25.01.2012

Berufsabschluss als Eisenbahner/in im Betriebsdienst

Ein Praxisbericht über das Projekt Move it

von Petra Lippegaus-Grünau

Wer morgen gut qualifiziertes Personal braucht, muss heute neue Wege gehen. Wie diese aussehen können, zeigt das Beispiel von DB Training, der Aus- und Weiterbildungseinrichtung der Deutschen Bahn, die mit flexiblen modularen Konzepten Un- und Angelernte als Fachkräfte von morgen anspricht. Das Nachqualifizierungsprojekt bietet Beschäftigten, aber auch Arbeitssuchenden Qualifizierungen mit guten Beschäftigungschancen im Verkehrsbereich. Die einzelnen Module enden mit einer Prüfung, können kombiniert werden und führen über Praxiserfahrungen und eine Externenprüfung zum Berufsabschluss.

Nachqualifizierung zur Deckung des Fachkräftebedarfs

Wie viele Unternehmen spürt auch die Deutsche Bahn, dass es zunehmend schwieriger wird, den eigenen Fachkräftebedarf zu decken. Zwar bildet der DB-Konzern rund 6.000 junge Menschen aus, die Ausbildungsverantwortlichen der verschiedenen Geschäftsfelder stehen aber vor der Herausforderung, auch zukünftig geeignete Auszubildende zu gewinnen.

Bild: DB Mobility Logistics AG

Daher setzt der DB-Konzern auf ganz unterschiedliche Rekrutierungsmaßnahmen. In der Ausbildung geht er auf Gruppen zu, die innerhalb des Unternehmens bisher nicht für eine Ausbildung in Frage kamen und bietet z. B. seit mehreren Jahren Einstiegsqualifizierungen an.

Ein weiterer Weg zur Deckung von Fachkräftebedarfen  ist die Nachqualifizierung. Das Projekt trägt die Bezeichnung "Move it - auf dem Weg zum Berufsabschluss im Verkehrsmarkt" und deckt am Standort Mannheim das Gebiet Rhein-Neckar ab und am Standort Köln den Großraum Rhein-Sieg. "Move it" ist Bestandteil der Förderinitiative "Abschlussorientierte modulare Nachqualifizierung", einer von zwei Förderschwerpunkten im Programm "Perspektive Berufsabschluss" des Bundesministeriums für Bildung und Forschung.

Qualifizierung "On the job"

"Move it" wendet sich zum einen an Un- und Angelernte, die bereits in Unternehmen, zum Beispiel in einem Eisenbahnverkehrsunternehmen arbeiten, aber keinen Berufsabschluss haben. So ist beispielsweise für die Tätigkeiten als Fahrdienstleiter oder Kundenbetreuer im Nahverkehr eine abgeschlossene Berufsausbildung nicht notwendig. In fundierten, sogenannten Funktionsausbildungen werden die notwendigen Kenntnisse und Kompetenzen vermittelt. Dabei handelt es sich um Qualifizierungen "On the job", direkt für die jeweilige Tätigkeit.

"Move it" wendet sich zudem an Arbeitssuchende mit einschlägigen beruflichen (Vor-) Erfahrungen, die aus verschiedenen Gründen nicht mehr für eine Erstausbildung im dualen System in Frage kommen. "Eine Umschulung hat sich für diese Teilnehmer u. a. auf Grund der langen Dauer nicht immer als geeignet und flexibel genug erwiesen." sagt Jürgen Laubersheimer, Produktmanager bei DB Training, dem Beratungs- und Qualifizierungsanbieter des DB-Konzerns und für das Nachqualifizierungsprojekt verantwortlich.

In beiden Fällen baut die Qualifizierung auf bereits bestehenden Kompetenzen auf und kann gleichzeitig zum Berufsabschluss als Eisenbahner/in  im Betriebsdienst führen. Als anerkannter Berufsabschluss sichert er die Beschäftigungsfähigkeit der Mitarbeiter als Fachkraft langfristig.

Das modulare Konzept ermöglicht flexible und vor allem durchlässige Bildungswege - sie bieten Antworten auf individuelle Qualifizierungsbedürfnisse, aber auch auf die Bedürfnisse des Arbeitsmarktes.

 

Die Antwort des Projekts "Move it" auf den Fachkräftebedarf lautet modulare Nachqualifizierung. Der Beruf "Eisenbahner im Betriebsdienst, Spezialisierung Fahrweg" wurde in einzelne Module gegliedert. Entstanden sind so fünf Ausbildungsmodule, die "Funktionsausbildungen"; neben dem Fahrdienstleiter heißen sie Bremsprobeberechtigter, Wagenprüfer, Kundenbetreuer im Nahverkehr und Rangierbegleiter. Gemeinsam mit Praxiserfahrungen bilden sie die Inhalte des Berufs "Eisenbahner im Betriebsdienst" ab. Der Berufsabschluss ist das Ziel. Kann aber dieses Ziel nicht erreicht werden, so haben auch diese Module einen Stellenwert am Arbeitsmarkt und verbessern die Beschäftigungschancen. Wer ein Modul mit einem Zertifikat abgeschlossen hat, kann die erworbenen Erkenntnisse im weiteren Arbeitsprozess vertiefen und weitere Module absolvieren. Diejenigen, die alle erforderlichen Module absolviert haben und ausreichende Praxiserfahrungen gesammelt haben, können durch die Externenprüfung den Ausbildungsabschluss erwerben. Bei der Vorbereitung auf die Prüfung unterstützt sie ein sechster Baustein "Wirtschafts- und Sozialkunde incl. Prüfungsvorbereitung".

