15.04.2026 | Redaktion | IAB
Ausbildungsabbrüche und Einkommen
Analyse des IAB zeigt starke Unterschiede je nach sozialer Herkunft
Formale Bildungsabschlüsse gelten oft als Voraussetzung für stabile und gut entlohnte Beschäftigungsverhältnisse. Viele junge Menschen beenden ihre Berufsausbildung jedoch vorzeitig. Wie eine Analyse des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zeigt, sind die langfristigen Folgen eines Ausbildungsabbruchs je nach sozialer Herkunft höchst unterschiedlich: Während das Einkommen von Jugendlichen aus sozial besser gestellten Familien im Schnitt stabil bleibt, bricht es für solche aus sozial benachteiligten Familien um 45 Prozent ein.

Grafik: IAB
Der negative Effekt eines Ausbildungsabbruchs konzentriert sich stark auf Jugendliche aus sozial benachteiligten Familien. Jugendliche mit dieser Herkunft, die ihre Ausbildung abgeschlossen haben, konnten im zehnjährigen Untersuchungszeitraum im Schnitt ein Einkommen von 153.000 Euro erzielen. Bei denjenigen, die ihre Ausbildung abgebrochen haben, beläuft sich dieses auf lediglich 82.000 Euro. Für Jugendliche aus sozial besser gestellten Familien zeigen sich hingegen keine Einkommensnachteile. Trotz des Abbruchs erreichen sie langfristig im Durchschnitt vergleichbare Einkommensniveaus wie Absolventinnen und Absolventen aus derselben Herkunftsgruppe.
"Die Folgen eines Ausbildungsabbruchs hängen auch mit den verfügbaren sozialen Ressourcen zusammen", so IAB-Forscherin Kerstin Ostermann. Jugendliche aus nicht benachteiligten Haushalten nehmen nach einem Abbruch häufiger erneut eine Ausbildung auf, sogenannte Zweite-Chance-Wege. Außerdem unterscheiden sich die Arbeitsmarktzugänge derjenigen, die keinen weiteren Abschluss erwerben. Abbrecherinnen und Abbrecher aus nicht benachteiligten Familien arbeiten deutlich häufiger in Tätigkeiten, die formal eigentlich einen Berufsabschluss erfordern. Sie sind also häufiger "unterqualifiziert" für ihren Job, haben aber dennoch vergleichsweise gute Einkommens- und Aufstiegschancen.
Präventionsmaßnahmen sozial konzentrieren
Aus der Analyse ziehen die Autorinnen und Autoren drei Schlussfolgerungen: Erstens unterstreichen die Ergebnisse die Bedeutung präventiver Maßnahmen: Ausbildungsabbrüche sind ursächlich für reale und langfristige Einkommensverluste und damit nicht bloß Ausdruck anderer persönlicher Merkmale, die häufig mit einem Ausbildungsabbruch zusammenhängen. Zweitens legen die Befunde nahe, Präventions- und Interventionsstrategien stärker sozial zu konzentrieren. Besonders wirksam sind Maßnahmen dort, wo sie Jugendliche aus einem benachteiligten sozialen Umfeld ansprechen
Drittens zeigt die Analyse, dass auch nach einem Ausbildungsabbruch Handlungsspielräume bestehen. Bessere Möglichkeiten des Wiedereinstiegs in die berufliche Bildung, eine engere Begleitung beim Übergang in Beschäftigung und der Abbau von Zugangsbarrieren zu qualifizierten Tätigkeiten könnten dazu beitragen, die langfristigen Folgen eines Ausbildungsabbruchs zu begrenzen. Aus arbeitsmarktpolitischer Sicht geht es also nicht nur darum, solche Abbrüche zu vermeiden, sondern auch darum, deren soziale Folgen zu reduzieren.