20.09.2017

Pro Ausbildung - intensive Begleitung und Betreuung

Unterstützung im Bewerbungsprozess für Jugendliche in Offenbach

von KAUSA Servicestelle Offenbach und Karin Maria Rüsing

Im Amt für Arbeitsförderung der Stadt Offenbach haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der KAUSA Servicestelle ein Konzept für einen intensiven Betreuungs- und Begleitungsprozess entwickelt, der Schülerinnen und Schüler bereits im letzten Schuljahr abholt und in Kooperation mit Schulen und Betrieben auf dem Weg in die Ausbildung unterstützt.

Pro Ausbildung besteht aus aufeinander abgestimmten Abläufen. Grafik: Stadt Offenbach

Zwischen 60 und 80 Prozent der Schülerinnen und Schüler an Offenbacher Schulen haben einen Migrationshintergrund. Sie tun sich oft besonders schwer, einen Ausbildungsplatz zu finden. Das kann zum Beispiel daran liegen, dass ihre Familien das System der Dualen Ausbildung aus den Herkunftsländern nicht kennen, und deshalb ihre Kinder nicht entsprechend unterstützen können.

Im Juli 2016 hat die Stadt Offenbach eine KAUSA Servicestelle für ihre Bürgerinnen und Bürger eingerichtet, die im Amt für Arbeitsförderung, Statistik und Integration der Stadt angesiedelt ist. Hier kümmern sich Isabel Greiner, Brigitte Kümbel, Susan Kazda und Ralph Kersten darum, dass junge Menschen mit Migrationshintergrund in einer Dualen Ausbildung fußfassen und ihre Zukunft gestalten können. KAUSA steht für die bundesweite Koordinierungsstelle Migration und Ausbildung.

Deutlich mehr Schülerinnen und Schüler wollen eine Ausbildung aufnehmen und sich bewerben, wenn der Bewerbungsprozess intensiver begleitet wird.

 
KAUSA Servicestellen
sind ein JOBSTARTER plus Projekt. Damit fördern das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und der Europäische Sozialfonds (ESF) die Verbesserung regionaler Ausbildungsstrukturen.

Mit ihrem Projekt "Pro Ausbildung" haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Offenbach eine ganze Förderkette aufgebaut. Die intensive Begleitung Jugendlicher im Bewerbungsprozess für eine duale Ausbildung zeigt Erfolge. Die Auswertung der Schulabgangsbefragung an Haupt-, Real- und Gesamtschulen der Stadt Offenbach im Jahr 2017 belegt, dass weitaus mehr Schülerinnen und Schüler eine Ausbildung aufnehmen wollen und sich bewerben, wenn der Bewerbungsprozess intensiver begleitet wird. Das Konzept Pro Ausbildung ist ohne größeren Aufwand auch auf andere Städte und Gemeinden mit ähnlichen Problemlagen übertragbar.

Zielsetzung dieses Angebotes ist es, Jugendlichen eine ausreichende Unterstützung beim Übergang von der Schule in den Beruf zu bieten. Parallel dazu erhalten Ausbildungsbetriebe durch Pro Ausbildung die Möglichkeit, erste Kontakte zu ausbildungswilligen Jugendlichen zu bekommen. Pro Ausbildung besteht aus aufeinander abgestimmten Abläufen, wobei nicht jeder Schritt von allen Beteiligten durchgeführt werden muss.

Projektwoche zur Berufsfindung

An allen Offenbacher Schulen finden am Ende eines Schuljahres Projektwochen statt. In diesem Rahmen bietet die KAUSA Servicestelle ein Projekt zur Berufsfindung an. Dabei werden über verschiedene Tests berufliche Fähigkeiten und Präferenzen ermittelt. Außerdem werden unterschiedliche Ausbildungsberufe vorgestellt und besprochen.

