28.10.2026 | Redaktion | UNICEF

Mangelnde Investitionen verursachen hohe Kosten

Neues Gutachten des IW im Auftrag von UNICEF Deutschland

Kinderarmut und fehlende Bildungs- und Teilhabechancen tragen nicht nur dazu bei, dass in Deutschland weiter über eine Million Kinder unter schwierigen Bedingungen aufwachsen müssen. Sie kommen auch die öffentlichen Haushalte teuer zu stehen. Das belegt ein neues Gutachten des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) im Auftrag von UNICEF Deutschland. Konkret zeigen die modellhaften Berechnungen: Ein Kind, das in Armut aufwächst, trägt im Laufe seines Lebens zu den öffentlichen Haushalten etwa 216.500 Euro weniger bei als ein Kind, das diese Einschränkungen nicht erfährt.

Copyright Informationen anzeigenVier Kinder malen auf Papierbögen, die in einer Kita vor ihnen auf dem Boden liegen

Der Staat gibt für alle Menschen in Deutschland über den gesamten Lebensverlauf hinweg Geld aus, zum Beispiel für Kitas, Schulen, Ausbildungsstätten, Universitäten, Krankenversicherungen oder Leistungen wie das Kindergeld. Zugleich nimmt der Staat auch Geld ein, beispielsweise durch die Steuern, wie die Einkommens- oder Konsumsteuern oder Sozialabgaben. Das Institut der deutschen Wirtschaft hat in dem Gutachten "Ökonomische Effekte der Deprivation von Kindern und Jugendlichen" nun für UNICEF Deutschland erstmals untersucht, ob und wie sich fehlende Bildungs- und Teilhabechancen auf die Einnahmen und Ausgaben des deutschen Staates auswirken.

Die fiskalische Bilanz fällt in dieser modellhaften Analyse sehr unterschiedlich aus: Im Durchschnitt trägt ein Kind in Deutschland unter Einschluss der Effekte bei den Eltern über sein gesamtes Leben hinweg 301.900 Euro mehr zu den öffentlichen Haushalten bei, als diese über das Leben hinweg für das Kind ausgeben. Je nach Chancen für einen erfolgreichen Bildungsweg und gesundes Aufwachsen kann die Bilanz jedoch stark im Plus oder deutlich im Minus liegen. Das liegt daran, dass die Kinder im Lebensverlauf beispielsweise unterschiedlich hohe Einkommenssteuern zahlen, Leistungen der Krankenversicherung oder Transferleistungen beziehen.

Bildungsweg entscheidet über Zukunftschancen

Der Bildungsweg entscheidet maßgeblich über die Zukunftschancen eines Kindes und damit auch über seinen langfristigen Beitrag zu den öffentlichen Haushalten. In Deutschland hängt der Bildungserfolg jedoch weiterhin stark vom sozioökonomischen Hintergrund des Elternhauses ab. Die Analyse zeigt: Staatliche Maßnahmen, die dafür sorgen, dass möglichst jeder junge Mensch einen Schulabschluss schafft und einen Berufsweg einschlägt sowie die körperliche und mentale Gesundheit von Kindern und Jugendlichen wirksam gestärkt wird, sind ein großer Hebel. Langfristig bringen sie erhebliche Vorteile für die öffentlichen Haushalte.

"Wir müssen aufhören, Ausgaben für Kinder nur als Kosten zu betrachten – wir sollten sie als dringend nötige Investitionen sehen", betont Graf Waldersee, Vorsitzender von UNICEF Deutschland. "Jedes Kind hat ein Recht auf Bildung, Gesundheit und ein gutes Aufwachsen. Das ist in der UN-Kinderrechtskonvention klar verankert. Unser Gutachten zeigt: In Kinder zu investieren, und zwar gezielt in die besonders benachteiligten Kinder, ist nicht nur eine Frage der Gerechtigkeit, sondern auch ökonomisch einfach vernünftig."

Weitere Informationen