29.05.2026 | Redaktion | LAG KJS NRW
Die Idee einer Jugendwohnagentur
Neuer Beitrag von "Jugendsozialarbeit aktuell" der LAG KJS NRW
Wohnungslosigkeit beginnt für viele junge Menschen mit dem Schlafen auf Sofas bei Freundinnen, Freunden oder Verwandten und mündet in einem unsicheren Alltag ohne festen Ort, der ihre Bildungs- und Lebensperspektiven gefährdet. In einem Beitrag für die Landesarbeitsgemeinschaft Katholische Jugendsozialarbeit NRW entwickelt Peter Schruth die Idee einer "Jugendwohnagentur", die ähnlich wie Jugendberufsagenturen Leistungen verschiedener Rechtskreise "aus einer Hand" zugänglich machen und koordinieren könnte.
Steigende Mieten, fehlender Wohnraum und überlastete Hilfesysteme verschärfen die Situation – vor allem für junge Menschen aus der Jugendhilfe, mit familiären Konflikten oder Armutserfahrungen, die oft nicht nur Wohnraum, sondern auch Vertrauen in Unterstützungssysteme verlieren. Zuständigkeiten enden oft an Verwaltungsgrenzen, sodass sie zwischen Jugendhilfe, Jobcenter, Sozialamt oder Wohnungsamt hin und her verwiesen werden. Dabei zeigen bestehende Kooperationsmodelle, dass integrierte Unterstützungssysteme funktionieren können: Jugendberufsagenturen bündeln in vielen Kommunen und Kreisen bereits erfolgreich Leistungen von Arbeitsagentur, Jobcenter und Jugendhilfe, um jungen Menschen Übergänge in Ausbildung und Arbeit zu erleichtern.
Leitziele und Aufgaben einer solchen Jugendwohnagentur oder eines "JugendwohnHub" könnten sein:
- die Entwicklung "einladender" Beratungspraktiken, die Vertrauen und Beteiligung stärken;
- die Beratung zur Sicherung und Vermittlung von Wohnraum sowie Unterstützung bei der Suche und Anmietung eines eigenen bezahlbaren Wohnraums;
- Niedrigschwellige Zugänge: Einrichtung eines Front-Office für Erstgespräche, klare Kommunikationswege, aufsuchende Sozialarbeit in Kooperation mit freien Trägern;
- Unterstützung mieterbezogener Kompetenzentwicklung, Stärkung der Selbstvertretung junger Subgruppen und systematische Rückkopplung der Erfahrungen jungen Menschen in fachliche und politische Diskurse;
- Nachbetreuung: Begleitende Beratung nach Wohnungsbezug, um Mietverhältnisse zu stabilisieren, Schuldenregulierung zu sichern und Rückfälle in Obdachlosigkeit oder ordnungsrechtliche Unterbringung zu vermeiden.
Wichtige Anforderungen für die zu schaffenden Kooperationsvereinbarungen im Bereich der Wohnungslosenhilfe sind aus Sicht des Autors ein datenschutzgerechter Austausch, eine klar definierte Zuständigkeit und eine möglichst nahtlose Unterstützung der Leistungsberechtigten ohne Doppelstrukturen: "Eine große noch zu bewältigende Aufgabe für die Umsetzung einer Jugendwohnagentur als Hub, um kooperativen Angebotsstrukturen in der Wohnungslosenhilfe für junge Erwachsene qualitativ näher zu kommen."