Besuche in Betrieben

Durch Betriebsbesuche können die Schülerinnen und Schüler Ausbildungsberufe in der Praxis erleben. Bei diesen Besuchen können auch erste Kontakte für ein Praktikum oder einen Ausbildungsplatz geknüpft werden. Die teilnehmenden Schülerinnen und Schüler werden von den Klassenlehrerinnen und -lehrern ausgewählt.

Die Auswahlkriterien sind:

  • Schülerinnen und Schüler mit Ausbildungswunsch nach dem Schulabschluss, aber mit noch unklaren Berufsvorstellungen.
  • Schülerinnen und Schüler mit schwachen Schulleistungen, jedoch hinreichender Ausbildungsreife, die noch keine klare Vorstellung von einen möglichen Ausbildungsberuf haben.

Berufsinformationstage

Bei den Berufsinformationstagen organisiert die KAUSA Servicestelle für die teilnehmenden Schulen direkte Kontakte zwischen Schülerinnen und Schülern und Ausbildungsbetrieben. Die Berufsinformationstage finden in den Schulen statt. Eingeladen werden Ausbilderinnen und Ausbilder von Betrieben, die im folgenden Ausbildungsjahr Auszubildende einstellen. Die Betriebe erhalten die Gelegenheit sich selbst und ihre Ausbildungsaktivitäten zu präsentieren. Oft bringen sie auch eigene Auszubildende mit, die über ihre Erfahrungen berichten. Durch die Diskussion wird bei den Schülerinnen und Schülern das Interesse für verschiedene Ausbildungsberufe geweckt.

An den Berufsinformationstagen gibt es in den teilnehmenden Schulen direkte Kontakte zwischen Schülerinnen und Schülern und Ausbildungsbetrieben.

 

Jedem Unternehmen steht ein Klassenraum zur Verfügung. Die Schülerinnen und Schüler wechseln in Kleingruppen etwa alle 20 Minuten den Raum, bis sie alle Betriebe und Berufe kennen gelernt haben. Die Jugendlichen haben zudem die Möglichkeit, ihre Bewerbungsunterlagen direkt bei den anwesenden Betrieben abzugeben. Im Schuljahr 2016/2017 fanden sieben Berufsinformationstage an den Offenbacher Schulen statt. Circa 650 Schülerinnen und Schüler der Abgangsklassen haben teilgenommen. Anwesend waren auch etwa 20 Betriebe sowie Vertreter der Industie- und Handelskammer (IHK) und der Handwerkskammer (HWK).

Beratung zur Konkretisierung des Berufswunsches

Durch die Projektwoche zur Berufsfindung, oder durch das Beratungsangebot der Agentur für Arbeit an den Schulen, entsteht bei vielen Jugendlichen ein erhöhter individueller Gesprächsbedarf. Dieser wird durch das Angebot der Agentur für Arbeit – und in Kooperation dazu unterstützt durch die KAUSA Servicestelle Offenbach – gedeckt.

Das Kernstück des Projekts: Die Bewerbungs-AG

Wie ein Anschreiben und ein Lebenslauf aussehen sollten, lernen die Jugendlichen in der Schule. Jedoch gibt es kein Angebot, das sie dann bei der Formulierung zahlreicher Bewerbungen (etwa 30-40) -  einschließlich des Ausfüllens komplexer Online-Bewerbungsmasken - unterstützt. Diese Lücke versucht die KAUSA Servicestelle Offenbach mit ihrem Angebot "Pro Ausbildung" zu schließen. Sie bietet dazu eine Bewerbungs-AG an, die in der Regel in den PC-Räumen der teilnehmenden Schulen durchgeführt wird. Die Teilnahme an der AG ist freiwillig.

