07.03.2013

Mit QuABB Ausbildungsabbrüche verhindern

Ein Praxisbericht aus Hessen

von Elsa Schumacher

Ausbildungsabbrüche sind für Betriebe wie für Auszubildende mehr als unerfreulich. Während für die Jugendlichen der Übergang in eine qualifizierte Berufstätigkeit auf dem Spiel steht, verursacht der Abbruch für einen Betrieb Kosten und vergeblichen Arbeitsaufwand, der nicht selten dazu führt, dass man dort nicht mehr ausbilden möchte. Ausbildungsabbrüche zu verhindern - das hat sich das hessische Projekt "Qualifizierte berufspädagogische Ausbildungsbegleitung in Berufsschule und Betrieb" (QuABB) zum Ziel gesetzt.

Beratung und Begleitung

Es sieht eine frühzeitige Intervention in kritischen Ausbildungssituationen vor und arbeitet gleichzeitig mit präventiven Maßnahmen daran, dass eine Krise erst gar nicht entsteht. An der Heinrich-Emanuel-Merck-Schule, der Beruflichen Schule für Elektrotechnik und Informationstechnik in Darmstadt haben Susanne Schütz und Sabine Flügel ihr Büro. Die beiden sind Mitarbeiterinnen im Projekt QuABB und stehen den Auszubildenden als neutrale, weder dem Betrieb noch der Schule angehörige Ansprechpartnerin zur Verfügung, wenn es in ihrer Ausbildung zu Schwierigkeiten kommt. Die Ausbildungsbegleiterinnen und -begleiter im Modellprojekt QuABB arbeiten nach klaren Standards für die Beratungsqualität, die sich an den Leitlinien einer systemischen Beratungstätigkeit orientieren. Im Mittelpunkt steht dabei der/die Auszubildende als Experte/Expertin für sich und die eigene Lebenswelt. In der Beratung der Ausbildungsbegleiterin geht es darum, die diffizile Situation zu klären und den Jugendlichen dabei zu begleiten, eine ihm aussichtsreich erscheinende Lösung zu finden. Die Beraterinnen unterstützen die Ratsuchenden, Krisen zu bewältigen und eigenverantwortliche Entscheidungen zu treffen.

Nach den ersten Schritten "nehmen sie langsam Fahrt auf beim selbstständigen Problemlösen", beschreibt Frau Schütz diesen Prozess. Die Beraterinnen bringen ihre Kenntnis der regionalen Unterstützungsangebote ein und machen Vorschläge, die gezielt in der spezifischen Situation greifen können. Wie lange eine Ausbildungsbegleitung dauert, ist von Fall zu  Fall unterschiedlich. Manchmal hilft ein klärendes Beratungsgespräch, manchmal begleiten Frau Schütz oder Frau Flügel einen Jugendlichen über einen längeren Zeitraum. Die Ausbildungsbegleiterinnen stehen nicht nur speziellen Zielgruppen zur Verfügung. Alle Auszubildenden werden gleichermaßen angesprochen und nehmen das Angebot gleichermaßen wahr.

Zusammenarbeit vieler Akteure auf unterschiedlichen Ebenen

Beratung und Begleitung der Auszubildenden bilden einen zentralen, aber nicht den einzigen Baustein des QuABB-Projekts. Drohende Ausbildungsabbrüche werden hier als vielschichtiges Problem betrachtet, an dem viele Akteure auf unterschiedlichen Ebenen beteiligt sind und somit auch etwas ändern können.

Das Projekt startete 2009 mit vier Modellregionen und wurde später auf 12 Regionen ausgeweitet. Es ist  auf Initiative des Hessischen Ministeriums für Wirtschaft, Verkehr und Landesentwicklung (HMWVL) in Kooperation mit dem Hessischen Kultusministerium (HKM) entstanden und Teil des Hessischen Paktes für Ausbildung. Die Koordinierung hat das Institut für berufliche Bildung, Arbeitsmarkt und Sozialpolitik (INBAS GmbH). Das dort entwickelte Rahmenkonzept wird nun in den Regionen erprobt und weiter entwickelt. Kernelemente des Konzepts sind neben Interventionsstrategien die Kooperation und die Prävention.

