20.10.2026
überaus live: Mentale Gesundheit junger Menschen stärken
Zusammenfassung des zweiten Online-Events
Wie können Fachkräfte die mentale Gesundheit junger Menschen am Übergang von der Schule in Ausbildung und Beruf stärken? Mit dieser Frage beschäftigte sich Özlem Tokyay von der Bundesarbeitsgemeinschaft Katholische Jugendsozialarbeit im zweiten Online-Event der Reihe "überaus live". Die Bundeskoordinatorin des Ende 2025 abgeschlossenen Modellvorhabens "Mental Health Coaches" stellte Erkenntnisse aus Studien sowie Erfahrungen aus der Präventionsarbeit an Schulen vor.
Tokyay spannte in ihrem Vortrag den Bogen von den aktuellen Belastungen Jugendlicher über die spezifischen Herausforderungen am Übergang Schule – Beruf bis hin zu den Erfolgsfaktoren des Modellprojekts. In der anschließenden Diskussion brachten etwa 75 Fachkräfte aus unterschiedlichen Arbeitsfeldern ihre Perspektiven ein.
Belastungen junger Menschen ernst nehmen

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Die im Vortrag vorgestellten Studien machen deutlich, wie stark Leistungsdruck, Schulstress, Einsamkeit und Zukunftsängste das Wohlbefinden junger Menschen beeinträchtigen. Hinzu kommen Sorgen angesichts gesellschaftlicher Krisen und wirtschaftlicher Unsicherheit. Gleichzeitig wünschen sich junge Menschen mehr Wissen über mentale Gesundheit, zugängliche Unterstützung und Möglichkeiten, ihren Alltag mitzugestalten.
Diese Themen spiegelten sich auch in den Rückmeldungen der Teilnehmenden wider. Sie nannten unter anderem Überforderung, Mobbing, Stress, Depressionen, Selbstzweifel und Orientierungslosigkeit.
Den Übergang in Ausbildung und Beruf begleiten
Diese Belastungen junger Menschen nahmen die Teilnehmenden von überaus live wahr.
Psychische Belastungen können den Bildungsweg erschweren. Fehlzeiten, Ängste oder depressive Episoden können Bildungsabschlüsse gefährden. In der Ausbildung kommen weitere Belastungen hinzu, etwa Leistungs- und Zeitdruck, ungünstige Arbeitszeiten oder lange Fahrtwege. Manche jungen Menschen sprechen ihre Schwierigkeiten aus Sorge vor Nachteilen nicht an, weil sie nicht als wenig belastbar wahrgenommen werden möchten. Tokyay plädierte daher dafür, Hilfsangebote stets eng an den tatsächlichen Lebensbedingungen der Jugendlichen auszurichten.
Eine gelingende Ausbildung kann zugleich stabilisieren. Sie eröffnet wirtschaftliche Perspektiven, fördert die soziale Integration und vermittelt spürbare Selbstwirksamkeit.
Erfahrungen aus dem Modellvorhaben Mental Health Coaches
Die Mental Health Coaches unterstützten junge Menschen mit präventiven Gruppenangeboten an Schulen. Ziel war es, das Wohlbefinden und die eigenen Ressourcen zu stärken, Hemmungen beim Sprechen über psychische Belastungen abzubauen und regionale Hilfsangebote bekannt zu machen. Die Fachkräfte stellten keine Diagnosen und boten keine Therapie an, sondern vermittelten bei weitergehendem Unterstützungsbedarf in geeignete Hilfestrukturen.
Die Angebote orientierten sich an den konkreten Bedürfnissen der jungen Menschen und wurden im Austausch mit ihnen und den schulischen Akteuren entwickelt. Als besonders hilfreich beschrieb Tokyay feste Ansprechpersonen, kontinuierliche Begleitung und die Zusammenarbeit mit Schulleitungen, Lehrkräften, Schulsozialarbeit sowie externen Fachstellen. Die Evaluationsergebnisse untermauern diesen Ansatz und zeigen eine hohe Akzeptanz bei Schulen, Schülerinnen und Schülern. Zugleich reichten die personellen Ressourcen nicht aus, um den Unterstützungsbedarf zu decken.
Besonders hilfreich sind feste Ansprechpersonen, die kontinuierliche Begleitung junger Menschen und die Zusammenarbeit mit Schulleitungen, Lehrkräften, Schulsozialarbeit sowie externen Fachstellen.
Prävention verlässlich verankern
Befristete Projektlaufzeiten, unsichere Finanzierung und hoher Verwaltungsaufwand erschwerten die Arbeit der Mental Health Coaches. Kooperationen mit Schulen und der Aufbau vertrauensvoller Beziehungen benötigen Zeit. Wenn Angebote enden, ohne dass eine weitere Begleitung gesichert ist, können gewachsene Kontakte und Vertrauen verloren gehen.
Tokyay sprach sich deshalb dafür aus, Prävention dauerhaft als Aufgabe in Schule, Ausbildung und Jugendhilfe zu verankern. Bildungs-, Jugend-, Gesundheits- und Sozialpolitik sollten stärker zusammenarbeiten und Hilfen auch über institutionelle Grenzen und Übergänge hinweg zugänglich machen. Dabei sollten junge Menschen mitentscheiden können, welche Unterstützung sie benötigen und wie Angebote gestaltet werden. Auch die Qualifizierung von Lehrkräften und Ausbildenden müsse stärker berücksichtigt werden.
Fazit
In der abschließenden Diskussion wurden Aspekte wie Prüfungsangst, Schulabsentismus, die Rolle der Eltern oder der Unterstützungsbedarf von Ausbildenden thematisiert. Dabei wurde bei all diesen Themen die Bedeutung der Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Einrichtungen und Akteuren sowie präventiver Maßnahmen hervorgehoben.
Der Austausch machte deutlich, wie eng psychische Gesundheit, Lernbedingungen und berufliche Perspektiven miteinander verbunden sind. Fachkräfte können junge Menschen unterstützen, indem sie ihre Schwierigkeiten ernst nehmen und zur Verfügung stehen. Damit diese Begleitung erfolgreich ist, sind ausreichend Zeit, qualifiziertes Personal, eine kontinuierliche Finanzierung und eine koordinierte Zusammenarbeit erforderlich.
Weitere Informationen
Wenn Sie am "überaus live"-Event teilgenommen haben, finden Sie im geschlossenen Bereich weitere Materialien zur Dokumentation der Veranstaltung.
Zum Event im geschlossenen Bereich
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