Berufsorientierung

Dossier

Im Übergang Schule - Beruf bezeichnet das Handlungsfeld Berufsorientierung in der Regel Angebote bis zum Ende der allgemeinbildenden Schule. Die Orientierung bezieht sich dabei auf zwei Seiten: Auf der einen stehen die Jugendlichen, die sich selbst orientieren und dazu zunächst ihre eigenen Interessen, Wünsche und Kompetenzen kennenlernen müssen. Auf der anderen Seite stehen die Bedarfe und Anforderungen der Arbeitswelt und der Gesellschaft, auf die hin junge Menschen orientiert werden.

Berufsorientierung lässt sich verstehen als Prozess der Annäherung und Abstimmung zwischen diesen beiden Seiten. In diesem lebenslang dauernden Prozess muss die einzelne Person immer wieder die subjektiven Voraussetzungen reflektieren und in Beziehung setzen zu den objektiven, das heißt von außen gestellten Anforderungen. Beide Seiten sind geprägt von sich wandelnden gesellschaftlichen Werten, Normen und Ansprüchen und von den technologischen und sozialen Entwicklungen im Wirtschafts- und Beschäftigungssystem. Berufsorientierung ist somit ein Lernprozess, der sowohl in formellen organisierten Lernumgebungen als auch informell im alltäglichen Lebensumfeld stattfindet. Konzepte in diesem Sinne gehen über Ziele wie die Herstellung von "Ausbildungsreife" und eine einmalige Berufswahl hinaus. Sie sollen junge Menschen umfassend unterstützen, ihre Persönlichkeit aktiv zu entwickeln und die Anforderungen moderner Arbeit- und Lebenswelten zu bewältigen.

Beispiele guter Praxis

Im "Zeittunnel" des Projekts "komm auf Tour": Schülerinnen und Schüler sitzen an einem langen Tisch und halten Pappschilder mit "Vorher"- oder "Nachher"-Aufdruck hoch
© Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung

Das Projekt "komm auf Tour"
Berufsorientierung für Schülerinnen und Schüler der 7. und 8. Klassen, aber auch Auseinandersetzung mit Lebensplanung, Geschlechterrollen, Gesundheit und Sexualität: Das Projekt "komm auf Tour" ist eine breit angelegte Initiative im Bereich jugendlicher Lebenskompetenzen und für die Jugendlichen eine Reise zu den eigenen Stärken.

Logo des Ada-Lovelace-Projekts
© Ada-Lovelace-Projekt

Das Ada-Lovelace-Projekt
Wer Mädchen und junge Frauen für Ausbildungen und Studiengänge aus dem MINT-Bereich begeistern will, darf nicht bis zum Ende der Schullaufbahn warten. Früh anfangen und dann dran bleiben, das ist eine Erfolgsformel, die in Rheinland-Pfalz erfolgreich angewandt wird. Bis dahin heißt es: Löten - Schrauben - Programmieren.

Handbuch Schulische Berufsorientierung
© Friedrich-Schiller-Universität Jena

Thüringer Berufsorientierungsmodell (ThüBOM) / Berufsorientierung als Kooperationsaufgabe (BOKOOP)
Nach ThüBOM, dem Projekt zum Aufbau und zur Förderung von Berufswahlkompetenz bei den Schülerinnen und Schülern der Thüringer Sekundarschulen, geht es im Folgeprojekt BOKOOP darum, das Handeln der beteiligten Akteure zu koordinieren und zu systematisieren.

