02.09.2026 | Redaktion | Bertelsmann Stiftung

Mentale Gesundheit von Auszubildenden stärken

Studie der Bertelsmann Stiftung und des Instituts der deutschen Wirtschaft

Der Erfolg einer Ausbildung hängt neben der Qualität der vermittelten Inhalte und den individuellen Kompetenzen auch von der mentalen Gesundheit junger Menschen ab. Wie eine neue Studie der Bertelsmann Stiftung und des Instituts der deutschen Wirtschaft zeigt, können psychische Belastungen den Ausbildungserfolg erheblich gefährden. Werden Belastungen früh erkannt und Auszubildende gezielt unterstützt, kann es gelingen, Ausbildungsabbrüche zu vermeiden, berufliche Perspektiven junger Menschen zu sichern und die Nachwuchskräfte in den Unternehmen zu halten.

Copyright Informationen anzeigenTitelseite der Studie
Titelseite der Studie

Eine kombinierte Befragung unter Auszubildenden und Unternehmen ergab, dass sich knapp 20 Prozent der befragten Auszubildenden durch ihre Ausbildung fast immer oder häufig emotional belastet fühlen. Frauen sind davon häufiger betroffen als Männer. Insgesamt berichten rund 15 Prozent und damit jede(r) siebte Auszubildende von einem besorgniserregend schlechten Wohlbefinden. Fast drei Viertel (74 Prozent) der Auszubildenden mit stark eingeschränktem Wohlbefinden denken darüber nach, ihre Ausbildung abzubrechen. Bei jungen Menschen mit stabilem Wohlbefinden sind es lediglich 12 Prozent. Die Auszubildenden, die bereits eine Ausbildung abgebrochen oder darüber nachgedacht haben, nennen als Grund dafür am häufigsten psychische Belastungen.

Psychische Belastungen sind ein nicht zu unterschätzender Risikofaktor, für die Betriebe ebenso wie für Auszubildende: 62 Prozent der befragten Unternehmen sagen, dass dadurch die Produktivität der Auszubildenden beeinträchtigt sei. Kommt es zu einem Ausbildungsabbruch, steigt für die jungen Menschen das Risiko, langfristig ohne Berufsabschluss zu bleiben. Für die Unternehmen gehen Nachwuchskräfte und bereits investierte Ressourcen verloren – im Schnitt schätzungsweise rund 20.000 Euro je Ausbildungsabbruch. "Es liegt daher im ureigenen Interesse der Unternehmen, psychische Belastungen ernst zu nehmen und entsprechende Unterstützung zu organisieren", sagt Fabian Schaffer, Experte für berufliche Bildung bei der Bertelsmann Stiftung.

Offener Umgang mit Problemen ist wichtig

Viele der befragten Unternehmen bieten bereits Sport- und Präventionskurse, Schulungen und Trainings zu Themen wie Stressmanagement an oder stellen interne Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner für belastete Auszubildende bereit. Allerdings sind solche Angebote in kleinen und mittleren Betrieben deutlich seltener vorhanden als in Großunternehmen mit mindestens 250 Beschäftigten. Zudem weiß nur jeweils etwas mehr als ein Drittel der Auszubildenden von den einzelnen Unterstützungsangeboten in der eigenen Ausbildung. Erschwerend kommt hinzu, dass 35 Prozent der Auszubildenden mentale Belastungen nicht ansprechen, weil sie dadurch Nachteile für sich befürchten.

Die Autorinnen und Autoren der Studie empfehlen den Betrieben, einen offenen Umgang mit mentaler Gesundheit in der Ausbildung zu fördern und Präventionsangebote für Auszubildende auszubauen und bekannter zu machen. Vor allem kleine und mittlere Unternehmen benötigen dafür externe Unterstützung. Ausbildungsbetriebe sollten ihre Mitarbeitenden ermuntern, Probleme offen anzusprechen und gemeinsam Lösungen finden, bevor es zu Konflikten oder gar zu einem Ausbildungsabbruch kommt. Dazu empfehlen sie entsprechende Weiterbildungsmaßnahmen für das Ausbildungspersonal.

Die Förderung der mentalen Gesundheit ist aus Sicht der Autorinnen und Autoren eine Aufgabe für alle Akteure der beruflichen Bildung. Schulen können junge Menschen frühzeitig in ihrer Persönlichkeit stärken. Berufsschulen und Betriebe sollten Belastungen schneller erkennen und gemeinsam reagieren. Kammern, Sozialpartner, Bildungsträger und Beratungsstellen können insbesondere kleine und mittlere Unternehmen unterstützen. Die Politik sollte verlässliche Rahmenbedingungen schaffen und den Zugang zu Prävention und Beratung erleichtern.

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