15.03.2021 | Redaktion | WZB

Corona verschärft digitale Spaltung

Studie stellt Digitalisierungsschub fest – aber nicht für alle

In der Corona-Pandemie ist die Arbeit vieler Menschen binnen kurzer Zeit digitaler und vernetzter geworden. Doch nicht für alle Beschäftigten hat die Corona-Krise einen Digitalisierungsschub mit sich gebracht. Profitiert haben vor allem hochqualifizierte Beschäftigte, die ihre Arbeit im Homeoffice erledigen konnten. Corona trägt zu einer neuen digitalen Spaltung der Erwerbsbevölkerung bei, wie eine Studie des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB), des Leibniz-Instituts für Bildungsverläufe (LIfBi) und des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zeigt.

Bild: Andrey Popov/Photographee.eu/Adobe Stock

Die Studie beleuchtet erstmals, wie stark die Pandemie die Nutzung digitaler Technologien bei verschiedenen Gruppen von Beschäftigten verändert hat. Für die Mehrheit der Erwerbstätigen nahm in den ersten Monaten der Pandemie die Nutzung digitaler Technologien am Arbeitsplatz zu. 50 Prozent gaben an, dass sie diese Technologien zum Zeitpunkt der Befragung häufiger verwendeten als zuvor. 44 Prozent der Befragten taten dies genauso häufig wie vorher. Betrachtet man das formale Bildungsniveau der Erwerbstätigen, zeigen sich allerdings Unterschiede. Während fast 57 Prozent der akademisch Gebildeten angaben, digitale Technologien häufiger zu nutzen, trifft das nur für 49 Prozent Befragten ohne Hochschulbildung zu.

Wichtiger als der formale Bildungsgrad sind aber die Tätigkeiten, die Erwerbstätige in ihrem Job ausüben. Während 70 Prozent der Beschäftigten mit stark analytisch geprägten Tätigkeiten digitale Technologien stärker als zuvor zu nutzen, berichten nur 29 Prozent der Erwerbstätigen in stark manuell geprägten Jobs, bei denen körperliche Anstrengungen nötig sind, von einem Zuwachs an Digitalisierung. Die gravierendsten Unterschiede zeigen sich jedoch zwischen Beschäftigten, die im ersten Lockdown zu Hause arbeiten konnten, und denjenigen, die weiterhin vor Ort ihrer Arbeit nachgingen. Während 73 Prozent der Beschäftigten im Homeoffice von einer Zunahme der Nutzung digitaler Technologien berichteten, lag dieser Anteil bei denjenigen, die nicht im Homeoffice waren, nur bei 38 Prozent.

Im Vergleich zur Zeit vor der Pandemie zeigt sich, dass sich die Polarisierung nach Bildungsgruppen während der Pandemie verstärkt hat. In der Summe hat die Pandemie aber nicht wie häufig angenommen zu einer umfassenden Digitalisierung der Arbeitswelt für alle geführt. Stattdessen haben vor allem akademisch gebildete Beschäftigte, die mehr als vor der Pandemie von zuhause aus gearbeitet haben, vernetzte digitale Technologien stärker als unmittelbar vor der Krise genutzt. "Diese neue digitale Spaltung der Erwerbsbevölkerung dürfte sich in den vergangenen Monaten weiter verschärft haben", sagt der Co-Autor Benjamin Schulz.

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