16.09.2021 | Redaktion

Anzahl Geringqualifizierter stagniert

OECD-Bericht "Bildung auf einen Blick 2021" erschienen

Der Anteil junger Menschen im Alter zwischen 25 und 34 Jahren, die höchstens einen Realschulabschluss haben, aber keine Ausbildung und keinen weiteren Schulabschluss, lag im Jahr 2020 in Deutschland mit 13 Prozent nur knapp unter dem OECD-Durchschnitt von 15 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahr stagnierte der Anteil Geringqualifizierter also, während er im OECD-Durchschnitt um fast fünf Prozentpunkte fiel. Der OECD-Bericht "Bildung auf einen Blick 2021" stellt die Chancenungleichheit bei Bildungszugang, -teilnahme und -fortschritt in den Mittelpunkt.

Titelseite des OECD-Berichts

Menschen mit geringem Qualifikationsniveau sind in allen OECD-Ländern häufiger von Arbeitslosigkeit betroffen. Dies betrifft junge Frauen stärker als Männer. Je geringer das Bildungsniveau, desto ausgeprägter sind die geschlechtsspezifischen Unterschiede bei den Beschäftigungsquoten. Während 69 Prozent der geringqualifizierten Männer in Deutschland beschäftigt sind, trifft dies nur auf 49 Prozent der Frauen auf diesem Qualifikationsniveau zu. Im OECD-Durchschnitt sind es mit 43 Prozent der Frauen noch weniger. Im Jahr 2020 waren 12 Prozent aller 25- bis 34-jährigen Frauen in Deutschland geringqualifiziert (Männer: 14 Prozent). Im OECD-Durchschnitt waren es mit 13 Prozent etwas mehr.

Niedriger Bildungsabschluss führt zu Einkommensarmut

Das Erreichen eines Abschlusses des Sekundarbereichs II wird in der Bildungsforschung als notwendige Mindestqualifikation für eine erfolgreiche Teilhabe in modernen Wissensgesellschaften und für ausreichende Chancen am Arbeitsmarkt angesehen. Ein niedriger Bildungsabschluss hat auch Konsequenzen für die Beschäftigungs- und Verdienstmöglichkeiten. Der internationale Vergleich zeigt, dass Personen ohne einen Sekundarbereich-II-Abschluss in Deutschland zu 43 Prozent von Einkommensarmut betroffen sind: Sie erreichen ein Einkommen, das höchstens die Hälfte des Medianeinkommens beträgt - also des Einkommensniveaus, bei dem es genauso viele Menschen mit einem höheren wie mit einem niedrigeren Einkommen gibt.

"Chancengleichheit ist ein Schlüsselfaktor für eine starke und zusammenhaltende Gesellschaft." - Editorial des OECD-Berichts

 

Aus Sicht der Autorinnen und Autoren des OECD-Berichts hat die Corona-Pandemie systemische Schwächen im Bildungssektor offengelegt und hervorgehoben. Chancengleichheit sei ein Schlüsselfaktor für eine starke und zusammenhaltende Gesellschaft: "Anders als die Politik, die sich mit den Folgen befasst, kann Bildung bei Chancenungleichheit an der Wurzel ansetzen, indem sie fairere Voraussetzungen für Menschen aller Altersgruppen zum Erwerb der für bessere Arbeitsplätze und Lebensumstände erforderlichen Kompetenzen schafft."

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