12.03.2026 | Redaktion | Bertelsmann Stiftung
Attraktiv, aber kein Allheilmittel
Bertelsmann Stiftung veröffentlicht Studie zu Zusatzleistungen für Auszubildende
Um ihre Ausbildungsplätze attraktiver zu gestalten, werben Unternehmen zunehmend mit Sonderleistungen wie Jobtickets oder Weiterbildungsmaßnahmen. Wie eine Befragung der Bertelsmann Stiftung ergeben hat, spielen solche Benefits für die jungen Menschen bei der Wahl des Ausbildungsplatzes aber nur eine nachgeordnete Rolle: Sie sind ihnen weniger wichtig als Gehalt oder Arbeitszeit. Aus Sicht der Stiftung kommt es darauf an, Zusatzleistungen am Bedarf der potenziellen Bewerberinnen und Bewerber auszurichten und als Teil eines Gesamtpaketes zu gestalten.
Deutsche Unternehmen setzen immer häufiger auf freiwillige Zusatzleistungen ("Benefits"), um ihre Ausbildungsplätze zu bewerben. So hat sich etwa die Zahl der Online-Anzeigen für Ausbildungsstellen, in denen ein Firmenticket angeboten wird, von 2019 bis 2025 mehr als verdoppelt. Hinweise auf Sonderzahlungen wie Urlaubs- und Weihnachtsgeld haben sich im selben Zeitraum ungefähr verdreifacht. Die am häufigsten genannte Kategorie von Sonderleistungen sind Angebote zur inner- oder außerbetrieblichen Weiterbildung. 2025 nahm die Hälfte aller Ausbildungsanzeigen Bezug darauf, wie eine Datenanalyse der Bertelsmann Stiftung von 6,5 Millionen Online-Anzeigen zeigt.
Tatsächlich herrscht nach wie vor ein hoher Handlungsbedarf, um ausbildungswillige Betriebe und junge Menschen auf der Suche nach einer Lehrstelle zusammenzubringen: 2025 konnten 84.000 junge Menschen nicht in eine von ihnen gewünschte Ausbildung vermittelt werden. Gleichzeitig blieben über 54.000 Ausbildungsplätze unbesetzt. Drei Viertel der Unternehmen klagen inzwischen über einen Mangel an Bewerbungen bei der Suche nach Azubis.
Zusatzleistungen weniger wichtig als Gehalt oder Arbeitszeit
Eine Befragung junger Menschen im Alter von 14 bis 25 Jahren im Auftrag der Bertelsmann Stiftung zeigt jedoch, dass diese Strategie nur bedingt Aussicht auf Erfolg hat: Danach gefragt, welche Informationen ihnen in einer Ausbildungsausschreibung wichtig sind, nennen sie vor allem die konkreten Tätigkeiten, die Höhe der Ausbildungsvergütung, die Arbeitszeiten sowie den Arbeitsort. Auch eine authentische Beschreibung der Unternehmenskultur sowie Angaben zum möglichen Gehalt nach der Ausbildung sind für sie von Interesse. Die Sonderleistungen belegen in der Prioritätenliste nur Platz acht von zehn.
"Benefits können ein sinnvoller Bestandteil einer Gesamtstrategie für das Anwerben von Auszubildenden sein. Wichtig ist, dabei gezielt die Aspekte in den Fokus zu rücken, auf die junge Menschen bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz Wert legen und die Bedeutung von Benefits nicht zu überschätzen", sagt Fabian Schaffer, Experte der Bertelsmann Stiftung für berufliche Bildung. Er weist darauf hin, dass sich Zusatzleistungen gut als Kompensation eignen: So könnte zum Beispiel ein Ausbildungsbetrieb einen Fahrtkostenzuschuss geben, wenn der Standort recht weit vom Wohnort des Auszubildenden entfernt liegt.