09.09.2026 | Redaktion | DGB
Die Situation junger Menschen ohne Ausbildung
Dossier des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) Rheinland-Pfalz/Saarland
Armut schränkt die Zukunftschancen junger Menschen massiv ein und beeinträchtigt ihre beruflichen Perspektiven. So verdienen Beschäftigte mit Berufsausbildung im Schnitt 700 Euro monatlich mehr. Im Jahr 2023 waren 20 Prozent der Personen ohne Ausbildung arbeitslos, unter denen mit Ausbildung waren es nur drei Prozent. Ein Dossier des DGB Rheinland-Pfalz/Saarland beleuchtet die Lebensrealität junger Menschen ohne Ausbildung, aber auch derer in Ausbildung unter dem Druck steigender Lebenshaltungskosten.

Sell, DGB Rheinland-Pfalz/Saarland

Susanne Wingertszahn, Vorsitzende des DGB Rheinland-Pfalz/Saarland
Wer eine Ausbildung abschließt, verbessert seine Chancen auf eine sichere und selbstbestimmte Zukunft. Viele Jugendliche in Deutschland wollen nach der Schule eine Ausbildung beginnen — aber nicht alle haben mit ihren Versuchen Erfolg. Im Jahr 2025 fanden in Deutschland 84.400 ausbildungsinteressierte junge Menschen keinen Ausbildungsplatz. In einigen Regionen — besonders auf dem Land — gibt es zu wenig Betriebe, die ausbilden. In anderen Fällen passen die Ausbildungsangebote nicht zu den Interessen der Jugendlichen. Für Jugendliche, die nicht von ihren Eltern bei der Berufswahl unterstützt werden können, die in kleinen Dörfern auf dem Land leben, die Sprachschwierigkeiten oder psychische Belastungen haben, ist es besonders schwierig, eine passende Ausbildungsstelle zu finden.
Zur Verbesserung der Chancen junger Menschen fordern die Gewerkschaften von den Betrieben, mehr Praktikumsplätze bereitzustellen, mehr Ausbildungsplätze einzurichten und bei der Auswahl von Bewerberinnen und Bewerbern nicht nur auf die Zeugnisse zu schauen, sondern im Gespräch deren Potenziale herauszufinden. Helfen könnte aus ihrer Sicht auch ein Zukunftsfonds für Ausbildung, der eine faire Finanzierung der Ausbildung durch die Beteiligung aller Betriebe ermöglicht, sowie eine Ausbildungsgarantie, die notfalls auch außerbetriebliche Ausbildung umfasst. Außerdem fordern sie die Freistellung von Auszubildenden für zusätzliche Förderung und eine Ausweitung von Berufseinstiegs-Programme wie "Start in den Beruf".
Auszubildende mit eigenem Haushalt sind armutsgefährdet
Haben junge Menschen einen Ausbildungsplatz gefunden, dann ist es vielen von ihnen nicht möglich, mit ihrer Ausbildungsvergütung ein selbstständiges Leben zu führen - Auszubildende mit eigenem Haushalt sind armutsgefährdet. Im Jahr 2022 lebten laut dem Mikrozensus noch 77 Prozent der Auszubildenden in Deutschland im Elternhaus. Aus Sicht des DGB wäre es gut, wenn zumindest ein Teil der Azubis eine tarifliche Ausbildungsvergütung erhält, denn damit könnten sie besser über die Runden kommen als mit der Mindestausbildungsvergütung. Auch die Wohn- und Mobilitätskosten sind für die meisten Auszubildenden zu hoch.
Die Gewerkschaften fordern deshalb eine deutliche Erhöhung der Ausbildungsvergütungen, Azubi-Wohnheime, die sich Azubis auch leisten können, ein Azubi-Ticket, damit Azubis klimaschonend und bezahlbar zum Ausbildungsbetrieb und zur Berufsschule kommen, sowie eine Reform der Berufsausbildungsbeihilfe (BAB), die das BAB unbürokratischer und unabhängig von den Eltern ausgestaltet.