11.06.2026 | Redaktion | BMBFSFJ

Einsamkeitsbarometer vorgestellt

Menschen mit Behinderungen sind besonders betroffen

Menschen mit Behinderungen sind deutlich häufiger von Einsamkeit betroffen als Menschen ohne Behinderungen. Das zeigt das Einsamkeitsbarometer 2026 des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ). Wo Zugänge zu Bildung, Arbeit und sozialem Leben eingeschränkt sind, steigt auch das Risiko für Einsamkeit. "Einsamkeit ist damit kein individuelles Defizit, sondern Ausdruck ungleicher Teilhabechancen", sagte Irina Wolf, Direktorin des Instituts für Sozialarbeit und Sozialpädagogik, bei der Vorstellung des Berichts.

Klick zum VergrößernEinsamkeitsbelastungen ab 1992 nach Grad der Behinderung  Grafik: BMBFSFJ

Während im Jahr 2023 32,6 Prozent der Menschen mit Behinderungen mit einem Grad der Behinderung (GdB) von 50 und höher von Einsamkeitsbelastungen berichten, trifft dies im Vergleich dazu auf 20,1 Prozent der Menschen ohne Behinderungen zu. Menschen mit einem Grad der Behinderung von unter 50 liegen mit 27,2 Prozent dazwischen. In den qualitativen Interviews wurde im Hinblick auf die Barrieren sozialer und gesellschaftlicher Teilhabe von Menschen mit Behinderungen deutlich, dass diese Barrieren auf unterschiedlichsten Ebenen Wirksamkeit entfalten und sich gegenseitig verstärken. Das zeigt sich in besonderem Maße an entscheidenden Übergängen und Brüchen im Lebenslauf – etwa zwischen Schule und Ausbildung, beim Eintritt ins Erwerbsleben oder beim Verlust einer Arbeitsstelle. Gerade diese Übergänge werden im Hilfesystem häufig nicht ausreichend berücksichtigt, sodass Menschen mit Behinderungen in Phasen der Neuorientierung besonders vulnerabel sind.

Die Analyse wurde vom Kompetenznetz Einsamkeit (KNE) am Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik im Auftrag des Bundesbildungs- und -familienministeriums entwickelt und durchgeführt. Das Kompetenznetz Einsamkeit (KNE) setzt sich mit den Ursachen und Folgen von Einsamkeit auseinander und fördert die Erarbeitung und den Austausch über förderliche und hinderliche Faktoren in der Prävention von und Intervention bei Einsamkeit in Deutschland. Dazu verbindet das KNE Forschung, Netzwerkarbeit und Wissenstransfer. Das Projekt hat zum Ziel, das bestehende Wissen zum Thema Einsamkeit zu bündeln, Wissenslücken zu schließen und gewonnene Erkenntnisse in die politische und gesellschaftliche Praxis einfließen zu lassen.

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