29.06.2026 | Redaktion | BMBFSFJ
Jugendschutz in der digitalen Welt
Handlungsempfehlungen für einen zeitgemäßen Kinder- und Jugendschutz
Kinder und Jugendliche brauchen auch im digitalen Raum wirksamen Schutz. Eine interdisziplinäre Expertenkommission der Bundesregierung hat dazu 56 Handlungsempfehlungen erarbeitet, die den Ausgangspunkt für eine Gesamtstrategie des Kinder- und Jugendschutzes bilden sollen. Damit Kinder und Jugendliche die digitale Welt sicher nutzen können, sind verschiedene Akteure gefordert. Eltern und Fachkräfte in Schulen und Jugendhilfe spielen dabei ebenso eine zentrale Rolle wie Gesetzgeber und Plattformbetreiber.

Maryna | Adobe Stock

Neun Monate lang hat eine 18-köpfige Expertenkommission Risiken, Chancen und Herausforderungen digitaler Medien für Kinder und Jugendliche analysiert. Die daraus entstandenen 56 Handlungsempfehlungen wurden vergangene Woche an Bundesbildungsministerin Karin Prien übergeben. Ziel ist ein ganzheitlicher Kinder- und Jugendschutz, der den Schutz vor Risiken und Übergriffen, die Befähigung zu kompetentem Handeln und die Teilhabe der jungen Menschen gleichermaßen in den Blick nimmt.
Die Empfehlungen richten sich unter anderem an Gesetzgeber, Plattformbetreiber, Behörden, Eltern sowie Fachkräfte aus Schule, Jugendhilfe und Gesundheitswesen. Die Kommission betont dabei, dass die Verantwortung für strukturelle Risiken nicht auf Kinder und Familien allein verlagert werden dürfe.
Nachfolgend ein Auszug aus den Empfehlungen:
Familien stärken
Eltern sollen frühzeitig beim Umgang mit digitalen Medien unterstützt werden, um für eine verantwortungsbewusste Mediennutzung ihrer Kinder sensibilisiert zu werden. Dies soll unter anderem durch Beratung vor und nach der Geburt sowie durch die Einbeziehung der Medienerziehung in die kinderärztlichen Vorsorgeuntersuchungen passieren. Zudem empfiehlt die Kommission, elterliche Medienerziehung als Bestandteil des Familienrechts zu verankern.
Fachkräfte in Jugendhilfe und Schulen stärker einbinden
Fachkräften aus Schulen und der Jugendhilfe weist die Kommission eine zentrale Rolle bei der Medienbildung zu. So sollen Kinder bereits in der Grundschule grundlegende Kompetenzen im Umgang mit Künstlicher Intelligenz erwerben, zum Beispiel im Rahmen eines verpflichteten Zertifikats "KI-Seepferdchen". Darüber hinaus empfiehlt die Kommission länderübergreifende Programme zur Förderung der Medienkompetenz sowie partizipativ entwickelte Nutzungskonzepte für private digitale Endgeräte an Schulen. Schulsozialarbeit und Jugendhilfe sollen gemeinsam mit den Schulen dazu beitragen, dass junge Menschen einen sicheren, reflektierten und selbstbestimmten Umgang mit digitalen Medien entwickeln.
Plattformen stärker in die Verantwortung nehmen
Die Kommission empfiehlt verbindliche Vorgaben für Plattformbetreiber, etwa zur Gestaltung algorithmischer Feeds, manipulativer Designelemente und Benachrichtigungssysteme. Außerdem soll eine rechtliche Grundlage für eine verpflichtende Altersverifikation bei sozialen Netzwerken geschaffen werden.
Schutz und Unterstützung für junge Menschen ausbauen
Für Kinder und Jugendliche soll eine bundesweite Anzeige- und Meldestelle (eine "Kinderonlinewache") eingerichtet werden, die altersgerechte Hilfe bei digitaler Gewalt bietet. Darüber hinaus spricht sich die Kommission dafür aus, Künstliche Intelligenz frühzeitig in gesetzliche Regelungen einzubeziehen, insbesondere im Jugendschutzgesetz und im Jugendmedienschutz-Staatsvertrag.
Vom Wissen zum Handeln
Nach Auffassung der Kommission muss sich die digitale Welt an den Rechten, Bedürfnissen und Entwicklungsmöglichkeiten von Kindern und Jugendlichen orientieren – nicht umgekehrt. Die Empfehlungen sollen deshalb in eine ressortübergreifende Gesamtstrategie mit klaren Zuständigkeiten, einem Sofortprogramm bis Ende 2026 und einem verbindlichen Wirkungsmonitoring überführt werden.