07.01.2026 | Redaktion | KfW Research
Weniger Ausbildung im Mittelstand
KfW-Analyse zeigt Ansatzpunkte zur Stärkung der Berufsausbildung in KMU auf
Rund 90 Prozent aller Auszubildenden absolvieren ihre Ausbildung in einem mittelständischen Unternehmen. Doch immer mehr kleine und mittlere Unternehmen (KMU) ziehen sich aus der Ausbildung zurück. 2024 beschäftigten nur noch 9,1 Prozent von ihnen Auszubildende. Eine Analyse von KfW Research auf Grundlage des KfW-Mittelstandspanels 2025 identifiziert Ansatzpunkte, mit denen Unternehmen und das Bildungssystem die Ausbildung stärken, mehr Auszubildende gewinnen und langfristig den Fachkräftebedarf sichern können.
Von 2010 bis 2024 ist die Zahl der Auszubildenden laut KfW-Mittelstandspanel 2025 aufgrund des demografischen Wandels und sinkender Bewerbungszahlen um 19,3 Prozent gesunken. Dieser negative Trend scheint sich langfristig fortzusetzen, so die Analyse "Duale Berufsausbildung in Deutschland: Schlüssel zur Fachkräftesicherung trotz rückläufiger Ausbildungszahlen" der KfW Research. Dennoch bleibt die duale Berufsausbildung mit ihrer Verzahnung von betrieblicher Praxis und schulischer Bildung entscheidend für die Sicherung des Fachkräfte- nachwuchses, die Bewältigung wirtschaftlicher Transformationsprozesse und die Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen.
Ausbildungsangebot steigt mit Betriebsgröße
Zurzeit absolvieren 90 Prozent aller Auszubildenden ihre Ausbildung in mittelständischen Unternehmen, insbesondere in kleinen und mittleren Unternehmen (KMU mit maximal 249 Beschäftigten und weniger als 50 Millionen Umsatz), doch der Anteil ausbildender Betriebe sinkt seit 2022 deutlich. Die Gründe dafür liegen laut KfW Research in den Folgen der Corona-Pandemie, der Energiekrise, der Inflation und der insgesamt ungünstigen wirtschaftliche Lage. Für das Jahr 2025 erwarten die Studienverfasserinnen zwar eine Stabilisierung des Ausbildungsgeschehens, jedoch bildeten 2024 nur 9,1 Prozent der mittelständischen Unternehmen aus. Rund 80 Prozent der mittelständischen Unternehmen sind Kleinstbetriebe mit weniger als fünf Beschäftigten, von denen in der Regel nur ein Bruchteil ausbildet (3 Prozent im Jahr 2024). Knapp dreiviertel der Auszubildenden arbeiten in Betrieben mit mehr als 50 Beschäftigten. Da Ausbildung jedoch für alle Betriebe den Schlüssel zur Fachkräftesicherung darstellt, identifizieren die Studienverfasserinnen Ansatzpunkte zur Verbesserung der Ausbildungszahlen.
Vorschläge zur Förderung der dualen Berufsausbildung in KMU
Um dem demografischen Wandel sowie der zunehmenden Studienneigung junger Menschen entgegenzuwirken und auch Kleinstbetrieben verstärkt Ausbildung zu ermöglichen, empfiehlt die Studie von KfW Research:
- Verstärkte Integration ausländischer Jugendlicher in den Ausbildungsmarkt:
• Gezielte Sprachförderung
• Umfassende Beratung von Jugendlichen und Eltern mit Migrationshintergrund
• Praxisorientierte Förderangebote am Übergang von Schule in Ausbildung
• Förderung interkultureller Kompetenz in betrieblichen Auswahlverfahren und während der Ausbildung
• Unterstützung für leistungsschwächere Jugendliche in den Betrieben - Reform des schulischen Bildungswesens:
• Fokus auf die Vermittlung von Basiskompetenzen
• Mehr Handlungsspielraum für Schulen
• Effizientere Verwaltungs- und Föderalismusstrukturen - Anreize für (Kleinst-)Unternehmen:
• Ausbildungsboni für Unternehmen, die benachteiligte oder gering qualifizierte Jugendliche anstellen
• Unterstützung für Kleinstunternehmen durch finanzielle Förderung, Beratung und Entlastung von bürokratischen Hürden sowie die Ausweitung betrieblicher Ausbildungspartnerschaften - Vermeidung von Ausbildungsabbrüchen:
• Gezielte Informations- und Unterstützungsangebote
• Angebot außerschulischer Berufsorientierungsmaßnahmen
- Förderung der Durchlässigkeit zwischen Studium und Berufsausbildung:
• Informations- und Beratungsangebote für Studienabbrecher
• Anrechnung von Studienleistungen in der Berufsausbildung
Basierend auf Daten aus dem KfW-Mittelstandspanel veröffentlichte KfW Research die Analyse "Duale Berufsausbildung in Deutschland: Schlüssel zur Fachkräftesicherung trotz rückläufiger Ausbildungszahlen" im Dezember 2025. Autorinnen der Studie sind Kathrin Schmidt und Dr. Elisabeth Grewing. Das KfW-Mittelstandspanel erhebt seit 2003 als schriftliche Wiederholungsbefragung die Daten von bis zu 15.000 mittelständischen Unternehmen pro Jahr.