Informationen sammeln und auswerten

In der Bewerbungs-AG werden zunächst alle vorhandenen Informationen (zum Beispiel freie Ausbildungsplätze, Berufswünsche), Materialien (zum Beispiel vorhandene Lebensläufe, Anschreiben und ähnliches) sowie Interessen (zum Beispiel Wunschbetriebe über den Berufsinformationstag) überprüft. Auf dieser Basis wird dann für jede Schülerin und für jeden Schüler eine aussagekräftige und optisch professionelle Bewerbungsmappe erstellt. Parallel dazu lernen die Schülerinnen und Schüler verschiedene Wege kennen, offene Ausbildungsplätze zu finden.

Der Bewerbungsprozess startet mit der Erstellung eines aussagekräftigen, auf eine Ausbildungsstelle bezogenen Anschreibens. Dieses wird als Ausgangsbasis für weitere Anschreiben genutzt. Dabei lernen die Schüler, wie das Basisanschreiben auf andere Betriebe beziehungsweise Ausbildungsberufe übertragen werden kann. Versendet werden die Bewerbungen in der Regel per E-Mail. Im Anhang werden dabei immer das jeweilige Anschreiben sowie die Bewerbungsmappe verschickt. Dies bedeutet, dass alle Schüler eine eigene Mail-Adresse anlegen und in der AG lernen, dass diese regelmäßig überprüft werden muss. Sie lernen dabei auch Standardtexte kennen und nutzen, um ihre Mails professionell zu versenden und zu beantworten.

„Es geht vor allem darum, den Bewerbungsprozess zu automatisieren.“
Ralph Kersten

 

In Offenbach, so berichtet Ralph Kersten, ist die Anzahl ausbildungsplatzsuchender Jugendlicher höher als die Anzahl der angebotenen Ausbildungsstellen. Die aktuellen Zahlen der Bundesagentur für Arbeit zeigen für März 2017 deutlich mehr gemeldete Bewerberinnen und Bewerber (631) als gemeldete freie Ausbildungsstellen (460). Auch aus diesem Grund müssen die Jugendlichen häufig mehr als 40 Bewerbungen verschicken, bis es mit einem Ausbildungsplatz klappt.

Das bedeutet, dass die Jugendlichen mit der Frustration umgehen müssen, die aus den vielen Absagen resultiert. Es ist für die Schülerinnen und Schüler darum sehr hilfreich, wenn sie mit diesen Erfahrungen nicht allein gelassen werden. Das Personal der KAUSA Servicestelle hilft, die Absagen in einen passenden Kontext zu stellen. Die Jugendlichen lernen verstehen, wie Auswahlprozesse in Organisationen ablaufen, und dass Absagen kein Zeichen für individuelles Versagen sind. Dazu trägt auch die Erfahrung bei, dass es den anderen ähnlich ergeht. Die unterstützende Gruppe sorgt dafür, dass selbst nach 20 Absagen der Mut nicht verloren geht und weitere Bewerbungen verschickt werden.

Hilfe, wenn Deutsch nicht die Familiensprache ist

Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund müssen oft ohne die Hilfe ihrer Eltern auskommen, wenn sie sich auf eine Ausbildungsstelle bewerben, da diese die deutsche Sprache häufig nicht ausreichend beherrschen. Ihnen fehlt zu Hause auch eine Unterstützung, die ihnen hilft, mit zahlreichen Absagen umzugehen. Hier kommt der Bewerbungs-AG ein ganz besondere Bedeutung zu.

Problem Online-Bewerbungsportale

Als besonders schwierig werden Online-Bewerbungsverfahren über die Ausbildungsportale großer Firmen erlebt. Hier hat jede Firma einen anderen Bewerbungsprozess, bei dem die Jugendlichen intensiv und individuell unterstützt werden müssen, um keine Fehler zu machen.

"Man muss auch Frustration aushalten und darf sich nicht entmutigen lassen."
Ralph Kersten

 

Vorstellungsgespräche und Einstellungstests

In der Bewerbungs-AG werden auch Vorstellungsgespräche und Einstellungstests geübt. Um die Mobilität der Jugendlichen für das Vorstellungsgespräch sicherzustellen, werden die verschiedenen Hilfsangebote der KAUSA-Servicestelle genutzt. Außerdem gibt es praktische Hilfen zum Vertragsabschluss. Von den 57 teilnehmenden Schülerinnen und Schülern haben bisher 29 entweder eine feste mündliche Zusage für einen Ausbildungsplatz oder einen Platz für eine Einstiegsqualifizierung (EQ) erhalten oder bereits einen Vertrag unterschrieben.

