07.11.2018 | Redaktion

Evaluation der RESPEKT-Projekte

Junge Menschen, die von den bestehenden Hilfs- und Sozialsystemen nicht (mehr) erreicht werden und deshalb durch alle Netze zu fallen drohen, haben häufig multiple und massive Problemlagen. Seit dem Jahr 2015 fördert das Bundesprogramm RESPEKT 18 Projekte, die versuchen, sie wieder an Bildungsprozesse, Ausbildung oder Arbeit heranzuführen. Der kürzlich veröffentlichte Evaluationsbericht zeigt, was nötig ist, um schwer erreichbaren jungen Menschen zu helfen, und welche Erfolge die Projekte verzeichnen können.

Bild: shootingankauf | Fotolia

Durch das Programm des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) wurden bis Ende 2017 etwa 3.100 Menschen erreicht. Zu ihren Problemlagen zählen Wohnungslosigkeit, psychische Probleme und Sucht, materielle Armut und Schulden sowie Orientierungslosigkeit und Erfahrungen des schulischen oder beruflichen Misserfolgs. Das Verhältnis zu ihrer Familie ist häufig "konflikthaft", und so fehlt ihnen ein soziales Umfeld, das sie praktisch, aber auch emotional unterstützt. Viele haben keinen Kontakt mehr zum Sozialleistungssystem, brachen Maßnahmen mehrfach ab oder wurden mehrfach sanktioniert. Andauernde Konflikte mit den Ansprechpartnern der Jobcenter haben nicht selten zu einem völligen Rückzug der jungen Menschen geführt. Zudem stellt der Evaluationsbericht eine oft unzureichende Zusammenarbeit der Institutionen fest, zum Beispiel von Jobcenter und Jugendamt.

Wichtig: Zentrale Ansprechperson

Zur Erreichung der Zielgruppe haben die Projekte sehr unterschiedliche Ansätze und Methoden gewählt. Bei der Förderung zeigt sich, dass die individuelle sozialpädagogische Begleitung den Kern ihrer Arbeit ausmacht. Dazu zählen etwa die persönliche Begleitung zu Behörden, die Einbindung des sozialen Netzwerks oder die Vermittlung an weitere Unterstützungsangebote. Die jungen Menschen benötigen in der Regel niedrigschwellige Angebote, eine zentrale Ansprechperson, die sie auf der Basis einer Vertrauensbeziehung kontinuierlich begleitet, und - Zeit. Je komplexer die Probleme, desto mehr Zeit müssen die Ansprechpersonen investieren, um Vertrauen aufzubauen, Lösungen zu finden und die Lebenssituationen der jungen Menschen zu verbessern.

Den Projekten stellt der Bericht insgesamt ein gutes Arbeitszeugnis aus: Etwa zwei Drittel der Teilnehmenden mündeten in Ausbildung, Arbeit oder "verschiedene Bildungsprozesse" ein. Nicht immer lassen sich Erfolge so klar bemessen: "Darüber hinaus sind in vielen anderen Lebensbereichen Fortschritte erzielt worden, sei es, dass die Heranführung an das Hilfesystem gelungen ist oder wesentliche Probleme – wie zum Beispiel Wohnungslosigkeit – gelöst werden konnten." Besonders erfolgreich bei der Heranführung an Bildung und Arbeit, so der Bericht, seien Projekte, denen es gelingt, dass sich die Teilnehmenden ihrer eigenen Ziele bewusst werden – und jene mit einer umfassenderen Netzwerkarbeit.

 
 
 

überaus informiert

 

Besucher-Hits