30.07.2026 | Redaktion | DJI

Bildungsübergänge verfestigen soziale Ungleichheit

Neue Ausgabe des Forschungsmagazins "DJI Impulse"

Das Versprechen, Bildung könne Menschen zu sozialem Aufstieg und Teilhabe verhelfen, bekommt aus Sicht der Forschung immer deutlichere Risse. Wie die neue Ausgabe des Forschungsmagazins "DJI Impulse" zeigt, tragen die Bildungsübergänge zwischen Kita und Beruf häufig eher dazu bei, Ungleichheiten zu verstärken, als Benachteiligungen auszugleichen. Die Beiträge untersuchen, welche Mechanismen an diesen neuralgischen Punkten wirken – sie zeigen aber auch, wie inklusive Bildungsangebote ihnen entgegenwirken können.

Titelseite des Forschungsmagazins "DJI Impulse"
Titelseite des Forschungsmagazins "DJI Impulse"

Gerade an den Übergängen im Bildungssystem zeigt sich, wie eng Bildungserfolg noch immer mit der sozialen Herkunft verknüpft ist. Besondere Risiken bestehen für junge Menschen mit Behinderungen sowie sozioökonomisch benachteiligte Kinder und Jugendliche. Dazu gehören Kinder aus Familien mit niedriger formaler Bildung, aus armutsgefährdeten Haushalten oder aus Familien, denen finanzielle Mittel für grundlegende Bedürfnisse fehlen. Dies belegen neue Forschungsergebnisse des Deutschen Jugendinstituts (DJI) und von Kooperationspartnern, die in der aktuellen Ausgabe der "DJI Impulse" veröffentlicht wurden.

Erhebliche Unterschiede bereits in der Kita

Bereits der frühe Übergang von der Kindertagesbetreuung in die Grundschule markiert für Kinder und Familien "eine zentrale Entwicklungs- und Anpassungsphase", stellen die DJI-Forscherinnen Birgit Reißig und Susan Seeber in ihrem Beitrag "Anschlüsse schaffen, Brüche im Bildungsweg überwinden" fest: "Längst zeigen sich schon hier erhebliche Unterschiede in den Voraussetzungen der Kinder. Sprachliche Kompetenzen, soziale Erfahrungen, familiäre Unterstützungsmöglichkeiten oder der Zugang zu qualitativ hochwertiger frühkindlicher Bildung beeinflussen maßgeblich die weiteren Bildungschancen."

Besonders folgenreich ist aus ihrer Sicht der Übergang von der Grundschule in die weiterführende Schule, wo die soziale Herkunft oftmals stärker wirkt als tatsächliche Leistungsunterschiede. Kinder aus hohen sozialen Schichten besuchten deutlich häufiger ein Gymnasium als Kinder aus niedrigen Schichten. In den allgemeinbildenden Schulen verfestigten sich Benachteiligungen oftmals weiter, es erfolgten Sortierungen, die die weiteren Bildungs- und Erwerbskarrieren vorzeichnen.

Mit der dualen Berufsausbildung in Deutschland verbindet sich die Erwartung, sie könne Benachteiligungen schulischer Bildung zumindest teilweise ausgleichen. Doch hier zeigt sich: "Jugendlichen ohne oder mit Erstem Schulabschluss steht de facto nur ein schmales Segment an Ausbildungsberufen mit meist niedrigem Berufsprestige offen, längst hat sich der Mittlere Schulabschluss zur dominanten Ausbildungsvoraussetzung im dualen System entwickelt." Das Aufstiegsversprechen durch eine duale Berufsausbildung habe längst Risse bekommen, denn seit mehr als zwei Dekaden ließen sich Muster zwischen schulischer Vorbildung, Zugang zu beruflicher Ausbildung und zu bestimmten Berufen erkennen.

Integrierte Unterstützungsstrukturen erforderlich

Die Überwindung sozial bedingter Benachteiligungen im Bildungsverlauf stellt aus Sicht der Autorinnen eine zentrale, aber auch sehr komplexe Herausforderung dar. Da sich einmal entstandene Kompetenzdefizite im weiteren Bildungsweg häufig nur schwer kompensieren ließen, komme einer möglichst frühen Förderung besondere Bedeutung zu. Insbesondere sprachliche, kognitive und soziale Basiskompetenzen sollten bereits vor der Einschulung sowie im Elementarbereich gezielt unterstützt werden, um ungleiche Ausgangsbedingungen frühzeitig abzumildern.

Zur Förderung gesellschaftlicher Teilhabe reiche jedoch die ausschließliche Konzentration auf primäre Leistungsunterschiede nicht aus: "Um Benachteiligungen in den Bildungsentscheidungen entgegenzuwirken, bedarf es integrierter Unterstützungsstrukturen, die Beratungs-, Förder- und Unterstützungsangebote institutionenübergreifend systematisch miteinander verknüpfen." Ein solcher bildungsbereichs- und institutionenübergreifender Ansatz hierfür sei etwa das kommunale Bildungsmanagement.

Daneben gewinne aber auch die nonformale Bildung zunehmend an Bedeutung: Angebote der Kinder- und Jugendarbeit, kulturellen Bildung, Sportvereine oder außerschulischen Bildungsarbeit schafften wichtige Lern- und Erfahrungsräume, die insbesondere für benachteiligte junge Menschen bedeutsam sein könnten: "Sie fördern soziale Kompetenzen, Selbstwirksamkeitserfahrungen, Motivation und gesellschaftliche Teilhabe und eröffnen häufig niedrigschwellige Zugänge zu Bildung."

Insgesamt erfordere ein chancengerechteres Bildungssystem nicht nur eine verbesserte individuelle Förderung und eine verlässliche Begleitung von Übergängen, sondern auch strukturelle Weiterentwicklungen wie präventiv ausgerichtete Strategien, bedarfsorientierte Ressourcensteuerung und eine stärkere institutionelle Vernetzung.

Weitere Informationen

  • DJI: "DJI Impulse", Ausgabe 2+3/2026
    Das Forschungsmagazin des Deutschen Jugendinstituts erscheint viermal jährlich (Auflage: 7.000) und ist als Print, PDF oder E-Paper verfügbar.