28.09.2017 | IAB Forum | Redaktion

Der lange Weg in den Arbeitsmarkt

IAB-Forschungsbericht befasst sich mit Beratung und Vermittlung von Flüchtlingen

Einige Flüchtlinge finden rasch nach ihrer Ankunft in Deutschland Arbeit. Für die meisten ist der Weg in den Arbeitsmarkt jedoch lang. Er führt über das Erlernen der deutschen Sprache sowie berufliche Weiterbildungen oder eine Berufsausbildung. Den Vermittlungsfachkräften der öffentlichen Arbeitsverwaltung kommt eine wichtige Rolle bei der Arbeitsmarktintegration zu. In einem Forschungsprojekt hat das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) einen Blick in ausgewählte Agenturen geworfen und dort die Beratungs- und Vermittlungsaktivitäten für Flüchtlinge analysiert.

Die Arbeitsmarktintegration von Flüchtlingen stellt die öffentliche Arbeitsverwaltung vor große Herausforderungen. Menschen, die vor Krieg, Gewalt und militärischer Zwangsrekrutierung, Verfolgung und Diskriminierung, Armut und Perspektivlosigkeit nach Deutschland geflohen sind, haben häufig schreckliche Erlebnisse hinter sich und sind mit dem Leben und dem Arbeitsmarkt in Deutschland nicht vertraut. Bei den Vermittlungsfachkräften sind somit interkulturelle Sensibilität, Offenheit, spezielle Rechtskenntnisse und beraterisches Einfühlungsvermögen gefragt. Sie müssen zudem in der Lage sein, Fähigkeiten, Fertigkeiten und die berufliche Motivation der Geflüchteten herauszuarbeiten und ihnen Wege in den Arbeitsmarkt aufzuzeigen.

Hohe Arbeitsmotivation der Flüchtlinge

Welchen Einfluss haben die Arbeitsagenturen mit ihrer Beratung und Vermittlung auf die Arbeitsmarktintegration von Flüchtlingen tatsächlich? Um diese Frage ging es in einem Forschungsprojekt des IAB, das an fünf Standorten den Prozess der Beratung und Vermittlung von Flüchtlingen untersuchte. Die Ergebnisse sind ausführlich im IAB-Forschungsbericht 5/2017 dokumentiert. Im Rahmen des Projekts wurden im Juli 2016 Interviews mit insgesamt 39 Expertinnen und Experten aus Arbeitsagenturen, Jobcentern und Organisationen, die Flüchtlinge betreuen, geführt.

Die befragten Vermittlungsfachkräfte betonen die grundsätzlich hohe Arbeitsmotivation der Flüchtlinge. Allerdings scheitert eine Arbeitsaufnahme vielfach an mangelnden Kenntnissen der deutschen Sprache, fehlenden formalen Qualifikationsnachweisen oder einer unzureichenden Passung zwischen individuellen Fähigkeiten und betrieblichen Anforderungen. Beispiele wie die Ärztin aus Syrien oder der Ingenieur aus dem Irak, die in Deutschland zügig eine Arbeitsstelle finden, sind Einzelfälle. Für die meisten geflüchteten Menschen ist es ein langer Weg in den deutschen Arbeitsmarkt.

Langer Atem ist nötig

Für die Flüchtlinge gilt es zunächst, die deutsche Sprache zu erlernen, sich beruflich zu orientieren und berufsqualifizierende Kompetenzen zu erwerben oder feststellen zu lassen. Aufseiten der Arbeitgeber verhindern die rechtliche Unsicherheit und die Erwartung, Flüchtlinge würden bereits bei der Einstellung über die erforderlichen Kompetenzen verfügen, dass Personen und Stellen unmittelbar zusammengebracht werden. Sie brauchen Geduld, wenn ein Flüchtling eine längere Einarbeitungszeit benötigt, weil er erst noch mehr als andere Arbeitnehmer lernen muss und mit den Abläufen in einem deutschen Betrieb noch nicht vertraut ist.

Schließlich benötigt die öffentliche Arbeitsverwaltung einen langen Atem, um in kleinen Schritten individuelle Integrationsverläufe mit den Flüchtlingen zu planen, vorzubereiten und umzusetzen. Es wird noch einige Zeit vergehen, bis viele der Flüchtlinge, die in den letzten Jahren nach Deutschland kamen und noch kommen werden, sich hinreichend für den Arbeitsmarkt qualifiziert haben, und die Arbeitgeber mehr als derzeit bereit sind, Flüchtlinge tatsächlich auszubilden und einzustellen.

 
 
 

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