Bundesprogramme und -initiativen

Recherche nach Landesprogrammen

Bundesprogramme

  • Berufsorientierungsprogramm (BOP)
    Das BOP richtet sich an Schülerinnen und Schüler, die einen Abschluss der Sekundarstufe I als höchsten Schulabschluss anstreben. Gefördert werden eine Potenzialanalyse, die in der Regel in Klasse 7 stattfindet, und die Werkstatttage in Klasse 8. Während der Potenzialanalyse stellen die Schülerinnen und Schüler zunächst ihre Neigungen und Kompetenzen fest. Danach haben sie bei den Werkstatttagen die Chance, zwei Wochen lang mindestens drei Berufsfelder kennenzulernen.
  • Berufsorientierung für Flüchtlinge (BOF)
    Eine intensive 13-wöchige Berufsorientierung eröffnet Flüchtlingen Wege in eine Berufsausbildung. Nicht mehr schulpflichtige junge Flüchtlinge werden Schritt für Schritt auf eine Ausbildung im Handwerk vorbereitet und dabei kontinuierlich begleitet. Im Anschluss an BOF sollen die Teilnehmenden direkt an einen Ausbildungsbetrieb vermittelt werden.
  • Initiative Bildungsketten von BMAS und BMBF
    Die Initiative Bildungsketten trägt dazu bei, die Förderinstrumente von Bund, BA und Ländern besser miteinander zu verzahnen. Dazu schließen Bund, Länder und BA landesspezifische Vereinbarungen. Dadurch sollen kohärentere Strukturen in der Berufsorientierung und am Übergang Schule – Beruf geschaffen, alle Jugendlichen individuell unterstützt und der Fachkräftenachwuchs der Wirtschaft gesichert werden.

Für die Praxis

© beroobi

Informationen zur Berufswahl


Die beroobi-Berufsbilder bei überaus
In der Lernbox finden Sie zahlreiche Berufsbilder zu Ausbildungsberufen. Sie sind multimedial aufbereitet und bieten viele Möglichkeiten, um sie sich interaktiv zu erschließen. Ein Tagesablauf und typische Tätigkeiten im Beruf, erforderliche persönliche Neigung und anschließende Weiterbildungsmöglichkeiten werden dort ebenfalls dargestellt.

Lernangebote zum Thema Bewerbung

Berufsorientierung - in leichter Sprache

  • Themenhefte Berufsorientierung
    Diese Themenhefte sind leicht lesbar gestaltet, so dass geübte und ungeübte Leser ihr Wissen über Berufmöglichkeiten und Berufsfelder erweitern können. Anhand von Fragen, Videos, Rätseln und weiterführenden Links werden Denkanstöße und Schreibanlässe gegeben sowie Diskussionen angeregt. Außerdem gibt es eine Handreichung für Lehrende.

Elternarbeit

  • BAG SchuleWirtschaft: Leitfaden Elternarbeit
    Der Leitfaden wurde von Praktikern für Praktiker erarbeitet und gibt mit praxisorientierten Beispielen Hinweise und Anregungen, was Eltern bei der Berufs- und Studienwahl ihrer Kinder interessiert, wie Eltern erfolgreich angesprochen, für eine aktive Beteiligung motiviert und wie ihnen Inhalte wirksam vermittelt werden können.

Ratgeber für junge Menschen

  • BMBF: Schule – und dann? (PDF)
    Die Broschüre will jungen Menschen Orientierung und Hilfen auf dem Weg in die Ausbildung an die Hand geben - von der Berufsorientierung über die duale Berufsausbildung bis hin zur Fort- und Weiterbildung.

Aus der Forschung

  • bwp@ Spezial 12, April 2016: Berufsorientierung im Lebenslauf
    Themenbereiche:
    - Beiträge zur Berufsorientierung im Jugendalter
    - Beiträge zur Berufsorientierung im Erwachsenenalter
    - Berufsorientierung in europäischen und außereuropäischen Ländern
  • bwp@, Ausgabe 27, Dezember 2014 : Berufsorientierung
    Themenbereiche:
    - Strukturelle und institutionelle Bedingungen von Berufsorientierung
    - Berufsorientierung als Kompetenzförderung und im Kontext individueller Entwicklung
    - Lerntheoretische und didaktische Aspekte der Berufsorientierung
  • BWP - 1/2014: Berufsorientierung
    Die BWP-Ausgabe geht der Frage nach, in welcher Weise individuelle, institutionelle und strukturelle Bedingungen Bildungs- und Berufsbiografien prägen. Dabei wird die gesamte Lebensspanne vom schulischen Lernen bis zur beruflichen Weiterbildung älterer Beschäftigter berücksichtigt. Hierzu werden Erkenntnisse aus Forschung und Bildungspraxis vorgestellt.