Was bei der Projektentwicklung auf Landesebene in der Zusammenarbeit von Wirtschafts- und Kultusministerium begonnen wurde, setzt sich im Büro von Frau Schütz und Frau Flügel fort. Hier arbeiten sie nämlich eng zusammen mit der Beratungslehrerin der Schule. Während die Ausbildungsbegleiterinnen und -begleiter sich vorwiegend um Schwierigkeiten im betrieblichen Bereich kümmern, greifen die Beratungslehrkräfte im QuABB-Projekt bei schulischen Schwierigkeiten ein. Die Lehrerinnen und Lehrer bekommen für diese Aufgabe ein bestimmtes Stundenkontingent.

"Wir versuchen auf allen Ebenen die Beteiligten so fit zu machen, dass sie merken, wenn etwas nicht stimmt."

 

Die Beratungskräfte arbeiten mit den Betrieben zusammen und aktivieren wenn nötig weitere unterstützende Stellen. Damit das reibungslos funktioniert, müssen  die Ausbildungsbegleiterinnen und -begleiter von QuABB gut vernetzt sein. Um den Austausch der vielen Beteiligten untereinander zu vereinfachen, moderiert INBAS eine geschlossene Community-Gruppe bei überaus, dem Portal für den Übergang Schule - Beruf.

Intervention und Prävention als  Aufgaben

Darüber hinaus wird im Projekt QuABB intensiv über verbesserte Prävention nachgedacht. "Wir versuchen auf allen Ebenen die Beteiligten so fit zu machen, dass sie merken, wenn etwas nicht stimmt. Meistens hat ein Abbruch nämlich einen langen Vorlauf. Außerdem gehen wir davon aus, dass es nicht nur einen einzigen Grund für den Ausbildungsabbruch gibt, sondern dass mehrere Gründe zusammen kommen", erläutert Sabine Beck von INBAS. So entwickelte eine Arbeitsgruppe aus allen Professionen, die bei QuABB beteiligt sind, einen "Werkzeugkoffer Frühwarnsystem", der dabei helfen soll, Konflikt- und Problemsituationen frühzeitig zu erkennen und nicht so weit eskalieren zu lassen, dass nur noch ein Abbruch als Lösungsweg geeignet erscheint.

Maximilian Graeve, der dritte Kollege im Regionalteam Darmstadt-Dieburg,  widmet sich daher intensiv der präventiven Arbeit in Betrieben vor Ort. Dort bietet er den Auszubildenden Schulungen zum Konfliktmanagement und ein gezieltes Kommunikationstraining an. Diese Form der Unterstützung wird nicht nur von den Azubis, sondern auch von den Betrieben sehr gerne angenommen, die Anfragen bei Maximilian Graeve häufen sich. Zudem werden auch Ausbilder/innen bei QuABB geschult und zum Beispiel auf ihren Umgang mit Konflikten vorbereitet.

Dass durch die Kombination von professioneller Beratung und Begleitung, frühzeitiger Prävention und kooperativen Ansätzen ein Ausbildungsabbruch verhindert werden kann, belegt die wissenschaftliche Begleitung des Modellprojekts, die von der Hessen Agentur übernommen wurde. QuABB kann mit beeindruckenden Erfolgsmeldungen aufwarten. Von den 3.100 Fällen, die von 2009 bis Ende 2012 begleitet wurden, sind über 70 Prozent in der Ausbildung geblieben.

Weitere Informationen

  • www.quabb.inbas.com
    Das Programm QuABB wird von der hessenweiten Koordinierungsstelle bei der INBAS GmbH begleitet.
 
 
 

Kontakt

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INBAS GmbH
Koordinierungsstelle QuABB

 

Dossier

Ausbildungsabbrüche vermeiden

Das Dossier bietet Informationen zur Datenlage, erläutert die Gründe für Vertragslösungen und stellt Konfliktlösungswege vor, die zu deren Vermeidung beitragen.