24.04.2026 | Redaktion | Portal der Kinder- und Jugendhilfe
Pro und Contra von den Verbänden
Stellungnahmen zum Referentenentwurf für Reform des SGB VIII
Im März 2026 hat das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) einen Referentenentwurf für die Reform des achten Sozialgesetzbuches (SGB VIII) veröffentlicht. Bis zum 16. April hatten Verbände und Arbeitsgemeinschaften Zeit, zu dem Entwurf Stellung zu beziehen. Einen Überblick über die Stellungnahmen gibt das Portal der Kinder- und Jugendhilfe. Dieser macht deutlich: Sowohl lobende als auch kritische Bewertungen der geplanten Reformen weisen eine recht große Übereinstimmung auf.
Bild: Tanja Tepavac/Unsplash
Positiv hervorgehoben werden zumeist zwei Punkte: die inklusive Ausrichtung der Reformen sowie die Zusammenführung der Hilfen für junge Menschen mit und ohne Behinderung unter dem Dach der Kinder- und Jugendhilfe. Der größte Kritikpunkt ist der Primat der Kostenreduzierung. So formuliert die Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege (BAGFW): "Kinder- und Jugendhilfe ist kein staatliches Wohlwollen nach Kassenlage, sondern ein kinderrechtlicher und grundgesetzlicher Auftrag zur Förderung der nachwachsenden Generation. Inklusion ist kein Sparprojekt, sondern braucht, um zu gelingen, hinreichend Ressourcen." Die geplanten Kosteneinsparungen könnten "langfristig höhere gesellschaftliche Folgekosten" verursachen (Deutscher Bundesjugendring).
Kritisiert wird die Verschiebung des Ansatzes der Kinder- und Jugendhilfe "von einer individuellen Bedarfsorientierung hin zu einer rein fiskalisch gesteuerten Infrastrukturlogik" (Deutsche Gesellschaft für Systemische Therapie, Beratung und Familientherapie und Bundesarbeitsgemeinschaft ASD). Viele Verbände kritisieren die "Vorrangregelung von Regelangeboten vor Individualleistungen" (Careleaver e.V.) und warnen vor einer drohenden Aushöhlung individueller Rechtsansprüche. Als Folge der Vorrangregelung präventiver vor individuellen Hilfen und des "Wirtschaftlichkeitsparadigmas" befürchten sie "eine Gefahr für die Qualität der Arbeit in der Kinder- und Jugendhilfe" (Deutscher Kinderschutzbund).