überaus live: Berufliche Orientierung in Zeiten von KI

Zusammenfassung des ersten Online-Events

Copyright Informationen anzeigenEine menschliche Hand liegt auf einer PC-Maus. Darüber ist eine Grafik zu KI eingebettet.

Welche Möglichkeiten eröffnet Künstliche Intelligenz für die berufliche Orientierung – und welche Risiken sind dabei zu beachten? Mit diesen Themen befasste sich Dr. Lutz Goertz (mmb Institut) in der Auftaktveranstaltung der neuen Online-Reihe "überaus live" am 8. Juli 2026. Das Format greift aktuelle Entwicklungen am Übergang Schule–Beruf auf, bringt wissenschaftliche und praktische Perspektiven zusammen und schafft Raum für den Austausch mit Fachkräften. Rund 60 Personen aus unterschiedlichsten Bereichen nahmen an diesem ersten Event teil und nutzten die Gelegenheit, sich zu informieren und auszutauschen.

In seinem Vortrag unterschied Lutz Goertz drei zentrale Anwendungsfelder der KI: digitale Angebote für junge Menschen, die Unterstützung von Beratungsfachkräften sowie administrative und prozessbezogene Aufgaben.

Angebote für junge Menschen

Laut Untersuchungen des mmb Instituts haben sich die Erwartungen junger Menschen an Angebote zur beruflichen Orientierung verändert. Es gibt inzwischen einen Bedarf an stärker individualisierten, übersichtlichen und digital zugänglichen Angeboten. KI-Systeme könnten hier neue Möglichkeiten eröffnen, sofern sie nicht als Ersatz für persönliche Beratung, sondern als „Augmented Intelligence“ zur Unterstützung menschlicher Entscheidungs- und Beratungsprozesse eingesetzt werden.

Junge Menschen können KI beispielsweise nutzen, um ihre Interessen, Kompetenzen und beruflichen Vorstellungen zu reflektieren, Informationen zu Berufen zu recherchieren, passende Ausbildungs- und Beschäftigungsmöglichkeiten zu finden, bei der Erstellung und Überarbeitung von Bewerbungsunterlagen sowie bei der Simulation von Vorstellungsgesprächen. Allerdings sollten sie mit den Ergebnissen nicht allein gelassen werden. Gerade KI-generierte Lebensläufe und Anschreiben wirken schnell standardisiert und wenig persönlich. Es ist daher sinnvoller, die Vorschläge gemeinsam mit einer Fachkraft zu prüfen, zu überarbeiten und als Anlass für die Reflexion eigener Stärken und Erfahrungen zu nutzen.

Ergebnis der Mentimeter-Umfrage mit den Teilnehmenden der Veransttaltung
Diese Tools setzen die Teilnehmenden des überaus-Events bereits ein.

Unterstützung für Beratungsfachkräfte

Fachkräfte können KI in unterschiedlichen Phasen ihrer Arbeit einsetzen, beispielsweise bei der Vorbereitung und Strukturierung von Beratungsgesprächen, bei Recherchen, bei der Erstellung zielgruppengerechter Materialien oder zum Training anspruchsvoller Gesprächssituationen. Darüber hinaus kann KI administrative Aufgaben übernehmen, etwa Gespräche dokumentieren, Informationen strukturieren oder Abläufe unterstützen. Dadurch kann mehr Zeit für die eigentliche Beziehungs- und Beratungsarbeit entstehen. Ob eine Entlastung eintritt, muss jedoch jeweils kritisch geprüft werden. Nicht jede technische Lösung vereinfacht Prozesse automatisch.

Chancen und Risiken sorgfältig abwägen

Neben den bereits genannten Potenzialen von KI schätzt Lutz Goertz vor allem ihre zeitlich unabhängige und niedrigschwellige Verfügbarkeit. Diesen Chancen stehen jedoch erhebliche Risiken gegenüber. Ein zentrales Problem sind Verzerrungen in den Trainingsdaten.  So können KI-Systeme bestehende Geschlechterklischees und andere gesellschaftliche Vorurteile übernehmen und verstärken. Weitere Herausforderungen sind die mangelnde Transparenz vieler Systeme, mögliche Falschinformationen und Halluzinationen, ein begrenztes Verständnis komplexer Lebenssituationen und der Schutz persönlicher Daten.
Für die Auswahl und Bewertung eines Tools empfiehlt Dr. Goertz sechs zentrale Prüfkriterien: Fairness, Transparenz, Datenschutz, Zuverlässigkeit, konkreter Nutzen und langfristige Kosten.

Fazit

In der abschließenden Diskussion ging es unter anderem um geeignete Anwendungen für Bewerbungsprozesse, den Umgang mit personenbezogenen Daten, Auditverfahren für KI-Systeme und den Aufbau von KI-Kompetenzen.
Klar wurde: KI kann die berufliche Orientierung zugänglicher, individueller und effizienter machen. Eine qualitativ hochwertige Beratung entsteht jedoch nicht allein durch technische Systeme. Sie benötigt weiterhin fachliche Erfahrung, Beziehung, Empathie und die Fähigkeit, individuelle Lebenslagen zu verstehen.

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