02.06.2026 | Redaktion | Paritätischer Gesamtverband
Armutsquote nimmt weiter zu
Paritätischer Armutsbericht 2026 erschienen
Die Armutsquote in Deutschland ist 2025 im Vergleich zum Vorjahr um 0,6 Prozentpunkte auf 16,1 Prozent gestiegen. Das zeigt der Armutsbericht 2026 des Paritätischen Gesamtverbandes. 13,3 Millionen Menschen leben hierzulande in relativer Einkommensarmut – ihr Einkommen reicht nicht aus, um in angemessener Weise an der Gesellschaft teilhaben zu können. Armut verfestigt sich besonders bei Älteren, Frauen und Alleinerziehenden. Auch junge Erwachsene sind überdurchschnittlich betroffen. Gleichzeitig wächst die Kluft zwischen Regionen und Bevölkerungsgruppen.
Ein-Personen-Haushalte und Alleinerziehende zählen zu den am stärksten von Armut betroffenen Haushaltstypen. Mit einer Armutsquote von 30,3 Prozent bei Alleinlebenden und 28,9 Prozent bei Alleinerziehenden ist jeweils rund jede dritte Person in diesen Lebenslagen betroffen. Mit einem Anteil von 24,8 Prozent liegt die Quote bei jungen Erwachsenen zwischen 18 und 25 Jahren ebenfalls deutlich über dem Durchschnitt. Auch regional driftet Deutschland sozial weiter auseinander: In Bayern ist etwa jede achte Person von Armut betroffen, in Sachsen-Anhalt bereits mehr als jede fünfte und in Bremen sogar mehr als jede vierte Person. Der Abstand zwischen dem Bundesland mit der niedrigsten und der höchsten Armutsquote wächst weiter – von 14,1 Prozentpunkten im Jahr 2024 auf inzwischen 14,9 Prozentpunkte.
Joachim Rock, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbandes und Mitautor des Berichtes, sieht in dieser Entwicklung eine Gefahr für die Demokratie in Deutschland: "Wir sehen eine Gesellschaft, die sozial weiter auseinanderdriftet. Menschen spüren das. Jetzt immer neue Kürzungen zu diskutieren, schürt Angst und Unsicherheit. Das spielt Populisten und Extremisten in die Hände." Die drohenden Einschnitte beim Wohngeld, beim Unterhaltsvorschuss, in der Jugendhilfe, in der Eingliederungshilfe und bei Rente und Krankenversicherung träfen gerade die Menschen, die auf Hilfe angewiesen seien: Alleinerziehende, Alte, Kranke, Menschen mit Behinderungen sowie Kinder und Jugendliche. Sein Appell an die Politik: "Wer in der Krise den Sozialstaat weiter abbaut, der vertieft die Krise. Die Bundesregierung ist aufgefordert, diesen Kurs zu stoppen und endlich eine Politik zu machen, die Armut bekämpft statt verwaltet!"