28.09.2026 | Redaktion | BAG KJS
Schulabsentismus verstehen und bekämpfen
Positionspapier der Bundesarbeitsgemeinschaft Katholische Jugendsozialarbeit
Schulabsentismus gefährdet die schulische Entwicklung und die berufliche Zukunft von Kindern und Jugendlichen. Die Bundesarbeitsgemeinschaft Katholische Jugendsozialarbeit (BAG KJS) fordert in einem Positionspapier die Verantwortlichen im Bund, in den Ländern und den Kommunen dazu auf, den überall in Deutschland und in allen Schularten zunehmenden Schulabsentismus entschiedener als bisher zu bekämpfen. Das Thema müsse sichtbar gemacht und die Prävention gestärkt werden. Politik, Schule sowie Jugendhilfe müssten gemeinsam Verantwortung übernehmen.

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Zugänge zum Lern- und Lebensort Schule und damit zur sozialen Teilhabe sind wichtige Voraussetzungen, damit junge Menschen ihre Zukunft selbstbestimmt gestalten können. Gleichzeitig zeigt sich, dass eine wachsende Zahl junger Menschen Schwierigkeiten hat, dauerhaft am schulischen Leben teilzuhaben. Deutlich wird das auch an der seit 2014 gestiegenen Zahl junger Menschen ohne einen Schulabschluss: 5,8 Prozent auf 8 Prozent gemäß Nationalem Bildungsbericht 2026. Laut PISA 2022 fehlten 21 Prozent der 15-Jährigen in den zwei Wochen vor der Befragung mindestens einmal im Unterricht, 5 Prozent regelmäßig.
Armut, familiäre Herausforderungen, psychische Belastungen, Diskriminierung, Mobbing oder fehlende Unterstützungssysteme können ebenso eine Rolle spielen wie fehlende Zugehörigkeit und belastende Erfahrungen im schulischen Alltag. Die Folgen reichen weit über einzelne Fehlzeiten hinaus: Schulabsentismus kann Bildungswege gefährden, Übergänge erschweren und gesellschaftliche Teilhabe langfristig beeinträchtigen.
Verbindliche Verantwortungsgemeinschaften
Der 17. Kinder- und Jugendbericht macht aus Sicht der BAG KJS deutlich, dass komplexe Problemlagen nur durch verbindliche Verantwortungsgemeinschaften bearbeitet werden können. Drei zentrale Bausteine sehen die Autorinnen und Autoren des Positionspapiers als notwendig an:
- Schulabsentismus sichtbar machen und als politisches Handlungsfeld anerkennen durch bundesweit einheitliche Verfahren zur Erfassung und Analyse von Fehlzeiten in den Schulen.
- Prävention stärken – Jugendsozialarbeit und Schulsozialarbeit ausbauen und absichern, damit junge Menschen und ihre Familien frühzeitig, niedrigschwellig und bedarfsgerecht unterstützt werden.
- Verantwortung gemeinsam wahrnehmen – Schule weiterentwickeln und multiprofessionelle Kooperation systematisch umsetzen, indem die Zusammenarbeit von Schule, Jugendhilfe, Eltern und weiteren Unterstützungssystemen verbindlich ausgestaltet und langfristig abgesichert wird.
Schulabsentismus ist aus Sicht der BAG KJS nicht nur das Fernbleiben vom Unterricht. Die Frage sei vielmehr, ob es gelingt, allen jungen Menschen Zugang zu Bildung, Anerkennung und gesellschaftlicher Teilhabe zu ermöglichen. Ein wirksamer Umgang mit Schulabsentismus setze früher an: bei der Gestaltung von Schulen als Orte des Wohlbefindens, der Zugehörigkeit und der Beteiligung: "Junge Menschen bleiben dort erreichbar, wo sie verlässliche Beziehungen erleben, Unterstützung erfahren und sich als Teil der Gemeinschaft fühlen." Dafür brauche es eine konsequente Präventionsorientierung, dauerhaft abgesicherte Jugendsozialarbeit und Schulsozialarbeit sowie verbindliche multiprofessionelle Kooperationen.