16.06.2026 | Redaktion | DIPF

Bildung in Deutschland 2026

Bildungsungleichheiten und fehlende Basiskompetenzen gefährden Fachkräftesicherung

Auch zwanzig Jahre nach dem ersten nationalen Bildungsbericht steht das deutsche Bildungssystem trotz vieler Reformen noch vor grundlegenden Herausforderungen: Zentrale Kompetenzstandards werden nicht erreicht, soziale Ungleichheiten ziehen sich durch die gesamte Bildungsbiografie und der Fachkräftemangel verschärft sich. Die Autorinnen und Autoren von "Bildung in Deutschland 2026" fordern deshalb eine langfristig angelegte und besser koordinierte Steuerung des Bildungssystems, die auf gesellschaftliche Veränderungen flexibel reagieren kann.

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Titelblatt des nationalen Bildungsberichts

Die Analyse von Bildungsungleichheiten stellt in diesem Jahr einen Schwerpunkt im nationalen Bildungsbericht dar. Sie zeigt, dass Bildungsungleichheiten in Deutschland strukturell verankert sind und eng mit der sozialen Herkunft zusammenhängen.  Sie entstehen bereits vor dem Schuleintritt und setzen sich über die gesamte Bildungsbiografie hinweg von der Bildungsbeteiligung über den Kompetenzerwerb bis hin zu Bildungsabschlüssen und Übergangsentscheidungen fort. Förder- und Unterstützungsangebote zum Abbau von Bildungsungleichheiten zwischen den Bundesländern unterscheiden sich dabei erheblich. Die heterogene Förderlandschaft führt dazu, dass diese nicht überall gleichermaßen verfügbar sind.

Bildungsungleichheiten wirken in Ausbildung und Beruf

Wer bereits benachteiligt startet, hat wenig Aussicht auf bessere Bildungschancen: Kinder aus sozioökonomisch benachteiligten Familien erhalten seltener eine Gymnasialempfehlung, münden seltener in eine vollqualifizierende Ausbildung ein und brechen diese häufiger ab. Zudem bleiben formale Schulabschlüsse ein zentrales Auswahlkriterium beim Zugang zur Ausbildung. Gleichzeitig erschweren Passungsprobleme den Zugang zum dualen Ausbildungsmarkt. Während die Zahl der Neuzugänge im dualen System zurückgeht, steigen die Zahlen im Schulberufssystem und im Übergangssektor.

Deutliche Unterschiede zeigen sich auch bei den vorzeitige Vertragslösungen in der Berufsausbildung: Auszubildende mit niedrigeren Schulabschlüssen sowie nichtdeutsche Jugendliche lösen ihre Ausbildungsverträge häufiger als Personen mit mittleren oder höheren Schulabschlüssen beziehungsweise deutscher Staatsangehörigkeit. Die Ergebnisse verdeutlichen den anhaltenden Bedarf an gezielter Unterstützung und Begleitung beim Übergang in Ausbildung und Beruf.

"Wir wissen seit Langem, wo die Probleme liegen und dass sie sich über alle Bildungsbereiche hinweg erstrecken. Was fehlt, ist eine konsequent abgestimmte Steuerung, damit Unterstützung nicht an Zuständigkeitsgrenzen endet."
(Kai Maaz, Direktor des DIPF | Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation und Sprecher der Autorinnen und Autoren des nationalen Bildungsberichts)

Denn Bildungsungleichheiten beeinträchtigen nicht nur individuelle Bildungschancen, sondern gefährden auch die Fachkräftesicherung. Wenn Jugendliche aufgrund ihrer sozialen Herkunft geringere Chancen auf erfolgreiche Bildungs- und Ausbildungsverläufe haben, bleiben wichtige Fachkräftepotenziale ungenutzt. Eine frühzeitige und kontinuierliche Förderung entlang der gesamten Bildungsbiografie ist daher nicht nur eine Frage der Bildungsgerechtigkeit, sondern auch eine zentrale Voraussetzung für die Sicherung des Fachkräftebedarfs.

Hintergrundinformation zum nationalen Bildungsbericht


Der nationale Bildungsbericht wird alle zwei Jahre auf Basis von amtlichen Statistiken sowie sozialwissenschaftlichen Daten und Studien erstellt. Als zentrale Bestandsaufnahme des Bildungswesens analysiert er langfristige Entwicklungen und macht Herausforderungen sichtbar. Der Bericht erscheint 2026 zum elften Mal und blickt damit auf 20 Jahre Bildungsberichterstattung zurück.

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