03.09.2026 | Redaktion
"Weckruf" zur Reform der Kinder- und Jugendhilfe
Caritas-Verbände warnen vor Gefährdung passgenauer Unterstützung
Das Bundeskabinett hat den Entwurf eines Gesetzes zur Strukturreform der Kinder- und Jugendhilfe verabschiedet. In einem "Weckruf" appellieren die Bundesverbände Caritas Kinder- und Jugendhilfe (BVkE) und Caritas Behindertenhilfe und Psychiatrie (CBP) an die Bundesregierung, zentrale Regelungen des Reformentwurfs zu überarbeiten. Aus ihrer Sicht könnten individuelle Hilfen zugunsten standardisierter Angebote zurückgedrängt werden. Dies gefährde eine passgenaue Unterstützung, besonders bei komplexen Bedarfen.

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Die Verbände warnen davor, infrastrukturellen Angeboten einen gesetzlichen Vorrang gegenüber individuellen Hilfen für Kinder, Jugendliche, junge Volljährige und ihre Familien einzuräumen: "Eine bedarfsgerechte, ganzheitliche Leistungserbringung wäre auf diese Weise nicht möglich." Ohne zeitnahe und tatsächlich bedarfsgerechte Hilfe könnten sich Problemlagen verfestigen.
BVkE und CBP teilen grundsätzlich die Einschätzung des Bundesfamilienministeriums (BMBFSFJ) zu den strukturellen Herausforderungen, vor denen die Kinder- und Jugendhilfe steht. Die Notwendigkeit von Reformen sei unbestritten. Entscheidend sei jedoch, welche Wirkung die vorgeschlagenen Regelungen entfalten werden. Die zentrale Frage laute daher: Verbessert die Reform die Lebens-, Entwicklungs- und Teilhabechancen junger Menschen?
Höhere gesellschaftliche Folgekosten
Die vorgesehenen Steuerungsinstrumente betreffen aus Sicht der Verbände insbesondere rechtsanspruchsgebundene Einzelfallhilfen, die Teilhabe ermöglichen, Entwicklung fördern und Kinder und Jugendliche schützen. Unter besonderen Steuerungs- und Konsolidierungsdruck gerieten damit ausgerechnet Hilfen und Leistungen, die für junge Menschen mit Behinderung und Familien in erheblich belasteten Lebenslagen von zentraler Bedeutung seien: "Kurzfristige Einsparungen in diesem Bereich sind nicht geeignet, um Kosten dauerhaft zu reduzieren. Sie verursachen langfristig höhere gesellschaftliche Folgekosten."
BVkE und CBP befürworten den Ausbau präventiver und inklusiver Infrastrukturen. Diese könnten Familien frühzeitig erreichen, Krisen vorbeugen und soziale Teilhabe fördern. Ihr Ausbau müsse jedoch zusätzlich und verlässlich finanziert werden. Er dürfe nicht zulasten individueller Hilfen oder bestehender Rechtsansprüche erfolgen.