06.04.2021 | Redaktion | DJI

Erfahrungen LSBT*Q-Jugendlicher

Claudia Krell (DJI) führte Interviews und erarbeitete Handlungsempfehlungen

In Berufsschulen machen lesbische, schwule, bisexuelle, trans* oder queere (LSBT*Q) Jugendliche mehr negative Erfahrungen als in Praxisstellen und Betrieben. Das zeigt eine Studie des Deutschen Jugendinstituts (DJI), welche ihre Situation in der Ausbildung erstmals genauer in den Fokus nimmt. Insgesamt zeigen sich die Befragten überwiegend zufrieden mit ihrer Ausbildungssituation. Zu den positiven Erfahrungen zählt die Unterstützung in persönlichen Kontakten. Diskriminierungen gehen meist von Gleichaltrigen aus, mit denen kein enger Kontakt besteht.

Bild: VRD/Adobe Stock

Claudia Krell, die Autorin der Studie, führte im Jahr 2019 Interviews mit 17 LSBT*Q Jugendlichen in vollzeitschulischen und dualen Ausbildungen. Die Interviews lassen darauf schließen, dass die Situation für LSBT*Q Jugendliche an Berufsschulen und berufsbildenden Schulen etwas weniger angespannt ist als an allgemeinbildenden Schulen. "Das höhere Lebensalter der Jugendlichen in der Ausbildung und weniger enge Beziehungen zwischen den Schülerinnen und Schülern sind mögliche Gründe dafür", erklärt Claudia Krell.

Die Psychologin stuft das Aufwachsen in einer heteronormativen Umwelt für die Jugendlichen insgesamt als belastend und herausfordernd ein: „Häufig nehmen sich LSBT*Q Jugendliche als ‚anders‘ wahr und müssen für sich einen Lebensentwurf erst erarbeiten“, sagt Krell. Ganz besonders treffe dies auf trans* und gender*diverse Jugendlichen zu. Deshalb war es Teil des Forschungsprojekts, Handlungsempfehlungen für berufliche Schulen und Ausbildungsbetriebe zu entwickeln, um die Situation von LSBT*Q Jugendlichen zu verbessern. In diesen Prozess waren auch Lehrkräfte aus Berufsschulen sowie Fachkräfte aus der Praxis eingebunden.

"Man sollte jungen Menschen in ihrer Ausbildung den Raum geben, sich mit eigenen Diskriminierungserfahrungen auseinanderzusetzen. Durch Perspektivenübernahme können sie Verständnis für die Situation Anderer entwickeln." - Claudia Krell (DJI)

 

Zu den Empfehlungen zählt, das Thema sexuelle und geschlechtliche Vielfalt sowohl im Unterricht als auch bei der Ausbildung von Lehrkräften und Ausbildungspersonal zu etablieren. Hierbei gehe es auch darum, die Potenziale von Diversität in Teams aufzuzeigen. Welche Haltung gegenüber Vielfalt vertreten und wie bei Diskriminierung gegenüber sexueller Orientierung und geschlechtlicher Zugehörigkeit vorgegangen werde, sollte unabhängig von konkreten Vorfällen kommuniziert werden. Auch Anlaufstellen für das Thema seien wichtig. Für eine größtmögliche Verbindlichkeit sollten diese Maßnahmen in Schul- und Betriebsordnungen festgeschrieben werden.

Weitere Informationen