01.07.2026 | Redaktion | DKJS
Aus sozialer wird politische Ungleichheit
Metaanalyse der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung veröffentlicht
Jungen Menschen wird häufig ein mangelndes Interesse an gesellschaftlichen Themen vorgeworfen. Die Metaanalyse „Beteiligung als soziale Frage“ der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung zeigt jedoch, dass ihre Möglichkeiten zur Mitbestimmung eng mit ihren Lebenslagen zusammenhängen. Viele junge Menschen möchten sich engagieren und gesellschaftliche Entwicklungen mitgestalten, erleben ihre Einflussmöglichkeiten aber oft als begrenzt. So wird aus der sozialen auch eine politische Ungleichheit.

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Junge Menschen möchten gehört werden
Vor dem Hintergrund aktueller Krisen werden junge Menschen häufig vor allem als diejenigen wahrgenommen, die gesellschaftliche Erwartungen erfüllen sollen. Ihre Rolle als aktive Mitgestalterinnen und Mitgestalter der Demokratie gerät dabei oft in den Hintergrund. Fehlen echte Möglichkeiten zur Mitbestimmung, erleben sich viele junge Menschen als wenig selbstwirksam. Dies hat Folgen für ihr Vertrauen in Politik und Demokratie. Die Analyse der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung (DKJS) zeigt zudem, dass soziale Herkunft, finanzielle Ressourcen, Bildungswege und der Wohnort maßgeblich darüber entscheiden, welche Chancen junge Menschen überhaupt haben, ihre Interessen einzubringen und gesellschaftliche Entwicklungen mitzugestalten.
Soziale Herkunft ausschlaggebend für Mitbestimmung
Familie, Schule und das soziale Umfeld prägen die Entwicklung junger Menschen entscheidend. Gleichzeitig hängen Bildungs- und Teilhabechancen in Deutschland weiterhin stark von der sozialen Herkunft ab. Schulen können bestehende Ungleichheiten oft nur begrenzt ausgleichen, und vielerorts fehlen außerschulische Beteiligungsangebote. Dabei lebt Demokratie davon, dass alle Menschen mitgestalten können. Beteiligung ist daher nicht allein eine Frage der individuellen Motivation, sondern auch der vorhandenen Rahmenbedingungen. Junge Menschen brauchen verlässliche Orte, Unterstützung und Strukturen, in denen sie unabhängig von ihrer sozialen Herkunft demokratische Mitbestimmung erfahren und einüben können.
Beteiligung braucht echte Mitgestaltung
Beteiligung darf sich zudem nicht auf symbolische Mitwirkung beschränken. Ohne zugängliche Beteiligungsmöglichkeiten, notwendige Ressourcen und die Berücksichtigung der Meinung junger Menschen bleibt Partizipation wirkungslos.
"Wer junge Menschen zum Engagement aufruft, ihnen aber die dafür nötigen Hebel vorenthält verwechselt politische Bildung und Partizipation mit pädagogischem Placebo. Erforderlich sind verbindliche Beteiligungsrechte, verlässliche Verfahren, ausgestattete Räume und eine spürbare Verschiebung politischer Macht zugunsten der jüngeren Generationen."
Zitat aus der Metaanalyse
In der Analyse wird deshalb gefordert, die politische Repräsentation junger Menschen zu stärken und verbindliche Standards für ihre Beteiligung zu schaffen. Ziel ist es, ihre Mitbestimmung dauerhaft zu sichern und sie stärker in gesellschaftliche Entscheidungsprozesse einzubeziehen.