WEBVTT - Interview mit Dr. Cortina Gentner

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Den Produktionsschulansatz macht aus, dass konsequent
Arbeits- und Lernprozesse verbunden werden.

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Die jungen Menschen, die an den Produktionsschulen sind,
lernen an konkreten Kundenaufträgen.

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Nicht an irgendwelchen simulierten Bastel-Arbeiten,
sondern an echten Kundenaufträgen für echte Kunden.

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Und dadurch, dass sie an diesen Produkten arbeiten,
dass sie Dienstleistungen erstellen, lernen sie ganz viel.

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Und es hat für sie vor allem den Effekt, dass es sehr
sinnhafte Gegenstände sind, an denen sie arbeiten.

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Es macht Sinn für sie. Es fördert auch die Selbstverantwortung und
die Verantwortung gegenüber ihrem Produkt.

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Und darüber merken die Jugendlichen: "Guck mal,
das hat auch wieder etwas mit Theorie zu tun". 

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Denn wenn man vernünftig einen Kundenauftrag bearbeiten möchte,
muss man natürlich auch theoretisches Wissen haben.

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Man muss auch lesen, schreiben und rechnen können. Also – zack – haben wir
auch wieder schulische oder kognitive Prozesse mit drin.

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Diese konsequente Verbindung über den Kundenauftrag und Arbeits-
und Lernprozesse in betriebsähnlichen Strukturen – das macht Produktionsschule aus. 

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Das Zauberwort, sagen die Berufspädagogen, ist immer: die Produktion.

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Das ist ein Bildungskonzept, was mich überzeugt, was wirklich alle
jungen Menschen ansprechen kann – alle Lernenden.

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Weil es da wirklich um Begreifen geht – nicht nur um dieses kognitive, verkopfte Lernen. 

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Sie sind für junge Menschen, die eher Schwierigkeiten haben,
mit verkopftem, schulischem Lernen,

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die eine starke Schulverweigerer-Karriere haben, die erst einmal andere Aufgaben bewältigen müssen,

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bevor man überhaupt darüber nachdenken kann, welchen Beruf möchtest du erlernen,

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welche Kompetenzen kannst du noch entwickeln, um für die Ausbildung oder
Beschäftigung fit gemacht zu werden.

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Also da geht es auch um Fragen wie Lebensbewältigungskompetenzen und darum

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wie man sein Leben selbst organisiert und selbstbestimmt auch gestaltet. 

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Das können alle Jugendlichen sein aber da die Produktionsschulen vor
allem ihren Platz im Übergang Schule-Beruf zugewiesen bekommen haben

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sind es natürlich junge Menschen, die eher Probleme haben und
erst einmal ein Riesengepäck mit sich herumtragen.

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Wir würden das mehr unter die Kategorie setzen:
Benachteiligte Jugendliche, Menschen mit Behinderung.

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Die Produktionsschulen stehen da natürlich immer in so einem Spannungsfeld.

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Einerseits wollen sie inklusive Bildung anbieten, andererseits bereiten sie für
einen Arbeitsmarkt oder einen Ausbildungsmarkt vor, der weiterhin sehr selektiv wirkt.

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Also das ist sozusagen so ein Spannungsfeld,
das die Träger gar nicht lösen können.

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Sie konstruieren nicht dieses Bildungssystem – sie sind Teil des Systems.

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Mit den Angeboten, die sie seit Jahren entwickelt und erprobt haben,
können sie wirklich qualitativ hochwertige Bildung für alle anbieten.

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Für alle, das heißt unabhängig vom Alter, unabhängig
vom Geschlecht, unabhängig von den Ausgangslagen,

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nimmt man den jungen Menschen wie er ist.

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Jemand, der ein begnadeter Handwerker ist, ist nicht automatisch ein guter Pädagoge.

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Und ein begnadeter Handwerker, der ein guter Pädagoge ist, ist nicht unbedingt jemand,
der mit diesen jungen Menschen arbeiten kann.

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Da muss man sehr genau gucken und man muss auch gucken, wie lange macht jemand das?

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Also kann ich mit den jungen Menschen alt werden? Kann ich eigentlich ihre Lebensentwürfe
noch nachvollziehen und verstehen?

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Das ist etwas und natürlich auch das Stichwort, dass man regelmäßig auch gucken muss,
wie ich meine Kollegen in den Produktionsschulen professionalisiere.

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Also das Stichwort ist: Immer wieder Fort- und Weiterbildung, immer wieder Sachen anbieten,
dass sie quasi auf dem neuesten Stand sind, dass sie sich austauschen

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und Handwerkszeug an die Hand bekommen für eine Zielgruppe,
die vielleicht auch etwas schwieriger wirkt,

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für eine Zeit wie Corona, wo auch noch mal andere Herausforderungen an
alle Beteiligten gestellt worden sind. 

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Und wir müssen uns auch immer wieder vor Augen halten, es gibt nicht das Studium
oder den Beruf eines Produktionsschul-Pädagogen.

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Also wir haben wirklich so ein multiprofessionelles Team, mit Menschen die eben Handwerker sind,
die Lehrer sind, die über Mehrfachqualifikationen und Berufe verfügen.

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Die aber sagen: "wir haben Bock auf diese Arbeit. Auf dieses doch etwas unkonventionelle
pädagogische Konzept und auch auf die jungen Menschen haben wir Lust."

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Und dann kommt man ganz gut zusammen. 

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Und es ist so: Das ist so ein dänisches Prinzip damals gewesen – die, die
in diesen Gewerken sind müssen Meister ihres Faches sein.

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Also die sollten wissen, wovon sie reden, weil, das ist auch etwas,
womit sie die Jugendlichen fangen.

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Also das Eine, was wir vorhin gesagt hatten, ist der Kundenauftrag – sozusagen die Ernsthaftigkeit, die dahintersteckt und die Sinnstiftung.

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Das Andere ist die Bindung an die Kollegen. Wir haben erfahren,
damals in dem Modell-Projekt in Mecklenburg-Vorpommern,

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dass es gerade diese Handwerker sind, diese Leute in den Werkstätten,
die wissen wovon sie reden. 

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Die auch mitarbeiten, die die Ärmel hochkrempeln, die auch mal nach Schweiß riechen.

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Da haben die jungen Menschen uns in den Interviews zurückgemeldet,
das ist jemand, den sie ernst nehmen:

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"Da möchte ich mich gern auch sozusagen darauf einlassen und ich möchte
mit diesem Erwachsenen auch gerne arbeiten".