16.07.2026 | Redaktion | mpfs
Chancen und Belastungen digitaler Medien
JIMplus-Studie 2026 zu digitalem Wohlbefinden von Jugendlichen
Junge Menschen haben ein gespaltenes Verhältnis zu digitalen Medien: 72 Prozent geben an, dass Social Media sie von Dingen ablenkt, die sie eigentlich tun sollten. Eine häufige Nebenwirkung ist eine spürbare Verringerung der Konzentrationsfähigkeit (40 Prozent). Auf der anderen Seite bieten die Plattformen für 82 Prozent einen wichtigen Zugang zu Wissen und etwa die Hälfte berichtet, sich dort verstanden zu fühlen. Die neue JIMplus-Studie 2026 des Medienpädagogischen Forschungsverbunds Südwest (mpfs) zeigt, wie Jugendliche die Chancen und Belastungen digitaler Medien erleben und welche Auswirkungen dies auf ihr digitales Wohlbefinden hat.

Halfpoint | Adobe Stock

Eine zentrale Rolle für das digitale Wohlbefinden spielt Social Media und dabei vor allem YouTube, Instagram, TikTok und Snapchat. Die Nutzung der Plattformen ist derzeit die verbreitetste Online-Aktivität unter Jugendlichen. Gleichzeitig fällt die Bewertung deutlich ambivalenter aus als bei anderen digitalen Freizeitaktivitäten: Während etwa Musikhören überwiegend mit positiven Gefühlen verbunden ist und auch häufig als Strategie zum Umgang mit Belastungen genutzt wird, erleben Jugendliche Social Media als ständiges Wechselspiel zwischen positiven Erlebnissen und belastenden Erfahrungen.
Der Kontakt mit problematischen Inhalten ist für viele Jugendliche Teil ihrer digitalen Lebenswelt. Am häufigsten begegnen sie Fake News (71 Prozent), extremen politischen oder religiösen Inhalten (43 Prozent) sowie Hate Speech (40 Prozent). Die meisten Jugendlichen reagieren auf solche Inhalte, indem sie weiterscrollen und rund ein Drittel gibt an, sich an die vielen problematischen Inhalte auf Social Media gewöhnt zu haben. Nur etwa ein Viertel meldet problematische Beiträge den Plattformen. Gleichzeitig weisen Jugendliche, die bereits Kontakt mit bestimmten problematischen Inhalten hatten, tendenziell niedrigere Werte beim persönlichen Wohlbefinden auf.
Soziale Beziehungen bleiben zentral
Soziale Beziehungen spielen für das persönliche Wohlbefinden eine zentrale Rolle. Die höchste Zufriedenheit erleben Jugendliche bei Aktivitäten mit Freundinnen und Freunden. Auch eine starke familiäre Einbindung geht mit einem höheren Wohlbefinden einher. Bei Sorgen und Belastungen greifen Jugendliche neben Musik vor allem auf Gespräche mit vertrauten Personen zurück. Der Austausch mit KI-Chatbots spielt dagegen bislang nur eine untergeordnete Rolle. Zwölf Prozent der Jugendlichen nutzen diese Option, wenn sie etwas belastet.
Die Ergebnisse der JIMplus-Studie zeigen, dass Jugendliche digitale Medien, allen voran Social Media, nicht ohne Kenntnis über deren Schattenseiten nutzen, sondern trotz der bewussten Wahrnehmung dieser Probleme. Auch beim Thema Altersgrenzen zeigt sich eine differenzierte Haltung: Über die Hälfte steht einem Verbot skeptisch gegenüber, da sie dessen Wirksamkeit bezweifeln. Gleichzeitig sind 43 Prozent der Meinung, dass Social Media für alle unter einem bestimmten Alter verboten sein sollte. Im Kontext der aktuellen Verbotsdebatte sehen weniger als zehn Prozent die Perspektive von Jugendlichen als ausreichend berücksichtigt.
Weitere Informationen
- LFK: Drahtseilakt zwischen Inspiration und Belastung
Die Studienreihe JIM (Jugend, Information, Medien) wird seit 1998 vom Medienpädagogischen Forschungsverbund Südwest, einer Kooperation der Landesanstalt für Kommunikation Baden-Württemberg (LFK), der Medienanstalt Rheinland-Pfalz und des Südwestrundfunks durchgeführt.