Jugendliche zwischen Zuversicht und Resignation

Prof. Dr. Klaus Hurrelmann
© Klaus Hurrelmann

Gastbeitrag  von Prof. Dr. Klaus Hurrelmann
Der Übergang Schule - Beruf verlangt jungen Leuten heute mehr Orientierung und Leistungsvermögen ab als jemals zuvor. Während die "selbstbewussten Macherinnen und Macher" unter den Jugendlichen damit umzugehen wissen, scheitern die sozial und schulisch Schwachen an der knallharten Leistungsgesellschaft. Damit diese Kluft nicht noch größer wird, benötigen gerade die Benachteiligten eine Neuausrichtung von Berufsorientierung und beruflicher Bildung, die ihrer realen Lebensperspektive gerecht wird.

Positionen

  • Berufliche Orientierung neu denken
    Bildungsinitiative "Was bildet ihr uns ein? e.V.": Ausbildung generale: Berufliche Orientierung neu denken. Positionspapier, Berlin 2015

Betriebspraktika

Expertisen

Aus dem GPC

  • GPC 2004: Berufsorientierungspraktika
    Eine Expertise, die im Auftrag des ehemaligen Good Practice Centers des BIBB erstellt wurde. Ziel der Expertise war es, "aktuelle Maßnahmen oder Projekte bzgl. Berufsorientierungspraktika
    im Bereich der Benachteiligtenförderung zu identifizieren, aufzuführen und zu
    systematisieren."
    Dateigröße: 481 KB
  • GPC 2010: Berufsorientierung
    Die Expertise behandelt unter anderem folgende Themen: Das Verständnis von Berufsorientierung als Berufs- und Lebensplanung, individueller Lernprozess und kooperative Aufgabe, die Berufsorientierung als System sowie die Qualitätsmerkmale von subjektbezogener Berufsorientierung. Außerdem zeigt sie Beispiele subjektbezogener Berufsorientierung.
    Dateigröße: 642 KB

Weitere

  • Inbas: Gute Berufsorientierung an Halbtags- und Ganztagsschulen
    Im Fokus der Studie stand die Identifizierung von schulbezogenen Einflussfaktoren auf die Konzipierung und Umsetzung von Berufsorientierungsangeboten an Halbtags- und gebundenen Ganztagsschulen.
  • DJI: Die Rolle von Peers, Neuen Medien und Online-Communitys bei der Berufsorientierung
    Die Expertise vermittelt Hintergrundwissen zu der Bedeutung von Peers in beruflichen Orientierungsprozessen. Verschiedene pädagogische Peer-Involvement-Ansätze werden vorgestellt und anhand von Praxisbeispielen beleuchtet. Welche Rolle die Neuen Medien und besonders die interaktiven Online-Communitys hinsichtlich ihrer Nutzung und Potentiale im Bereich der Berufsorientierung einnehmen, wird analysiert und bewertet.
  • Bertelsmann Stiftung: Reformen zur Berufsorientierung auf Bundes- und Landesebene  (PDF)
    Synopse über die berufsorientierenden Aktivitäten auf Bundes- und Länderebene im Zeitraum 2004-2015. Die Autoren leiten zudem Handlungsempfehlungen für die zukünftige Gestaltung schulischer Berufsorientierung ab. Denn: "Das Problem in Deutschland ist nicht, dass es an guten Konzepten fehlt, sondern wie unterschiedlich Schulen mit dem Thema umgehen und wie wenig koordiniert sich die zahlreichen beteiligten Akteure verhalten."

