15.05.2026 | Redaktion | AGJ

Digitale Räume regulieren

Positionspapier der Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe (AGJ)

"Algorithmen, die auf maximale Verweildauer optimiert sind, die gezielt schädliche, polarisierende und radikalisierende Inhalte befördern, Plattformdesigns, die auf Vergleich und Engagement ausgelegt sind, belasten die mentale Gesundheit nicht nur von jungen Menschen." Die ist die zentrale These eines Positionspapiers der Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe (AGJ), das sich für eine kohärente Regelungs- und transparente Umsetzungsstruktur für den digitalen Raum einsetzt, die junge Menschen beteiligt, befähigt und schützt - und auch Eltern und pädagogische Fachkräfte einbezieht.

Bild: Viktor/Adobe Stock

Aus Sicht der Autorinnen und Autoren des Papiers reichen Zugangsbeschränkungen für junge Menschen nicht aus, um die vielfältigen Gefahren abzuwehren, die digitale Produkte, Dienste und Plattformen mit sich bringen. Auch Ansätze, die diese strukturellen Probleme mit Verweis auf individuelle Kompetenz, Selbstregulation und elterliche Erziehung zu individualisieren, setzten an der falschen Stelle an. Vielmehr müsse die Politik ihrer Verantwortung gerecht werden, schädigende und manipulative Funktionen von Plattformen verbieten, für effektive, transparente und kindgerechte Beschwerde- und Meldestrukturen sorgen und eine konsequente strafrechtlichen Verfolgung von Gewalt- und Straftaten im digitalen Raum ermöglichen: "Ohne eine wirksame Regulierung auf dieser Ebene bleiben junge Menschen und diejenigen, die sie in ihrem Aufwachsen in einer digital transformierten Welt begleiten, wie Eltern und Fachkräfte, mit systemischen Risiken weitgehend alleingelassen."

Digitale Räume als zentrale Orte für junge Menschen

Digitale Plattformen, so das Positionspapier, prägen zunehmend die Bedingungen demokratischer Öffentlichkeit: "Sie sind aber nicht demokratisch verfasst, sondern folgen primär ökonomischen Logiken. Die Verbreitung von Desinformation, die Verstärkung polarisierender Inhalte sowie die Verbreitung demokratie- und menschenfeindlicher Diskurse und Haltungen werden durch Plattformlogiken begünstigt. Demokratiefeindlichkeit findet daher in sozialen Netzwerken strukturell günstige Bedingungen." Diese Entwicklungen beträfen alle Menschen. Für junge Menschen seien sie jedoch von besonderer Relevanz. Digitale Räume seien für sie zentrale Orte politischer Information, Meinungsbildung und Selbstpositionierung.

Risiken bestehen für Nutzerinnen und Nutzer dieser Räume demnach nicht nur durch die Technik selbst, also durch Designs von Plattformen, die darauf ausgelegt sind, süchtig zu machen und durch Algorithmen, die bestimmte Inhalte und Formen der Gewalt befördern. Es seien auch Personen, meist Erwachsene, die technische Mittel nutzen, um für menschenverachtende Ideologien zu rekrutieren und zu werben oder um Menschen zu bedrohen, zu sexualisieren, zu erniedrigen oder psychisch unter Druck zu setzen.

Qualifizierungsangebote für Fachkräfte

Die AGJ setzt sich für eine politische Strategie ein, die auf die nationale Umsetzung des Rechtsrahmens europäischer Digitalpolitik setzt und darauf zielt, die politische Teilhabe in sicheren digitalen Räumen aktiv zu ermöglichen und zu verbessern: "Dazu gehört eine konsequente Regulierung von Plattformen, die Desinformation, Hate Speech, algorithmische Verstärkung und suchtfördernde Designmechanismen verbietet."

Die Arbeitsgemeinschaft fordert darüber hinaus verlässliche, langfristige Finanzierungsstrukturen sowie eine stärkere institutionelle Verankerung von politischer Bildung im Rahmen der Kinder- und Jugendhilfe, die sich auf digitale Umgebungen fokussiert. Hierfür brauche es auch gezielte Qualifizierungs- und Unterstützungsangebote für Fachkräfte, damit diese den gestiegenen und neuen Anforderungen gerecht werden können. Dies betreffe insbesondere den Umgang mit neuen Technologien, einen verbesserten Zugang zu aktuellen Informationen und praxisnahen Materialien.

Weitere Informationen

  • AGJ: Positionspapier (PDF)
    Die AGJ versteht sich als Interessenvertretung der Kinder- und Jugendhilfe, als träger- und handlungsfeldübergreifender Zusammenschluss und als Netzwerk im Interesse der Einheit der Jugendhilfe.