Berufsorientierung

Dossier

Im Übergang Schule - Beruf bezeichnet das Handlungsfeld Berufsorientierung in der Regel Angebote bis zum Ende der allgemeinbildenden Schule. Die Orientierung bezieht sich dabei auf zwei Seiten: Auf der einen stehen die Jugendlichen, die sich selbst orientieren und dazu zunächst ihre eigenen Interessen, Wünsche und Kompetenzen kennenlernen müssen. Auf der anderen Seite stehen die Bedarfe und Anforderungen der Arbeitswelt und der Gesellschaft, auf die hin junge Menschen orientiert werden.

Berufsorientierung lässt sich verstehen als Prozess der Annäherung und Abstimmung zwischen diesen beiden Seiten. In diesem lebenslang dauernden Prozess muss die einzelne Person immer wieder die subjektiven Voraussetzungen reflektieren und in Beziehung setzen zu den objektiven, das heißt von außen gestellten Anforderungen. Beide Seiten sind geprägt von sich wandelnden gesellschaftlichen Werten, Normen und Ansprüchen und von den technologischen und sozialen Entwicklungen im Wirtschafts- und Beschäftigungssystem. Berufsorientierung ist somit ein Lernprozess, der sowohl in formellen organisierten Lernumgebungen als auch informell im alltäglichen Lebensumfeld stattfindet. Konzepte in diesem Sinne gehen über Ziele wie die Herstellung von "Ausbildungsreife" und eine einmalige Berufswahl hinaus. Sie sollen junge Menschen umfassend unterstützen, ihre Persönlichkeit aktiv zu entwickeln und die Anforderungen moderner Arbeit- und Lebenswelten zu bewältigen.

Grundlagen

Basisartikel zur Berufsorientierung

Petra Druckrey beschreibt den derzeitigen Status quo der Berufsorientierung in Deutschland. Dabei geht sie auf administrative Rahmenbedingungen und aktuelle Herausforderungen durch gesellschaftliche Veränderungen ein. Ihren Fokus legt sie auf die Berufsorientierung in der Schule und Kooperationen mit außerschulischen Partnern.

Basisartikel von Petra Druckrey

Katja Driesel-Lange

Interview: Berufsorientierung - aber nicht nur kognitiv!

Berufsorientierung gelingt, wenn sie Jugendliche anspricht und motiviert, indem sie dort ansetzt, wo diese sich im Entscheidungsprozess befinden. Katja Driesel-Lange, Geschäftsführerin des Zentrums für Berufsorientierungs- und Berufsverlaufsforschung (ZBB) der Uni Münster, plädiert für individualisierte Formen der Berufsorientierung.

Dr. Katja Driesel-Lange im Video-Interview

  • BIBB: Datenreport 2018 neu
    Das Schwerpunktthema des BIBB-Datenreports ist im Jahr 2018 die Berufsorientierung, die als Teilprozess des Erwachsenwerdens betrachtet werden kann. In dem Kapitel werden von Carolin Kunert und Frank Neises die vielfältigen Aktivitäten im Kontext der beruflichen Orientierung in den Fokus genommen.

Rahmenvereinbarung, Programme und Initiativen

Rahmenvereinbarung Schule und Berufsberatung

  • KMK/BA Rahmenvereinbarung (PDF)
    Rahmenvereinbarung über die Zusammenarbeit von Schule und Berufsberatung zwischen der Kultusministerkonferenz (KMK) und der Bundesagentur für Arbeit (BA) - Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 15.10.2004 i. d. F. vom 01.06.2017.
  • KMK-Empfehlung zur Beruflichen Orientierung an Schulen (PDF)
    Die Kultusministerkonferenz stellt Grundsätze, Ziele und Maßnahmen vor, die Schülerinnen und Schüler durch eine frühe, praxisorientierte und individuelle Berufliche Orientierung bestmöglich auf die Berufs- und Arbeitswelt vorbereiten und somit einen erfolgreichen Übergang ermöglichen sollen.

