25.03.2026 | Redaktion | Trendstudie "Jugend in Deutschland"

Mehr Druck, weniger Hoffnung

Trendstudie "Jugend in Deutschland 2026" ist erschienen

Der Druck auf die junge Generation nimmt angesichts wirtschaftlicher Krise, hoher Wohnkosten und Unsicherheit bei der beruflichen Zukunft weiter zu. Zugleich erreicht der Anteil junger Menschen, die angeben, psychologische Unterstützung zu benötigen, mit 29 Prozent einen neuen Höchstwert. Die neue Trendstudie "Jugend in Deutschland" von Simon Schnetzer, Kilian Hampel und Nina Kolleck zeichnet ein düsteres Bild von der Lage der 14- bis 29-Jährigen. Zwar bleibt ihre Leistungsbereitschaft weiter hoch, es wachsen jedoch ihre Zweifel, ob sich Leistung in Deutschland noch lohnt.

Bild: wildworx/Adobe Stock

"Die junge Generation in Deutschland steht unter Druck – und bleibt dennoch bemerkenswert hoffnungsvoll." So lautete unsere Zusammenfassung der Jugendstudie 2025. Nun zeigt sich: Der Druck hat weiter zugenommen, die Hoffnung auf Besserung hält offenbar nicht mehr mit. Die Studie, bei der Klaus Hurrelmann erstmals nicht als Co-Autor mitgewirkt hat, sondern nur noch beratend tätig war, konstatiert: Viele junge Menschen wenden sich als Reaktion auf die anhaltenden globalen Krisen den politischen Rändern zu oder denken sogar daran, Deutschland zu verlassen. "Die Ergebnisse der Trendstudie zeigen auf dramatische Weise, wie sehr die Belastungen der letzten Jahre den jungen Menschen zusetzen – in Form von Stress, Erschöpfung und wachsender Perspektivlosigkeit", betont Studienleiter Simon Schnetzer.

Trotz der schwierigen Lage bleibt die Leistungsbereitschaft der jungen Generation hoch. Die große Mehrheit ist bereit, zu arbeiten und Verantwortung zu übernehmen. Gleichzeitig wachsen jedoch Zweifel, ob sich Leistung in Deutschland noch lohnt. Gerade in der Arbeitswelt zeigen sich bemerkenswerte Verschiebungen: Aufgrund wirtschaftlicher Unsicherheiten und des voranschreitenden Einflusses von KI bewerten junge Menschen ihre beruflichen Chancen deutlich schlechter als noch zuvor. Dies führt auch dazu, dass die berufliche Ausbildung gegenüber einem Studium deutlich an Attraktivität gewinnt. Viele junge Menschen setzen stärker auf praxisnahe Qualifikationen und sichere Berufsperspektiven, weil die Sorge vor Arbeitslosigkeit zunimmt.

Mehr Beteiligung für junge Menschen

Parallel zur wachsenden wirtschaftlichen Unsicherheit verschärft sich die politische Polarisierung unter jungen Menschen. Die Studie zeigt eine deutliche Verschiebung hin zu den politischen Rändern. Die Linke ist derzeit die beliebteste Partei unter jungen Menschen (Sonntagsfrage: 25 Prozent), besonders unter jungen Frauen. Gleichzeitig gewinnt die AfD vor allem bei jungen Männern an Zustimmung. Damit öffnet sich eine immer stärkere politische Kluft zwischen den Geschlechtern. Junge Frauen orientieren sich zunehmend an linken politischen Positionen, während junge Männer überdurchschnittlich häufig Parteien am rechten Rand unterstützen.

Für den Jugendforscher Klaus Hurrelmann zeigt die Studie vor allem eines: Die junge Generation fühlt sich in gesellschaftlichen Zukunftsfragen zu wenig beteiligt. Um das Vertrauen der jungen Generation zurückzugewinnen, plädiert er für neue Formen der gesellschaftlichen und politischen Beteiligung in Form von Generationendialogen zu allen kritischen Fragen, die in der Studie von den jungen Menschen aufgerufen werden. Das Ziel müsse sein, der jungen Generation mehr Vertrauen und mehr Verantwortung zu geben, und damit die Leistungsbereitschaft zu stärken, die viele von ihnen weiterhin deutlich artikulieren.

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