15.10.2026 | Redaktion  | Leibniz-Institut für Bildungsverläufe

Jugendliche mit Hauptschulabschluss unterschätzt

Analyse des LIfBi auf Basis des Nationalen Bildungspanels

Viele Betriebe suchen dringend Auszubildende und passende Nachwuchskräfte. Gleichzeitig verlässt rund jeder vierte Jugendliche die Schule mit höchstens einem Hauptschulabschluss und hat oft Schwierigkeiten, einen Ausbildungsplatz zu finden. Eine Auswertung des Leibniz-Instituts für Bildungsverläufe (LIfBi) von Daten des Nationalen Bildungspanels (NEPS) zeigt: Die Gruppe der Jugendlichen mit maximal Hauptschulabschluss ist deutlich heterogener als lange angenommen – viele verfügen über vergleichbare Kompetenzen und Stärken wie Gleichaltrige mit mittlerem Abschluss.

Copyright Informationen anzeigenEine Gruppe von Schülerinnen und Schüler auf einem Schulhof

Hohe Schulabschlüsse sind heute mehr denn je die Schlüssel für eine erfolgreiche berufliche Laufbahn. Umso stärker benachteiligt sind Jugendliche, die das Schulsystem ohne oder mit maximal einem Hauptschulabschluss verlassen. Sie haben oftmals Schwierigkeiten, einen Ausbildungsplatz zu finden und nehmen häufiger an berufsvorbereitenden Maßnahmen teil. Nicht selten wird unterstellt, dass Jugendliche mit maximal Hauptschulabschluss Kompetenzdefizite aufweisen. Ein erheblicher Teil von ihnen erreicht jedoch im Bereich Mathematik- und Lesekompetenz ebenso hohe Werte wie Jugendliche mit einem mittleren Bildungsabschluss. Dieses Bild zeigt sich auch bei Persönlichkeitsmerkmalen wie prosozialem Verhalten oder Gewissenhaftigkeit.

Die Autorinnen des Transferberichts zeigen, dass diese individuellen Stärken zu oft unerkannt bleiben und in beruflichen Auswahlprozessen im Vergleich zur Wahrnehmung des Schulabschlusses nicht ausreichend berücksichtigt werden. Heike Solga, Mitautorin der Studie: "Wer nur auf den Schulabschluss schaut, übersieht einen Teil der Talente, die Betriebe dringend brauchen. Selbst dort, wo Jugendliche bessere Mathematik- und Lesekompetenzen mitbringen, verbessert dies ihre Chancen auf einen Ausbildungsplatz oft kaum. Viele Potenziale bleiben dadurch ungenutzt."

Ein weiterer wichtiger Aspekt für Benachteiligung auf dem Ausbildungsmarkt ist die soziale Herkunft: Welche Ressourcen in Form von Bildungskapital, Berufserfahrungen und beruflichen Netzwerken der Eltern den Jugendlichen bei der Ausbildungsplatzsuche zur Verfügung stehen, hängt maßgeblich von ihrem sozialen Hintergrund ab. Dabei haben etwa doppelt so viele Jugendliche mit Migrationshintergrund maximal einen Hauptschulabschluss wie Jugendliche mit einem mittleren Abschluss.

Chancen durch berufsvorbereitende Maßnahmen

Chancen bieten den Jugendlichen vor allem berufsvorbereitende Maßnahmen, die von 76 Prozent der Jugendlichen ohne Schulabschluss und von 41 Prozent der Jugendlichen mit Hauptschulabschluss besucht werden. Am deutlichsten ist mit 32 Prozentpunkten die Verbesserung für Jugendliche ohne Schulabschluss. Für Jugendliche mit einfachem Hauptschulabschluss steigen die Ausbildungschancen um 15 Prozentpunkte, für Jugendliche mit qualifizierendem Hauptschulabschluss um 8 Prozentpunkte. Die größte Verbesserung (40 Prozentpunkte) konnte für Jugendliche ohne Bildungsabschluss festgestellt werden, die während der berufsvorbereitenden Maßnahmen einen höheren Schulabschluss nachholten.

Trotz aller positiven Effekte zeigt sich aber auch, dass die Berufsvorbereitung für die Hälfte der Jugendlichen mit maximal Hauptschulabschluss nicht den gewünschten Erfolg hatte. Für sie führte der Weg nach der Maßnahme nicht in eine Ausbildung, sondern in eine weitere Übergangsmaßnahme, in Arbeitslosigkeit oder in eine gering qualifizierte Erwerbstätigkeit.

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