Vertiefte Berufsorientierung

Gendersensible Berufsorientierung

  • AWO: Gendersensible Berufsorientierung im Übergang Schule-Beruf (PDF)
    Die Handreichung verdeutlicht das Wozu, Was und Wie von Gendersensibilität in der Berufsorientierung und beruflichen Beratung. Neben der Verdeutlichung des Anspruchs und der Vorstellung von zehn Handlungsansätzen von Gendersensibilität wird auch "Handwerkszeug" für die Praxis dargeboten.
  • Boys'Day-Unterrichtsmaterialien
    Die Materialien sollen den Schülern Hintergründe und Ziele des Aktionstags vermitteln und ihnen Handreichungen und mögliche Fragestellungen an die Hand geben, mit deren Hilfe sie sich auf den Besuch in einer Einrichtung oder einem Unternehmen vorbereiten. Darüber hinaus erhalten Lehrkräfte Informationen und Argumentationen, warum es sinnvoll ist, zur Teilnahme am Boys'Day – Jungen-Zukunftstag zu motivieren.
  • Girls'Day-Unterrichtsmaterialien
    Die Materialien sollen den Schülerinnen Hintergründe und Ziele des Aktionstags vermitteln und ihnen Handreichungen und mögliche Fragestellungen an die Hand geben, mit deren Hilfe sie sich auf den Besuch in einem Unternehmen oder einer Institution vorbereiten. Darüber hinaus erhalten Lehrkräfte Informationen und Argumentationen, warum es sinnvoll ist, zur Teilnahme am Girls'Day – Mädchen-Zukunftstag zu motivieren.
  • Berufe-Rätsel: Frauen in technischen Arbeitsfeldern der Erneuerbaren Energien
    Mit dem Berufe-Rätsel kann man sich über Ausbildungsberufe in den Erneuerbaren Energien informieren. Es kann im Rahmen der Berufsorientierung im Fach Arbeit-Wirtschaft-Technik ab Klasse 8 eingesetzt werden – nur mit Mädchen, aber auch in gemischten Gruppen. Die Durchführung dauert etwa 45 Minuten.

Qualifizierungspässe

Die Berufswahlpass-Mappe
© Bundesarbeitsgemeinschaft Berufswahlpass

Arbeiten mit dem Berufswahlpass
Im Berufswahlpass dokumentieren und belegen die Jugendlichen ihre Schritte zur ersten Berufswahlentscheidung, ihre Stärken, Fähigkeiten, Interessen und Ziele. Dabei ordnen sie Materialien und Informationen sinnvoll an, so dass sie bei Bewerbungsverfahren schnell und sicher wiederzufinden sind.

  • Bundesarbeitsgemeinschaft Berufswahlpass
    Die Bundesarbeitsgemeinschaft Berufswahlpass ist ein Zusammenschluss von 14 Ländern sowie einer Vertretung der Bundesagentur für Arbeit und des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF). Ziel der Zusammenarbeit ist die Weiterentwicklung sowie die Qualitätssicherung des Berufswahlpasses und die Qualifizierung von Lehrkräften für die Arbeit mit dem Berufswahlpass.
  • ProfilPASS für junge Menschen
    Der ProfilPASS für junge Menschen ist ein spezielles Angebot für Jugendliche. In einem angeleiteten und strukturierten Prozess werden die eigenen Kompetenzen aus allen Lebensbereichen ermittelt und dokumentiert. Das ProfilPASS-System beinhaltet eine professionelle Begleitung in Form einer Beratung oder eines Seminarangebotes.
  • Jobmappe NRW
    Die Jobmappe ist speziell für Nordrhein-Westfalen entwickelt worden. Das Instrument hilft jungen Menschen im Übergang Schule - Beruf, ihren Ausbildungs- und Berufsweg zu planen und ihre Lernergebnisse zu dokumentieren. Berufskollegs und Bildungsträger nutzen die Jobmappe NRW zur individuellen Förderung.
  • Qualipass Baden-Württemberg
    Der Qualipass hält Praxiserfahrungen und Kompetenzgewinne fest, die durch ehrenamtliches Engagement in der Schule, in Vereinen, im Gemeinwesen oder in Projekten, durch Kurse, Auslandsaufenthalte, Praktika oder berufliche Weiterbildungsangebote erworben wurden.

Bibliografie

Zuletzt aktualisiert am 15.08.2016nach oben