16.09.2020 | Redaktion | BAG EJSA | BAG KJS

Zwischenruf zur Corona-Krise

BAG EJSA und BAG KJS fordern mehr Teilhabe für junge Menschen

Die prekären Lebenslagen, die Isolation und die Ängste junger Menschen an der Schwelle zum Erwachsenwerden muss von der Politik stärker in den Blick genommen werden. Dies ist die zentrale Forderung eines "Zwischenrufs" der evangelischen und katholischen Bundesarbeitsgemeinschaften für die Jugendsozialarbeit. Angesichts der wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie gelte es, gerechte Bildungs- und Ausbildungschancen zu schaffen. Nötig seien breit angelegte Strategien und flächendeckende Lösungen, um in der Krise abgehängte junge Menschen aufzufangen.

Bild: DisobeyArt/Adobe Stock

Die Lage der jungen Menschen hat sich seit dem letzten Zwischenruf vom 1. Juli dieses Jahres aus Sicht der kirchlichen Verbände nicht verbessert. Vor allem die Situation von Jugendlichen in belasteten Lebenssituationen bleibe prekär. Diese Jugendlichen hätten weniger Unterstützung durch ihr Elternhaus und aufgrund ihrer oft beengten Wohnsituation weniger Möglichkeiten des Rückzugs. Sie seien belastet durch psychische Beeinträchtigungen, Schulden oder Suchtprobleme, Ungewissheiten in Hinblick auf die schulische und berufliche Zukunft. Dass sie nicht über die notwendigen technischen Geräte verfügten, erschwere zudem den dringend erforderlichen virtuellen Kontakt zur Schule und zu Sozialarbeitenden: "Inzwischen zeigt sich, dass die langjährig mit den Jugendlichen aufgebauten Beziehungen reduziert oder völlig abgebrochen werden."

Defizite sehen die Autorinnen und Autoren des Zwischenrufs auch bei der Bildungsteilhabe im deutschen Schulwesen: "Die unzureichende technische Ausstattung vieler Schulen, aber auch strukturelle und methodische Defizite in der Förderung von benachteiligten Jugendlichen in den schulischen Regelsystemen werden nun noch offensichtlicher." Die Rückmeldungen von unterschiedlichen Trägern aus dem gesamten Bundesgebiet machten deutlich, dass viele dieser Jugendlichen weder über einen Laptop, PC oder Drucker noch über einen leistungsfähigen Internetanschluss verfügten. Die soziale und auch digitale Spaltung im Bildungssystem verschärfe sich damit immer stärker.

"Die unzureichende technische Ausstattung vieler Schulen, aber auch strukturelle und methodische Defizite in der Förderung von benachteiligten Jugendlichen in den schulischen Regelsystemen werden nun noch offensichtlicher."

 

Auch die Auswirkungen des Wirtschaftsabschwungs auf dem Arbeits- und Ausbildungsmarkt werde die benachteiligte junger Menschen besonders treffen: Viele Unternehmen würden ihre Ausbildungsangebote reduzieren. Eine Umfrage des Zentralverbandes des deutschen Handwerks zeige, dass zwei Drittel der Befragten beabsichtigten, weniger neue Auszubildende einzustellen. Aber gerade Handwerksbetriebe gäben auch jungen Menschen mit geringen Schulabschlüssen, die über praktische Fähigkeiten verfügen, eine Ausbildungschance.

Recht auf Bildung und Ausbildung

Die Bundesverbände der katholischen und evangelischen Jugendsozialarbeit setzen sich deshalb für ein Recht auf Bildung und Ausbildung für alle jungen Menschen ein. Die Jugendsozialarbeit könne dazu einen wichtigen Beitrag leisten. Sie fordern die Allianz für Aus- und Weiterbildung dazu auf, ihren Ankündigungen, allen jungen Menschen eine Ausbildung zu sichern, entsprechende Taten folgen zu lassen. Die Mittel des Digitalpaktes seien zukünftig nicht nur Schulen, sondern auch Einrichtungen der Jugendberufshilfe und der Jugendsozialarbeit zur Verfügung zu stellen. Die Kultusministerkonferenz und die Bundesländer müssten dafür Sorge tragen, dass auch die zusätzlich zur Verfügung gestellten 500 Millionen Euro passgenau für benachteiligte Kinder und Jugendliche eingesetzt werden.

Von der kommunalen Ebenen fordern die Verbände flächendeckende Lösungen zum Auffangen abgehängter junger Menschen: "Hierzu sind die vielfältigen Angebote und Kompetenzen der Jugendsozialarbeit, vor allem die der mobilen Jugendarbeit und der Straßensozialarbeit, der Jugendmigrationsdienste sowie der Offenen Arbeit einzubeziehen." Nicht zuletzt müsse die Schulsozialarbeit in vollem Umfang aufrechterhalten und systematisch ausgebaut werden.