Recherche nach Landesprogrammen

Bundesprogramme

  • Berufsorientierungsprogramm (BOP)
    Das BOP richtet sich an Schülerinnen und Schüler, die einen Abschluss der Sekundarstufe I als höchsten Schulabschluss anstreben. Gefördert werden eine Potenzialanalyse, die in der Regel in Klasse 7 stattfindet, und die Werkstatttage in Klasse 8. Während der Potenzialanalyse stellen die Schülerinnen und Schüler zunächst ihre Neigungen und Kompetenzen fest. Danach haben sie bei den Werkstatttagen die Chance, zwei Wochen lang mindestens drei Berufsfelder kennenzulernen.
  • Initiative Bildungsketten von BMAS und BMBF
    Die Initiative Bildungsketten trägt dazu bei, die Förderinstrumente von Bund, BA und Ländern besser miteinander zu verzahnen. Dazu schließen Bund, Länder und BA landesspezifische Vereinbarungen. Dadurch sollen kohärentere Strukturen in der Berufsorientierung und am Übergang Schule – Beruf geschaffen, alle Jugendlichen individuell unterstützt und der Fachkräftenachwuchs der Wirtschaft gesichert werden.

Für die Praxis

© beroobi

Informationen zur Berufswahl


Die beroobi-Berufsbilder bei überaus
In der Lernbox finden Sie zahlreiche Berufsbilder zu Ausbildungsberufen. Sie sind multimedial aufbereitet und bieten viele Möglichkeiten, um sie sich interaktiv zu erschließen. Ein Tagesablauf und typische Tätigkeiten im Beruf, erforderliche persönliche Neigung und anschließende Weiterbildungsmöglichkeiten werden dort ebenfalls dargestellt.

Berufswelten im Überblick

  • BiZ: berufsfeld-ino.de
    Das Online-Angebot der Bundesagentur für Arbeit (BA) informiert Nutzerinnen und Nutzer, was eine Branche oder einen Job ausmacht und welche Wege dorthin führen. Dazu gibt es Erfahrungsberichte von Azubis und Berufseinsteigerinnen und -einsteigern.

Berufsorientierung von Flüchtlingen

Systematische Berufsorientierung an Schulen

  • Bertelsmann Stiftung: Leitfaden Berufsorientierung
    Das "Praxishandbuch zur qualitätszentrierten Berufs- und Studienorientierung an Schulen" richtet sich an Schulleitungen und Lehrkräfte aller weiterführenden Schulen, die sich den Herausforderungen der Berufsorientierung ihrer Schülerinnen und Schüler stellen und eine systematische Berufsorientierung einrichten wollen.

Lernangebote zum Thema Bewerbung

Berufsorientierung - in leichter Sprache

  • Themenhefte Berufsorientierung
    Diese Themenhefte sind leicht lesbar gestaltet, so dass geübte und ungeübte Leser ihr Wissen über Berufmöglichkeiten und Berufsfelder erweitern können. Anhand von Fragen, Videos, Rätseln und weiterführenden Links werden Denkanstöße und Schreibanlässe gegeben sowie Diskussionen angeregt. Außerdem gibt es eine Handreichung für Lehrende.

Elternarbeit

  • BAG SchuleWirtschaft: Leitfaden Elternarbeit
    Dieser Leitfaden gibt mit praxisorientierten Beispielen Hinweise und Anregungen, was Eltern bei der Berufs- und Studienwahl ihrer Kinder interessiert, wie Eltern erfolgreich angesprochen, für eine aktive Beteiligung motiviert und wie ihnen Inhalte wirksam vermittelt werden können. Herausgeber sind die Bundesagentur für Arbeit und die BAG SchuleWirtschaft.

