13.10.2026 | Redaktion | EPoS Economic Research Center

Hohe Barrieren für geflüchtete Menschen

Studie zeigt schlechte Chancen bei Bewerbung um Ausbildungsstellen

Geflüchtete Menschen werden bei der Vergabe von Ausbildungsstellen systematisch übergangen. Das zeigt eine Studie des "EPoS Economic Research Centers", einer gemeinsamen Forschungseinrichtung der Universitäten Bonn und Mannheim. Den Wissenschaftlern zufolge haben Geflüchtete gegenüber deutschen Bewerbern mit dem niedrigsten Schulabschluss selbst dann das Nachsehen, wenn sie über einen ausländischen Hochschulabschluss und fortgeschrittene Deutschkenntnisse verfügen. Praktika und berufsspezifische Sprachkenntnisse erhöhen ihre Chancen aber deutlich.

Copyright Informationen anzeigenBewerbungsunterlagen verschiedener Bewerberinnen und Bewerber auf einem Schreibtisch

Je höher der Bildungsgrad und die Sprachkenntnisse der geflüchteten Bewerberinnen und Bewerber, desto größer sind ihre Chancen auf dem Ausbildungsmarkt. Wie die Befragung von knapp 800 Unternehmen im süddeutschen Raum ergab, lassen sich die Arbeitgeber aber vor allem dann überzeugen, Geflüchtete einzustellen, wenn diese glaubwürdige Nachweise für ihre Verlässlichkeit besitzen – und das sind aus ihrer Sicht beispielsweise abgeschlossene Praktika oder die regelmäßige Teilnahme an Kursen in Deutschland. Außerdem erhöhen Programme, die auf berufsspezifische Sprachkenntnisse abzielen, die Einstellungsbereitschaft der Arbeitgeber signifikant, während externes Mentoring und automatische Duldungsbescheinigungen weitgehend wirkungslos bleiben.

Die Studienergebnisse deuten auf strukturelle Barrieren hin, die in der Unsicherheit der Arbeitgeber hinsichtlich Produktivität, Engagement und Abbruchrisiko begründet liegen – Bedenken, die auf dem Ausbildungsmarkt besonders stark ins Gewicht fallen, da Unternehmen hier beträchtliche Vorabkosten für die Ausbildung tragen. Gezielte Sprachförderung erweist sich als wirksamstes politisches Instrument, um diese Barrieren abzubauen. Im Gegensatz dazu zeigen allgemeinere Integrationsmaßnahmen kaum Wirkung, Dies legt aus Sicht der Autorinnen und Autoren nahe, dass sich staatliche Bemühungen auf die Förderung fachspezifischer Sprachförderung als Voraussetzung für eine erfolgreiche Arbeitsmarktintegration konzentrieren sollten.