03.03.2026 | Redaktion | Aktion Mensch
Mobbing ist allgegenwärtig
Studie der Aktion Mensch zu Erfahrungen und Auswirkungen von Mobbing
Mobbing ist unter Jugendlichen weit verbreitet und verursacht einen großen Leidensdruck. Wie eine Studie der Aktion Mensch zeigt, berichten 71 Prozent der Jugendlichen, selbst schon verbale Mobbing-Verhaltensweisen wie beleidigende oder erniedrigende Worte erlebt zu haben. 47 Prozent der Jugendlichen geben an, schon einmal Opfer von Mobbing gewesen zu sein. Jugendliche mit Behinderung, Zugehörigkeit zu LGTBQ+ und arme Jugendliche sind besonders gefährdet. Unterstützungsangebote zum Thema Mobbing sind Jugendlichen dagegen oft nicht bekannt.
Mobbing verursacht großen Leidensdruck: 57 Prozent der Opfer berichten von einer hohen Belastung. Unter den Zeuginnen und Zeugen sind es 40 Prozent. Besonders weibliche Jugendliche sowie diverse und jüngere, aber auch Jugendliche mit Beeinträchtigungen sind besonders hoch belastet. Mobbing wirkt lange nach: Belastungen bleiben oft über Jahre bestehen, nicht nur bei den Opfern selbst, sondern auch bei Zeuginnen und Zeugen, bei denen sie auch nach mehr als zwei Jahren nur wenig abnehmen. Die meisten Betroffenen sprechen zudem kaum über ihre Mobbing-Erfahrungen – meist aus Angst, Scham oder Hoffnungslosigkeit. 17 Prozent der Opfer und 16 Prozent der Zeuginnen und Zeugen geben an, nach dem Mobbing nie jemandem davon erzählt zu haben. Der häufigste Grund für ihr Schweigen ist die Überzeugung, dass Reden nichts bringt (Opfer: 37 Prozent, Zeuginnen und Zeugen: 40 Prozent).
Schule ist der häufigste soziale Mobbing-Kontext
Die emotionalen Folgen sind Angst, Traurigkeit und Gefühle von Einsamkeit, Wertlosigkeit und Scham. Neben psychischen Problemen bis hin zu Selbstverletzungen und Suizidgedanken folgt oft ein Rückzug aus Lebensbereichen. Die Folgen sind auch deshalb so gravierend, weil 75 Prozent der Opfer längere Zeit oder mehrmals gemobbt werden. Die Schule ist der häufigste soziale Mobbing-Kontext, gefolgt von Cybermobbing auf Platz 2. Täterinnen und Täter sind oft Peers, also nicht-verwandte Gleichaltrige, mit denen Heranwachsende aufwachsen, und darunter am häufigsten Mitschülerinnen und -schüler.
"Es ist wichtig, Mobbing-Opfer so zu stärken, dass sie sich früh jemandem anvertrauen. Ich habe viel zu lange gewartet." Weibliches Mobbing-Opfer in der Altersspanne 14 bis 17 Jahre
Wenn Jugendliche Hilfe suchen, dann am ehesten bei den Eltern (67 Prozent), beim Lehrpersonal (43 Prozent) und bei Freundinnen und Freunden (39 Prozent). Unterstützungsangebote wie die Telefonseelsorge oder die Nummer gegen Kummer sind noch relativ bekannt (47/44 Prozent), andere Angebote wie RealTalk, krisenchat und Zeichen gegen Mobbing kommen nur auf zehn bis 18 Prozent. Insgesamt hat der Großteil der Befragten (76 Prozent) aber noch keines der Angebote genutzt. 20 Prozent der Befragten geben an, gar keine Angebote zu kennen.