Laufzeit der AG

Die AG läuft noch bis zum Ende des Schuljahres 2016/2017. Schüler, die eine Ausbildung gefunden haben, scheiden aus der AG aus. Neue Schüler kommen laufend dazu. Die KAUSA Servicestelle wird eine genaue Auswertung der AG am Ende des Schuljahres durchführen. Eine erste anonym durchgeführte Befragung bei den teilnehmenden Schülerinnen und Schülern zeigt ein hohes Interesse, einen Ausbildungsplatz zu finden. Einen ersten Überblick zur Motivation sowie der persönlichen Unterstützungsbedarfe zeigen die Antworten auf erste Fragen nach einem Feedback der Teilnehmerinnen und Teilnehmer.

Eine erste anonym durchgeführte Befragung bei den teilnehmenden Schülerinnen und Schülern zeigt ein hohes Interesse, einen Ausbildungsplatz zu finden.

 

Rückmeldungen der Schülerinnen und Schüler

  • 94 Prozent der Teilnehmenden gaben an, durch die Bewerbungs-AG motivierter zu sein, sich zu bewerben.
  • 94 Prozent der Teilnehmenden gaben an, dass sie nur durch die Bewerbungs-AG in der Lage seien, sich gezielt bei mehreren Arbeitgebern zu bewerben.
  • 88 Prozent gaben an, durch die KAUSA-Servicestelle sei ihnen klargeworden, welche Ausbildungsmöglichkeiten für sie die richtigen seien.
  • 100 Prozent gaben an, dass sie durch die Bewerbungs-AG gut auf Einstellungstests und Vorstellungsgespräche vorbereitet sind.*

    *Quelle: Schulabgangsbefragung 2017 der Stadt Offenbach
Titelseite der Schulabgangsbefragung der Stadt Offenbach 2017
Die Schulabgangsbefragung wird in Offenbach seit 2009 regelmäßig durchgeführt.

Die Schulabgangsbefragung 2017 wurde vom Amt für Arbeitsförderung der Stadt Offenbach am Main, Regionale Koordination der Landesstrategie OloV, „Optimierung der lokalen Vermittlungsarbeit im Übergang Schule – Beruf“, in Auftrag gegeben und der Druck mit Mitteln aus OloV finanziert.

Der Bericht liefert einen Überblick über die beruflichen Perspektiven Offenbacher Schülerinnen und Schüler. Die Bestandsaufnahme soll punktuell erhobene Daten über Schülerströme in Ausbildung und weitere schulische beziehungsweise außerschulische Qualifizierung sowie zur Beurteilung der erhaltenen Berufsorientierung liefern. Eine entsprechende Erhebung wird seit 2009 regelmäßig durchgeführt.

Weitere Informationen

 
 
 

Schlagwörter

 

KAUSA Servicestelle

KAUSA Servicestelle
im Amt für Arbeitsförderung, Statistik und Integration
Christian-Pleß-Straße 11 - 13
63069 Offenbach

 

Projektteam

Team des Übergangsmanagements im Amt für Arbeitsförderung der Stadt Offenbach

Die KAUSA Servicestelle wird von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Übergangsmanagement im Amt für Arbeitsförderung betrieben.
V. l. n. r.: Isabel Greiner, Brigitte Kümbel, Susan Kazda, Ralph Kersten.
Bild: Stadt Offenbach

 

Dossier

Beratung und Begleitung

Mit richtiger Beratung und individueller Begleitung gelingt der Übergang Schule - Beruf auch in schwierigen Fällen.