17.03.2026 | Redaktion | LIfBi

Ungleich von Anfang an

Wie soziale Herkunft Bildungswege bereits vom Kleinkindalter an prägt

Bildungsungleichheiten entstehen nicht erst während der Schulzeit. Sie zeigen sich bereits in der frühkindlichen Entwicklung und setzen sich im weiteren Bildungsverlauf nahezu unverändert fort. Neben der Teilhabe an Bildung spielen dabei auch Bildungsentscheidungen von Eltern und Lehrkräften eine wichtige Rolle. Die Studie "Von der Kita bis zur Uni – Wie soziale Ungleichheiten unseren Bildungsweg beeinflussen" des Leibniz-Instituts für Bildungsverläufe (LIfBi) untersucht systematisch, an welchen Stellen soziale Ungleichheiten entstehen, sich verfestigen oder verringern.

Bild: Titelbild der Studie, Leibniz-Institut für Bildungsverläufe

Auf Basis von Daten des Nationalen Bildungspanels (NEPS) untersuchten die Forschenden die Auswirkungen der sozialen Herkunft von Kindern und Jugendlichen über ihren gesamten Bildungsverlauf hinweg – vom Kleinkindalter bis zu Ausbildung und Studium. Dabei berücksichtigten sie Einflüsse von Armut, das Bildungsniveau und den beruflichen Status der Eltern. Als Indikatoren für die Analyse dienten Kompetenzbereiche aus schulischen Lehrplänen, Bildungsentscheidungen der Familien sowie die Beurteilungen von Schülerinnen und Schülern durch ihre Lehrkräfte.
Die Forschenden stellen fest, dass Benachteiligungen bei kulturellen, sozialen und finanziellen Ressourcen der Eltern unterschiedliche und kumulative Wirkungen entfalten können. So beeinflussen etwa ein später Einstieg in die frühkindliche Bildung, Bildungsentscheidungen der Familien sowie Übergangsempfehlungen von der Grundschule in die weiterführende Schule und von dort in Ausbildung oder Studium die Bildungsbiografien nachhaltig.

Herkunftsbedingte Unterschiede bereits vor dem Schuleintritt

Bereits die Wahrscheinlichkeit des frühzeitigen und regelmäßigen Besuchs einer Kita hängt vom sozialen Status ab. Kinder aus mittleren und hohen sozialen Schichten nehmen deutlich häufiger an frühkindlicher Bildung teil. Entsprechend zeigen sich herkunftsbedingte Kompetenzunterschiede schon vor dem Schuleintritt: Kinder aus armen Familien weisen geringere Kompetenzen auf als Kinder aus besser gestellten Familien. Mit dem Bildungsniveau der Eltern steigen auch die Kompetenzen der Kinder. Diese Unterschiede bleiben auch über weite Teile der Schulzeit hinweg bestehen.

Ungleiche Leistungsbewertung und Übergangsempfehlungen

Notenvergaben und Leistungsbeurteilungen stehen nachweislich in Zusammenhang mit der sozialen Herkunft. Besonders deutlich zeigt sich dies bei den Übergangsempfehlungen von der Grundschule in weiterführende Schulen. Kinder aus Familien mit hohem Bildungsniveau erhalten häufiger eine Gymnasialempfehlung als Kinder aus weniger privilegierten Familien – selbst bei gleichen Kompetenzen und Noten. Zudem melden Eltern aus höheren Schichten ihre Kinder unabhängig von der Empfehlung der Schule öfter am Gymnasium an.
Jugendliche aus mittleren sozialen Schichten holen zwar in der Sekundarstufe I und II auf, doch die Hochschulreife bleibt seltener erreichbar. Bei gleichen Kompetenzen haben Kinder aus armen oder niedrig gebildeten Familien ein deutlich höheres Risiko, lediglich einen Hauptschulabschluss zu erlangen.

Migrationshintergrund spielt geringere Rolle als soziale Herkunft

Bei gleichen sozialen Ausgangsbedingungen hat der Migrationshintergrund nur geringe Auswirkungen auf Bildungsverläufe. Trotz im Mittel niedrigerer Kompetenzen erhalten Kinder mit Migrationshintergrund keine schlechteren Noten und werden nicht seltener für das Gymnasium empfohlen als Kinder ohne Migrationshintergrund. Bei gleichen Leistungen erhalten sie sogar häufiger eine Gymnasialempfehlung. Mit Studienberechtigung nehmen sie häufiger ein Studium auf, ohne diese jedoch seltener eine Ausbildung. Die Forschenden schließen aus den vorliegenden Daten, dass nicht der Migrationshintergrund, sondern die durchschnittlich niedrigere soziale Lage dieser Gruppe entscheidend für den Bildungsverlauf ist.

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