16.01.2019 | Redaktion | BIBB

Ausbildungsmarkt in der Krise?

BIBB-Forschungsprojekt führte Expertenbefragung durch

Dass Jugendliche, die Ausbildungsplätze suchen und Betriebe, die solche anbieten, zunehmend seltener zusammenfinden, ist eine bekannte Entwicklung – Stichwort: "Passungsprobleme". Um die Perspektiven der verschiedenen Akteure im Bereich der dualen Ausbildung und der Berufsorientierung auf dieses Thema differenziert zu untersuchen, führte das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) nun eine Befragung durch. Diese ergab unter anderem, das aus Sicht der Experten die Qualität der Ausbildung verbessert werden muss.

Bild: bluedesign | Adobe Stock

Rund 400 Fachleute der Berufsbildung beteiligten sich an der Online-Befragung, die im Rahmen des Forschungsprojekts "Bildungsorientierungen und -entscheidungen Jugendlicher im Kontext konkurrierender Bildungsangebote" durchgeführt wurde. Die Befragten stammen unter anderem aus Betrieben, Kammern, Gewerkschaften, Wissenschaft, Bildung und Verwaltung sowie erstmalig auch aus allgemeinbildenden Schulen.

Über alle Expertengruppen hinweg zeigt sich eine große Wertschätzung der dualen Ausbildung. Es herrscht dabei Einigkeit darüber, dass es in der Gesellschaft an dieser Wertschätzung mangelt und dass dies eine der Ursachen für Bewerbermangel und Passungsprobleme auf dem Ausbildungsmarkt darstellt. Gleichzeitig stimmen die Experten weitgehend der These zu, dass die Qualität der Ausbildung verbessert werden muss, um Berufe mit Besetzungsproblemen attraktiver zu machen.

Prestige beeinflusst Berufswahl

Die große Mehrheit der Experten befürwortet daher Maßnahmen zur Förderung des Images der beruflichen Bildung sowie des Prestiges von Berufen mit Besetzungsproblemen. Relativ einig sind sich die Experten der Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite darin, dass die Berufsorientierung weiter gestärkt werden muss. Dabei gelte es insbesondere den Einfluss des Prestiges auf die Berufswahl zusammen mit den Jugendlichen stärker als bislang kritisch zu reflektieren. Zudem müsse hierfür das soziale bzw. familiäre Umfeld der Jugendlichen mehr eingebunden werden.

Neben der stärkeren Auseinandersetzung mit dem Prestige von Berufen führt, so die Experten, ein weiterer wichtiger Weg zur Lösung von Passungsproblemen über den Aufbau von Ausbildungsmarktkompetenz junger Menschen. Damit Schülerinnen und Schüler realistischere Vorstellungen von Ausbildungsmarkt und Ausbildungsberufen entwickeln können, gilt es, das Wissen über den Ausbildungsmarkt verstärkt in der Berufsorientierung einzubetten. Dies könnte beispielsweise über die Verankerung des Themas Berufsorientierung in der Lehrerausbildung, aber auch durch verstärkte Kooperationen zwischen Schule und Wirtschaft umgesetzt werden.

 
 
 

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