13.02.2026 | Redaktion | Aktion Mensch
Stillstand verletzt Menschenrechte
Aktion Mensch warnt vor Folgen anhaltend hoher Exklusionsquote
Anlässlich des Internationalen Tages der Bildung warnt die Aktion Mensch vor gravierenden Versäumnissen beim Ausbau eines inklusiven Bildungssystems in Deutschland. Obwohl inklusive Bildung ein völkerrechtlich verankertes Menschenrecht sei, bleibe sie für viele Schülerinnen und Schüler mit Behinderung weiterhin unerreichbar. Statt Barrieren abzubauen, verfestige sich ein System der Separation aus Regel- und Förderschulen – abhängig vom Wohnort, der Personalsituation und strukturellen Rahmenbedingungen.
Fast 17 Jahre nach der Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention stagniert der Ausbau der Inklusion. Die Exklusionsquote – also der Anteil der Kinder mit Förderbedarf, die in separaten Förderschulen unterrichtet werden – bleibt laut Bertelsmann Stiftung mit rund 4,2 Prozent bundesweit nahezu unverändert hoch. Gleichzeitig verlassen gemäß der Autoren- und Autorinnengruppe Bildungsberichterstattung 73 Prozent der Jugendlichen an Förderschulen die Schule ohne mindestens einen ersten Schulabschluss, was ihre Chancen auf dem ersten Arbeitsmarkt massiv einschränkt. "Wenn drei von vier Förderschüler*innen die Schule ohne Abschluss verlassen, ist das kein individuelles Versagen, sondern ein Systemfehler, den wir uns als Gesellschaft nicht leisten können", erklärt Christina Marx, Sprecherin der Aktion Mensch.
Ein wesentlicher Grund für die mangelnde Umsetzung inklusiver Bildung ist der anhaltende Lehrkräftemangel. So wird Inklusion oft als zusätzliche Aufgabe wahrgenommen, die knappen Kapazitäten häufig als Erstes zum Opfer fällt. Die Aktion Mensch appelliert deshalb an Politik und Bildungsinstitutionen, Inklusion nicht länger als optionales Zusatzprojekt zu behandeln, sondern als grundlegende Voraussetzung für gerechte Bildungschancen und eine vielfältige demokratische Gesellschaft.