"

      Leander Palleit arbeitet im Deutschen Institut für Menschenrechte, der Monitoring-Stelle für die UN-Behindertenrechtskonvention. Im Interview befragten wir ihn zur Inklusion in der Beruflichen Bildung.