Flexible und durchlässige Bildungswege

Die Besonderheit bei dem modularen Konzept sieht Laubersheimer darin, dass es sich hier nicht nur um eine didaktische Gliederung handelt. In einem aufwendigen Prozess haben bei der Deutschen Bahn Expertinnen und Experten beraten, wie ein Modulkonzept zum Berufsabschluss führen und gleichzeitig arbeitsmarktverwertbare Module enthalten kann. Dieses modular gestaltete Berufsbild ist für den DB-Konzern, aber auch für andere Verkehrsunternehmen interessant.

Das modulare Konzept ermöglicht flexible und vor allem durchlässige Bildungswege - sie bieten Antworten auf individuelle Qualifizierungsbedürfnisse, aber auch auf die Bedürfnisse des Arbeitsmarktes.

Das Projekt hat im vierten Quartal 2010 begonnen. Bislang wurden in den beiden Regionen fünf Lehrgänge zum Fahrdienstleiter und ein Lehrgang zum Kundenbetreuer im Nahverkehr durchgeführt. Die weiteren Module werden sukzessive umgesetzt.

Gewonnen werden die Teilnehmer/innen durch Werbung, durch eigene Motivation und durch gezielte Ansprache der Vorgesetzten, wenn sie sehen, dass bei einer Mitarbeiterin oder einem Mitarbeiter mehr Potenzial vorhanden ist bzw. dass sie jemanden besser und qualifizierter einsetzen könnten. Parallel dazu sprechen Arbeitsagenturen und Jobcenter gezielt ihre Kunden an. Sie können die Qualifizierung unterstützen, wenn die individuellen Voraussetzungen vorliegen. Die Qualifizierungsmodule sind nach der AZWV  Anerkennungs- und Zulassungsverordnung Weiterbildung zertifiziert. Die Interessierten werden zu Beginn durch Qualifizierungsberater/innen von DB Training beraten, diese bilden auch ein Bindeglied in der Kommunikation der beteiligten Akteure wie der IHK, der Arbeitsagenturen, der Jobcenter, der Unternehmensnetzwerke und der Fachkräfte suchenden Eisenbahnverkehrsunternehmen.

Neue Instrumente der Nachqualifizierung

Das Projekt wird gefördert im Rahmen des Programms "Perspektive Berufsabschluss" in der Förderinitiative "Abschlussorientierte modulare Nachqualifizierung" des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF). Der Förderschwerpunkt basiert auf der Erkenntnis, dass es bislang keine adäquaten Strukturen für die Nachqualifizierung in Deutschland gibt und will nachhaltige Rahmenbedingungen dafür schaffen. Das Projekt von DB Training ist ein anschauliches Beispiel für die Umsetzung der zentralen Erfolgsfaktoren und Qualitätsstandards:

  • Es teilt die Ausbildungsinhalte in Module mit berufsbezogenen Kenntnissen, Fertigkeiten und Fähigkeiten auf, überprüft und zertifiziert sie einzeln.
  • Es orientiert sich am Bedarf des Verkehrsmarktes.
  • Es verknüpft Lernen und Arbeiten, da es zum großen Teil im Betrieb stattfindet. Hinzu kommen strukturierte Lerneinheiten beim Bildungsträger.
  • Es eröffnet die Möglichkeit, über die Zulassung zur Externenprüfung einen Berufsabschluss zu erreichen.

Projektleiter Jürgen Laubersheimer von DB Training sieht es im Einklang mit der Förderinitiative "Abschlussorientierte modulare Nachqualifizierung" des BMBF als wichtige Aufgabe an, in Deutschland neue Instrumente der Nachqualifizierung zu etablieren und auszubauen - auch wenn bei jungen Leuten die duale Ausbildung immer Vorrang haben muss. Die Zusammenarbeit im Rahmen des Programms bietet nach seinen Erfahrungen für  den Entwicklungsprozess eine Reihe von hilfreichen Impulsen und Anregungen durch Workshops, Regionaltreffen, Austausch und die wissenschaftliche Begleitung.

DB Training versteht - so Laubersheimer - die Förderinitiative als Einstieg in die Regelaufgabe Nachqualifizierung. Die Weichen dafür sind gestellt.

Weitere Informationen

  • Website der DB Training
    DB Training, die Bildungseinrichtung der Bahn, beteiligt sich mit zwei identisch ausgerichteten Projekten in Köln und Mannheim an dem Programm Perspektive Berufsabschluss.
 
 
 

Kontakt

Jürgen Laubersheimer
Förderung beruflicher Bildung

DB Mobility Logistics AG
DB Training, Learning & Consulting
Solmsstraße 18
60486 Frankfurt

 

Über die Autorin

Prof. Dr. Petra Lippegaus-Grünau lehrt an der Fachhochschule des Mittelstandes in Bielefeld. Zuvor war sie als Wissenschaftliche Mitarbeiterin des BIBB Projektsprecherin im Good Practice Center.