22.11.2019 | Redaktion | AWO/ISS

Armut im Lebensverlauf

AWO-ISS-Studie zu Ursachen, Folgen und Ansätzen zur Bekämpfung von Armut

Armut in der Kindheit kann das Leben von Menschen langfristig belasten - sie setzt aber keinen Automatismus in Gang. Wie die Langzeitstudie des AWO Bundesverbands und des Instituts für Sozialarbeit und Sozialpädagogik (ISS) zeigt, gelingt es immerhin zwei Dritteln der Kinder, die in Armut aufwachsen, dieser bis zum jungen Erwachsenenalter zu entkommen. Das heißt umgekehrt, dass etwa ein Drittel der Befragten dauerhaft arm bleibt. Entscheidend sind die sensiblen Übergangsphasen: Wer auf inner- und außerfamiliäre Unterstützungsstrukturen und -ressourcen entlang des Lebensverlaufs in Kindheit und Jugend zurückgreifen kann, hat bessere Chancen, Armutsrisiken zu überwinden.

Bild: photophonie/Adobe Stock

Ausbildung, Arbeitsmarktintegration, Loslösung vom Elternhaus, Partnerschaftlichkeit und Familiengründung sind zentrale Entwicklungsaufgaben beim Übergang ins junge Erwachsenenalter. Für junge Erwachsene, die aktuell von Armut betroffen sind oder Armut in Kindheit und Jugend erfahren haben, stellt der Übergang häufig eine ungleich höhere Herausforderung dar. Dies äußert sich etwa in Form einer verzögerten, erschwerten oder (noch) nicht vollzogenen Bewältigung von Entwicklungsaufgaben wie dem Abschluss einer Ausbildung oder die Integration in den Arbeitsmarkt.

In der Regel gilt: Keine armen Kinder ohne arme Eltern. Die Mehrheit der jungen Erwachsenen, deren Kindheit von finanzieller Sicherheit geprägt war, ist auch im weiteren Lebensverlauf nicht mit Armut in Berührung gekommen. Armutserfahrungen in Kindheit und Jugend wirken sich dagegen deutlich erkennbar auf das Schulbildungsniveau und im weiteren Lebensverlauf auf den Erwerb beruflicher Qualifikationen aus.  Armut ist damit ein zentrales Entwicklungsrisiko für Kinder und Jugendliche und verursacht im gesamten Lebensverlauf einen hohen sozialpolitischen Handlungsbedarf. Dies gilt besonder für junge Frauen, die bei gleicher Bildung einem doppelt so hohen Armutsrisiko ausgesetzt sind wie gleichaltrige Männer.

Nachhaltige Armutsprävention

Doch wie lässt sich Armut wirkungsvoll bekämpfen? Der sozialpolitische Fokus muss aus Sicht der AWO auf nachhaltige Armutsprävention gelegt werden und darf sich nicht auf nachträgliche Interventionen und Bekämpfung individualisierter Armutsfolgen beschränken. Dafür müssten das Verständnis für das komplexe Wirken von Armut im Lebensverlauf geschärft und präventive sozialpolitische Instrumente umgesetzt werden, die armutsbedingte Nachteile früh kompensieren und für alle Kinder die Grundlage soziokultureller Teilhabe sicherstellen. Eine einkommensabhängige Kindergrundsicherung könne die monetären Grundlagen dafür schaffen.

Dringenden Handlungsbedarf sehen die Autorinnnen und Autoren der Studie in den Bereichen der Bekämpfung der Einkommens- und Familienarmut, der Reform der kinder- und familienpolitischen Leistungen, einer besser verzahnten und präventiv ausgerichteten sozialen Infrastruktur,  mehr Investitionen in Bildung als Schutzfaktor gegen Armut sowie der Sicherung einer nachhaltigen Integration in Ausbildung und Arbeit für alle jungen Erwachsenen.

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