30.08.2022 | Redaktion | dpa

Wenig Interesse am Handwerk

Internationale Vergleichsstudie von 3M und Ipsos

In Deutschland ziehen im internationalen Vergleich nur relativ wenige Menschen einen Handwerksberuf in Betracht. Die Branche wird hierzulande vor allem hinsichtlich der Gehaltschancen schlechter eingeschätzt als in anderen Ländern. Nur zehn Prozent der Befragten sind in Deutschland in einem Handwerksberuf tätig und 18 weitere Prozent haben jemals über eine Laufbahn in der Branche nachgedacht, heißt es in einer repräsentativen Studie des Marktforschungsinstituts Ipsos im Auftrag des US-Mischkonzerns 3M. Das ist der niedrigste Wert aller 17 untersuchten Länder.

Bild: Photographee.eu/Adobe Stock

Fast drei Viertel der Befragten (72 Prozent) gaben in der Studie an, sie seien nicht im Handwerk tätig und hätten auch nicht über eine Laufbahn dort nachgedacht. In Frankreich etwa waren es 56 Prozent. Zudem glauben nur 49 Prozent der Befragten in Deutschland, dass sie mit einer solchen Ausbildung ähnlich gut verdienen könnten wie mit einem Beruf, der ein vierjähriges Universitätsstudium erfordert - 14 Prozent stimmen dem voll zu und 35 stimmen eher zu. Auch das sei der niedrigste Wert unter den betrachteten Ländern, hieß es. Global waren es zusammen 71 Prozent. Dabei fehlt es offenbar nicht an der Wahrnehmung von Chancen im Handwerk: 87 Prozent der Befragten sehen in der Branche viele Jobmöglichkeiten, das sind etwas mehr als im weltweiten Schnitt. 53 Prozent gaben aber an, sie verfolgten andere berufliche Interessen. 20 Prozent bezweifelten, dass sie damit genug Geld verdienen würden.

Eine Viertelmillion Fachkräfte fehlen

Für die Studie wurden in 17 Ländern jeweils rund 1.000 Menschen befragt – darunter Deutschland, Frankreich, die USA, Großbritannien, Brasilien, Indien und Mexiko. Die Daten wurden zwischen September und Dezember 2021 erhoben. Das Handwerk in Deutschland beklagt schon lange, dass sich viele junge Menschen für ein Studium anstelle einer Ausbildung entscheiden. Erst Ende Juli hatte Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer angesichts des Fachkräftemangels eine "Bildungswende" in Deutschland gefordert. "Wir gehen von einer Viertelmillion Fachkräften aus, die im Handwerk fehlen", hatte er im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa gesagt. Ziele etwa beim Einbau von Wärmepumpen seien dann schwierig zu schaffen.

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