27.01.2026 | Redaktion | IAB

Flexible Ausbildungsformate nutzen

IAB plädiert für mehr Engagement von Betrieben und jungen Menschen

Die aktuelle Situation am Ausbildungsmarkt vermittelt derzeit ein eher düsteres Bild: Während ein Drittel aller Ausbildungsstellen unbesetzt bleibt, finden viele Jugendliche keinen Zugang zu einer betrieblichen Ausbildung, Passungsprobleme setzen das Ausbildungssystem zunehmend unter Druck. Aus Sicht des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) könnten flexible Ausbildungsformate wie Teilzeitausbildung, Einstiegsqualifizierung und Assistierte Ausbildung hier hilfreich sein, sie werden jedoch bislang viel zu wenig genutzt, um Wirkung entfalten zu können.

Bild: goodluz/Adobe Stock

Die bereits bestehenden flexiblen Ausbildungsformate und individuellen Unterstützungsangebote könnten aus Sicht des IAB dazu beitragen, mehr jungen Menschen als bisher zu einem erfolgreichen Ausbildungsabschluss zu verhelfen – zumal die Zahl derjenigen wächst, die vor und während der Ausbildung auf besondere Unterstützung angewiesen sind, was sich auch in den seit Jahren steigenden Zahlen von Jugendlichen in Übergangsmaßnahmen widerspiegelt. Die verschiedenen Konzepte zur Flexibilisierung der dualen Ausbildung zielen ja nicht nur darauf ab, die Attraktivität der Ausbildung zu erhöhen, sondern zugleich auch den Zugang für Jugendliche mit besonderen Unterstützungsbedarfen zu verbessern.

Eine der bekanntesten Formen der Flexibilisierung ist die Möglichkeit, die Ausbildungsdauer zu verkürzen oder zu verlängern. Eine Verkürzung kann etwa beantragt werden, wenn angehende Auszubildende bereits ein (Fach-)Abitur oder einen anderen Ausbildungsabschluss haben. Eine Verlängerung kommt zum Beispiel infrage, wenn eine körperliche, geistige oder seelische Beeinträchtigung vorliegt. Durch sie soll sichergestellt werden, dass auch Menschen mit besonderen Lebensumständen ihre Ausbildung erfolgreich abschließen können. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, von Anfang an eine verkürzte zweijährige Ausbildung zu absolvieren. Im Anschluss kann ein nahtloser Übergang in einen sogenannten Fortsetzungsberuf mit vertiefter oder erweiterter Ausbildung erfolgen. Damit erhalten die zweijährigen Ausbildungsberufe einen modularen Charakter und eröffnen flexible Entwicklungspfade innerhalb des beruflichen Bildungssystems.

Instrumente für Jugendliche mit individuellen Problemlagen

Um jungen Menschen mit individuellen Problemlagen den Zugang zum Ausbildungs- und Arbeitsmarkt zu erleichtern, stehen vor allem zwei Förderinstrumente zur Verfügung: die Einstiegsqualifizierung (EQ) und die „Assistierte Ausbildung Flexibel“ (AsA Flex). Die EQ ist eine berufsvorbereitende Maßnahme, die Jugendlichen ermöglicht, über ein längeres Praktikum Erfahrungen im betrieblichen Arbeitsalltag zu sammeln. Unter bestimmten Voraussetzungen kann die absolvierte Zeit später auf eine reguläre Berufsausbildung angerechnet werden. Die AsA Flex geht darüber hinaus. Sie begleitet Jugendliche sowohl vor Beginn als auch während der Ausbildung intensiv durch individuelle Beratung und Coaching. Zielgruppe sind hier insbesondere junge Menschen, die während der Ausbildung absehbar zusätzliche Unterstützung benötigen.

"Die berufliche Bildung ist eine Investition in die Zukunft. Wer heute diese Anstrengungen und Kosten scheut, gefährdet die Chancen von morgen." – IAB

 

Eine weitere Form der Flexibilisierung ist die Ausbildung in Teilzeit. Sie wurde bereits 2005 gesetzlich verankert, ihr Potenzial der Teilzeitausbildung bleibt bislang aber weitgehend ungenutzt. Eine 2024 erschienene Studie von Alexandra Uhly und Frank Neises zeigt, dass lediglich rund 0,5 Prozent aller Neuabschlüsse im dualen System auf diese Form der Ausbildung entfallen. Vor allem für Personen mit Betreuungspflichten bietet dieses Modell dennoch eine attraktive Möglichkeit, Ausbildung und private Verpflichtungen besser miteinander zu vereinbaren.

Für beide Formate gilt: Sie helfen nur, wenn sie den Nutznießenden bekannt sind. Das IAB appelliert an Betriebe und junge Menschen, sich über diese Angebote zu informieren und auf dieser Basis die Entscheidung für oder gegen eine Ausbildung zu treffen. Sie sollten die relevanten Förderinstrumente und Flexibilisierungskonzepte kennen und verstehen. Die Betriebe sollten gezielter nach den zur Verfügung stehenden Hilfen und Förderangebote fragen und diese stärker als bisher in Anspruch nehmen. Für die jungen Menschen stehe insbesondere das Ausprobieren im Vordergrund, etwa durch Betriebspraktika oder das Wahrnehmen verschiedener Berufsorientierungsangebote.

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