Ratgeber und Hilfen für junge Menschen

  • BMBF: Schule – und dann? (PDF)
    Die Broschüre will jungen Menschen Orientierung und Hilfen auf dem Weg in die Ausbildung an die Hand geben - von der Berufsorientierung über die duale Berufsausbildung bis hin zur Fort- und Weiterbildung.
  • App: "zukunft läuft"
    Mit der App des rheinland-pfälzischen Bildungsministeriums können Schülerinnen und Schüler einen individuellen Interessencheck durchführen und anschließend eine persönliche Berufswahlliste erstellen.

Aus der Forschung

Modelle und Theorien

  • Günter Ratschinski: Modell der Berufswahlkompetenz
    "In diesem Beitrag wird das Konzept der Berufswahlkompetenz als hierarchisches System der Metakompetenzen Identität, Adaptabilität und Resilienz definiert und in einem ökonomischen Screening-Verfahren operationalisiert. Die Wahl der Metakompetenzen macht das Verfahren anschlussfähig an den internationalen Fachdiskurs und lässt Parallelen zu vergleichbaren Konzepten der Employability und Adaptability zu." Den Beitrag von Günter Ratschinski finden Sie in der bwp@ 27.
  • wikipedia: RIASEC
    Das RIASEC Modell, das von John L. Holland entwickelt wurde, misst berufliche Interessen in sechs Themenbereichen. Die (englischen) Initialen dieser Interessensorientierungen bilden den Begriff RIASEC. Wenn die individuelle Orientierung einer Person mit der Orientierung eines Berufs übereinstimmt, kann eine Berufswahl als gelungen bezeichnet werden. Anhand des Allgemeinen Interessen-Struktur-Tests können individuelle Interessensprofile diagnostiziert werden.

Aufsatzsammlungen

  • bwp@ Spezial 12, April 2016: Berufsorientierung im Lebenslauf
    In dieser bwp@-Ausgabe findet man Beiträge zur Berufsorientierung im Jugend- und Erwachsenenalter, sowie Perspektiven auf Berufsorientierung in europäischen und außereuropäischen Ländern.
  • bwp@, Ausgabe 27, Dezember 2014 : Berufsorientierung
    Gegliedert ist diese Ausgabe in vier Bereiche: "Strukturelle und institutionelle Bedingungen von Berufsorientierung", "Berufsorientierung als Kompetenzförderung und im Kontext individueller Entwicklung" und "Lerntheoretische und didaktische Aspekte der Berufsorientierung"
  • BWP - 1/2014: Berufsorientierung
    Die BWP-Ausgabe geht der Frage nach, in welcher Weise individuelle, institutionelle und strukturelle Bedingungen Bildungs- und Berufsbiografien prägen. Dabei wird die gesamte Lebensspanne vom schulischen Lernen bis zur beruflichen Weiterbildung älterer Beschäftigter berücksichtigt. Hierzu werden Erkenntnisse aus Forschung und Bildungspraxis vorgestellt.

Jugendliche zwischen Zuversicht und Resignation

Prof. Dr. Klaus Hurrelmann
© Klaus Hurrelmann

Gastbeitrag  von Prof. Dr. Klaus Hurrelmann
Der Übergang Schule - Beruf verlangt jungen Leuten heute mehr Orientierung und Leistungsvermögen ab als jemals zuvor. Während die "selbstbewussten Macherinnen und Macher" unter den Jugendlichen damit umzugehen wissen, scheitern die sozial und schulisch Schwachen an der knallharten Leistungsgesellschaft. Damit diese Kluft nicht noch größer wird, benötigen gerade die Benachteiligten eine Neuausrichtung von Berufsorientierung und beruflicher Bildung, die ihrer realen Lebensperspektive gerecht wird.

Positionen

  • Berufliche Orientierung neu denken
    Bildungsinitiative "Was bildet ihr uns ein? e.V.": Ausbildung generale: Berufliche Orientierung neu denken. Positionspapier, Berlin 2015

Betriebspraktika

Expertisen

Aus dem GPC

  • GPC 2004: Berufsorientierungspraktika
    Eine Expertise, die im Auftrag des ehemaligen Good Practice Centers des BIBB erstellt wurde. Ziel der Expertise war es, "aktuelle Maßnahmen oder Projekte bzgl. Berufsorientierungspraktika
    im Bereich der Benachteiligtenförderung zu identifizieren, aufzuführen und zu
    systematisieren."
    Dateigröße: 481 KB
  • GPC 2010: Berufsorientierung
    Die Expertise behandelt unter anderem folgende Themen: Das Verständnis von Berufsorientierung als Berufs- und Lebensplanung, individueller Lernprozess und kooperative Aufgabe, die Berufsorientierung als System sowie die Qualitätsmerkmale von subjektbezogener Berufsorientierung. Außerdem zeigt sie Beispiele subjektbezogener Berufsorientierung.
    Dateigröße: 642 KB

Weitere

Vertiefte Berufsorientierung

Gendersensible Berufsorientierung

Logo des Ada-Lovelace-Projekts
© Ada-Lovelace-Projekt

Das Ada-Lovelace-Projekt
Wer Mädchen und junge Frauen für Ausbildungen und Studiengänge aus dem MINT-Bereich begeistern will, darf nicht bis zum Ende der Schullaufbahn warten. Früh anfangen und dann dran bleiben, das ist eine Erfolgsformel, die in Rheinland-Pfalz erfolgreich angewandt wird. Bis dahin heißt es: Löten - Schrauben - Programmieren.

  • AWO: Gendersensible Berufsorientierung im Übergang Schule-Beruf (PDF)
    Die Handreichung verdeutlicht das Wozu, Was und Wie von Gendersensibilität in der Berufsorientierung und beruflichen Beratung. Neben der Verdeutlichung des Anspruchs und der Vorstellung von zehn Handlungsansätzen von Gendersensibilität wird auch „Handwerkszeug“ für die Praxis dargeboten.
  • klischee-frei.de: Web-Portal für eine Berufs- und Studienwahl ohne Klischees
    Das Portal informiert und unterstützt bei der Berufs- und Studienwahl ohne einschränkende Vorurteile. Im Mittelpunkt stehen dabei allein Interessen und Fähigkeiten. Das Portal bietet gebündelte Informationen und praktische Hinweise für Bildungseinrichtungen, Arbeitgeber und auch Eltern.
  • Boys'Day-Unterrichtsmaterialien
    Die Materialien sollen den Schülern Hintergründe und Ziele des Aktionstags vermitteln und ihnen Handreichungen und mögliche Fragestellungen an die Hand geben, mit deren Hilfe sie sich auf den Besuch in einer Einrichtung oder einem Unternehmen vorbereiten. Darüber hinaus erhalten Lehrkräfte Informationen und Argumentationen, warum es sinnvoll ist, zur Teilnahme am Boys'Day – Jungen-Zukunftstag zu motivieren.
  • Girls'Day-Unterrichtsmaterialien
    Die Materialien sollen den Schülerinnen Hintergründe und Ziele des Aktionstags vermitteln und ihnen Handreichungen und mögliche Fragestellungen an die Hand geben, mit deren Hilfe sie sich auf den Besuch in einem Unternehmen oder einer Institution vorbereiten. Darüber hinaus erhalten Lehrkräfte Informationen und Argumentationen, warum es sinnvoll ist, zur Teilnahme am Girls'Day – Mädchen-Zukunftstag zu motivieren.

Dokumentations- bzw. Portfolioinstrumente

Der Berufswahlpass

Der Berufswahlpass

...dokumentiert und belegt Stärken, Fähigkeiten, Interessen und Ziele der Jugendlichen sowie ihre Schritte zur Berufswahl. Die sinnvoll angeordneten Materialien sind schnell und sicher wiederzufinden.

Nähere Infos zum Berufswahlpass

Bibliografie

Zuletzt aktualisiert am 23.04.2018nach oben

 
 
 

Schlagwörter

 

Dossier

Kompetenzfeststellung

Das Dossier soll dabei unterstützen, Licht in den Dschungel der unterschiedlichen Instrumente und Ziele von Kompetenzfeststellungen zu bringen.